Phonomuseum mit neuen Raritäten : Träume aus Vinyl

Niko Pokrant mit seiner Schallplattensammlung und der Platte des Eckernförder Shanty-Chores. Der mobile Schallplattenspieler (kleines Bild) von Sharp aus den 60er Jahren zählt zu den besonderen Stücken seiner Sammlung.
Niko Pokrant mit seiner Schallplattensammlung und der Platte des Eckernförder Shanty-Chores. Der mobile Schallplattenspieler (kleines Bild) von Sharp aus den 60er Jahren zählt zu den besonderen Stücken seiner Sammlung.

Über 7000 Langspielplatten gehören zur Sammlung des Holzdorfer Phonomuseums von Niko Pokrant

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24. Januar 2018, 06:26 Uhr

Holzdorf | Überall stehen Radios, Plattenspieler, Lautsprecher und Kisten mit Schallplatten herum. In der Winterpause verwandelt sich das Phonomuseum Alte Schule Seeholz in ein buntes Lager phonotechnischer Schätze. „Schätzungsweise 150 neue Geräte haben wir seit Oktober neu reinbekommen“, berichtet Nico Pokrant (39). Seit 2011 betreibt er mit seinen Eltern das Museum und bietet von Mai bis Ende September regelmäßige Öffnungszeiten und Führungen an.

Zurzeit aber arbeitet sich der gelernte Finanzwirt Stück für Stück vor. So hat er zur Zeit eine amerikanische Standuhr mit eingebautem Radio in Arbeit. „So etwas haben wir noch nicht gehabt“, sagt Pokrant und freut sich über den Fund. Das Stück stammt aus den 30er-Jahren.

Familie Pokrant ist viel unterwegs, dabei holen sie bei Haushaltsauflösungen Objekte ab oder sie übernehmen Nachlässe, wenn die Familien wollen, dass die Objekte der Verstorbenen erhalten bleiben, weil sie viel zu schade zum Wegwerfen sind. Parallel dazu recherchieren sie nach Geräten und Herstellern im Internet. Als er in den 90er-Jahren anfing und Informationen zu Geräten suchte, da reiste er ins Deutsche Museum München und ließ sich in der Bibliothek Seiten aus historischen Zeitschriften kopieren. „Heute ist es alles viel einfacher“, sagt Pokrant und dennoch gibt es Geräte, über die findet man im Netz so gut wie nichts. So ein seltenes Stück konnten sie in Süd-Thüringen finden und holen. Es handelt sich um eine Phonotruhe der englischen Firma Finking etwa aus den Jahren 1928 bis 1930. Das Besondere ist sein eingebauter Schalltrichter, der an der Oberseite bei Nichtgebrauch mit einem Deckel abgedeckt wird. Selten und eine echte Rarität ist ein Phonoturm der Deutschen Grammophon, ebenfalls etwa aus den 30er-Jahre. Bei dem Gerät ist alles gut erhalten, nur der Antrieb des Plattentellers ist defekt. Glücklicherweise fand er ein zweites Gerät, dessen Motor nun Verwendung finden soll.

„Masse haben wir genug“, sagt Pokrant, „nun geht es darum, den Goldstaub zu suchen“. Dafür übernehmen sie auch schon mal größere Posten, in der Hoffnung, darunter etwas Besonders zu finden. Gegenüber den Anfängen seiner Sammelaktivität trifft Pokrant nun aber schnell Entscheidungen, er kann nicht alles aufheben. Schon jetzt sind die Lagerräume der alten Schule voll.

Neben den technischen Geräten ab etwa 1880 bis Anfang der 1980er-Jahre, wächst auch der Bestand an Platten. So konnte das Museum rund 4000 Langspielplatten (LP), Singles und Schellack-Platten neu aufnehmen. Der Bestand ist inzwischen auf gut 7000 LPs, 5000 Schellack-Platten und 4500 Singles angewachsen. Sie werden Besuchern jetzt in deckenhohen Regalen im Flur gezeigt. Letztlich sind auch sie ein Stück Geschichte. „Wir sitzen hier oft, reparieren und legen Platten auf, das ist gelebte Geschichte“, sagt Nico Pokrant. Neben Welthits von den Rolling Stones auf Vinyl finden Besucher auch lokale Interpreten. So fanden sie kürzlich eine LP mit Shanties: „Die blauen Jungs von Eckernförde“ unter Leitung von Walter Borowsky.

In ihrer Ausstellung in den ehemaligen Klassenräumen zeichnen Pokrants nur wenige Exponate aus. Hin und wieder geben sie Auskunft zu den ehemaligen Anschaffungskosten. Darüber kommt man gut ins Gespräch und kann den Wert der Geräte abschätzen. So kostete eine klassische Phonotruhe von Elektrola in Nussbaum aus dem Jahr 1929 1300 Reichsmark bei einem mittleren Monatseinkommen von bis zu 200 Reichsmark. Erika, Rolf und Nico Pokrant mögen es, wenn die Besucher Fragen stellen, so könnten sie individuell anhand der Exponate und der Tonträger technisch, geschichtlich und gesellschaftlich die Entwicklung der Geräte darstellen.

Dazu gehört sicher auch ein seltener mobiler Plattenspieler von Sharp aus den 60er-Jahren. Das „Mini Stereophono“ stellt quasi den Vorgänger des „Walkmans“ da, erklärt der Fachmann. Die große Bandbreite der HiFi-Geräte schließt einer der ersten in Deutschland verkauften CD-Player von Philips aus dem Jahr 1983 ab. Für 1300 D-Mark war er zu haben „und er läuft heute noch einwandfrei.“

Die Zahl der Museumsbesucher erreichte im Vorjahr wieder rund 1100. Vor allem Gruppen meldeten sich an und erlebten spannende Zeitreisen in die Vergangenheit. Geplant ist dieses Jahr erstmals eine separate Ausstellung nur mit Geräten der Firma Braun von A-Z. Verstärkt wird die nostalgische Atmosphäre im Museum durch das fertig gestellte 50er-Jahre -Café. Bei verschiedenen Haushaltsauflösungen fanden Pokrants entsprechende Tische, Schränke und Lampen, die an die 50er-Jahre erinnern. Dort können sich Gruppen nach Anmeldung bewirten lassen.

>Am 3. Mai öffnet das Museum wieder. Es ist dann bis Ende September donnerstags bis sonntags von 14 bis 18 Uhr offen. Es können Termine für Gruppen vereinbart werden.Infos: www.phonomuseumseeholz.de.

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