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Frequenzmessung : Touristiker zählen das Volk

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Messkästen erfassen die Handys der Passanten bei der W-Lan-Suche. Dadurch soll belastbares Zahlenmaterial für touristische Aktionen wie Märkte und Feste entstehen.

Eckernförde | Der Wochenmarkt ist ein Frequenzbringer. Und auch beim Weihnachtsmarkt wirbt Stefan Borgmann damit, dass er Menschen in die Innenstadt lockt. Doch belastbare Zahlen konnte der Geschäftsführer der Eckernförde Touristik und Marketing GmbH (ETMG) bislang nicht vorlegen.

Das soll sich jetzt ändern. Seit dem 1. November hängen an vier Gebäuden in der Innenstadt kleine graue Kästen, die die Passanten zählen, genauer gesagt: ihre Handys. „Die Technik registriert Mobiltelefone, deren W-Lan-Suche eingeschaltet ist“, erklärt Stefan Borgmann. „Dabei wird die Mac-Adresse kurz gespeichert – sonst nichts. Es wird kein Zugriff auf die Telefonnummer oder persönliche Daten genommen.“ Nach zwei Stunden wird die Adresse wieder automatisch gelöscht. „Damit soll verhindert werden, dass jemand, der fünfmal innerhalb einer Stunde an einem Messkasten vorbeiläuft, jedesmal wieder gezählt wird. Wer aber nach zwei Stunden wieder erfasst wird, von dem geht man davon aus, dass er wieder gezielt in die Stadt gekommen ist.“ Aber nicht jeder Passant hat ein Handy oder immer seine WLan-Suche aktiviert. „Deshalb werden die erhobenen Zahlen mit dem Faktor 2,3 multipliziert“, so Borgmann. Ein wissenschaftlich ermittelter Wert.

Ein Jahr lang sollen die von der ETMG für 3500 Euro gemieteten Messkästen rund um die Uhr ihre Arbeit verrichten. Sie hängen an der Commerzbank und dem Tourist-Info-Punkt an den Eingängen zur Fußgängerzone sowie in der St.-Nicolai-Straße und in der Gartenstraße am Rathaus. Erste Ergebnisse kann Stefan Borgmann schon vorweisen: Am Freitag vor dem Weihnachtsmarkt zählte der Messkasten an der Commerzbank – also direkt neben dem Weihnachtsmarkt – 7200 (hochgerechnete) Passanten. Am Sonnabend waren es rund 10  000, am (Toten-)Sonntag 4800. Nach der Eröffnung des Weihnachtsmarktes waren die Zahlen ungemein höher: Freitag 12  000, Sonnabend 20  000 und Sonntag 27  000 Passanten. Insgesamt waren in dieser Woche nicht 47  000 Menschen an dieser Stelle unterwegs, sondern 91  000. „Dass die Zahlen so gravierend ausfallen, überrascht mich“, sagt Borgmann. „Jetzt haben wir verlässliche Zahlen, mit denen wir belegen können, was Veranstaltungen wie Weihnachts- oder Fischmärkte und Stadtfeste bringen. Die 15  000 Euro, die uns der Weihnachtsmarkt kostet, sind zum Beispiel gut angelegt, weil wir Frequenz in die Kieler Straße bringen, von der die Geschäftsleute profitieren. Das ist wirtschaftsfördernd.“

Gemessen werden aber nicht nur die Passanten, sondern auch das Wetter, das zum Beispiel für starke Zahleneinbrüche verantwortlich sein könnte. „Für uns ist das alles ein extrem wichtiger Erkenntnisgewinn, der auch Auswirkungen auf Veranstaltungs- oder Parkplatzplanung haben könnte.“ Ein Jahr soll die Frequenzmessung laufen und eventuell noch ausgedehnt werden.

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