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Ehepaar Broecker hört auf : Traditionsreiche Drogerie räumt die Kieler Straße

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Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die engagierten Unternehmer Heidi und Hartmut Broecker schließen ihr Geschäft zum 31. März. Das Familienunternehmer in der Fußgängerstraße besteht seit 1934. 50 Jahre lang hat der 72-jährige Hartmut Broecker die Drogerie geführt.

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erstellt am 20.Feb.2015 | 06:14 Uhr

Eckernförde | Heidi und Hartmut Broecker schließen ihre Drogerie und Parfümerie in der Kieler Straße zum 31. März. „Aus Altersgründen,“ wie Hartmut Broecker (72) betont, denn nach 50 Jahren „Drogerie Broecker“ sei nun der richtige Zeitpunkt gekommen, sich aus dem Berufsleben zurückzuziehen.

Die Unternehmerfamilie Broecker blickt auf eine lange Tradition in der Eckernförder Einkaufsstraße zurück. 1934 kamen Hartmut Broeckers Eltern aus der Uckermark in die Fördestadt. Zu dem Zeitpunkt stand die Drogerie von Georg Heskjer zum Verkauf: „ Das war Liebe auf den ersten Blick – die Größe, die Lage, die Nähe zum Wasser – alles stimmte“, erzählt der Firmenchef, der als jüngstes Familienmitglied nach seinen Schwestern Ingrid und Gisela 1942 zur Welt kam. Als echter „Eckernförder Jung“ besuchte Hartmut Broecker er die Willers Jessen Schule und machte an der Jungmannschule Abitur.

Während seine Schwestern als ausgebildete Drogistinnen im elterlichen Geschäft mitarbeiteten, wollte der Junior Pharmazie studieren. Der Vater starb jedoch früh, die Schwestern heirateten und zogen fort. So absolvierte Hartmut Broecker ebenfalls die dreijährige Ausbildung zum Drogisten und übernahm 1965 – gerade 23-jährig – das Geschäft. „Früher war eine Drogerie etwas völlig anderes als heute. Wir haben Rezepturen, Crémes und Salben angefertigt, Lotionen hergestellt, Tees gemischt und diverse Flüssigkeiten abgefüllt – wie 96-prozentigen Alkohol, Glyzerin oder Terpentin“, erinnert er sich.

Die Drogerie Broecker bot zusätzlich seit 1936 Fotoarbeiten an; sie war in der Stadt ohnehin die erste mit Lizenz für ein Fotolabor, damals noch für Schwarz-Weiß-Aufnahmen. Auch gab es „Unmengen von Passbildern, dazu Gruppen- und Einzelaufnahmen vor Schiffstagestouren, die man bei Rückkehr fertig entgegennehmen konnte. Allein drei bis vier Angestellte waren damit beschäftigt, die Fotos von Hand zu colorieren. In Nachkriegszeiten tauschte man in Hamburg Kisten mit geräucherten Sprotten gegen das heißbegehrte Fotopapier.

Durch eine neue Gesetzgebung war später vieles den Apotheken vorbehalten, und die Drogerien begannen, sich in ihrem Angebot umzustellen. Ergänzend gab es bei „Broeckers“ in den 50-er Jahren schon den ersten Kosmetikberatungs – und folgend Kosmetikbehandlungssalon. Was Mutter Hildegard Broecker begann, konnte Ehefrau Heidi fortführen. Heidi Broecker aus Bieberach, die einzige von fünf Töchtern, die dort die elterliche Apotheke übernehmen wollte, machte in Eckernförde 1974 ihr Praktikum in der Schanzen-Apotheke bei Familie Jeske, lernte Hartmut Broecker kennen, brach nach zwei Semestern Pharmazie ihr Studium in Würzburg ab, absolvierte in Hamburg eine Ausbildung zur Kosmetikerin und heiratete ihren „Tücki“ 1978. Drei Jungs stellten sich ein: Hannes, Henrik und Hauke. Die Söhne sind inzwischen längst aus dem Haus, und die Zeit der Berufstätigkeit geht ihrem Ende zu.

Man wird die Broeckers und ihre Drogerie vermissen, die freundliche, zugewandte Art und das vorzügliche Sortiment, das in stets bester Qualität den interessierten Kunden erwartete: die schönen Dinge des Alltags wie Porzellan, Parfums, beste Pflegeprodukte, Silbersachen.

Jetzt wird geräumt, für die Nachfolgerin Platz gemacht: Vom 20. Februar bis 31. März kann man alles mit 30 oder sogar 50 Prozent Nachlass erwerben. Am 1. April eröffnet dann Christine Schwendicke dort ihr Geschäft. Heidi Broecker: „Aber L’Occitane und der Postkartenständer bleiben.“

Und was planen Broeckers für die Zukunft? Den Sohn in Indonesien besuchen, ausgiebige Fahrradtouren und ab jetzt gemeinsam für Green Screen und Unicef vor Ort sein.

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