Ostseecard : Touristen sollen weg von der Straße

Setzen auf die kostenlose Fahrt mit dem Bus für Touristen: Stadtverkehr-Leiterin Kerstin Bügler und Touristik-Geschäftsführer Stefan Borgmann.
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Setzen auf die kostenlose Fahrt mit dem Bus für Touristen: Stadtverkehr-Leiterin Kerstin Bügler und Touristik-Geschäftsführer Stefan Borgmann.

Die Kurabgabe wird um 50 Cent pro Tag erhöht. Dafür sollen Feriengäste mit Ostseecard künftig kostenlos den Stadtverkehr nutzen dürfen, um die Verkehrssituation zu entlasten.

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12. Dezember 2017, 06:06 Uhr

Eckernförde | Die Kurabgabe wird ab dem 1. Januar um 50 Cent pro Tag angehoben. Das hat gestern Abend die Ratsversammlung beschlossen. Doch nicht das Stadtsäckel soll davon profitieren, sondern der Öffentliche Personennahverkehr.

„Wir wollen den Stadtverkehr attraktiver gestalten“, sagt Stefan Borgmann, Geschäftsführer der Eckernförde Touristik und Marketing GmbH (ETMG). „Viele Bürger beschweren sich, dass die Straßen im Sommer verstopft und die Parkplätze in der Innenstadt belegt sind. Deshalb wollen wir die Gäste dazu bringen, die öffentlichen Busse zu benutzen.“ Wie das gehen soll, ist ganz einfach: Jeder Feriengast, der in Eckernförde übernachtet, bezahlt bisher in der Hauptsaison pro Tag 2 Euro und in der Nebensaison 1 Euro Kurabgabe. Dafür erhält er die Ostseecard, mit der er Vergünstigungen für verschiedene Einrichtungen erhält. Unter anderem darf er mit ihr auch für nur einen Euro pro Strecke mit dem Stadtverkehr fahren.

„Bislang hat der Stadtverkehr 800 Fahrten pro Jahr mit der Ostseecard registriert“, sagt Stadtverkehr-Chefin Kerstin Bügler. Angesichts von 75 000 Ostseecard-Inhabern ist das laut Borgmann sehr wenig. „Wir wollen, dass die Gäste ihr Auto stehenlassen. Deshalb dürfen sie zukünftig mit der Ostseecard kostenfrei den Stadtverkehr nutzen.“ Im Schwarzwald gebe es ein ähnliches Angebot, das laut Borgmann sehr gut angenommen werde. Und auch unter den Touristikern in Schleswig-Holstein sei die Umsetzung der Idee Konsens, nur noch nicht so weit gediehen. „In St. Peter-Ording gibt es dieses Angebot ganzjährig und in Glücksburg während der Hauptsaison. Sonst nirgends.“

Allerdings muss das Angebot finanziert werden. Zunächst müssen dem Stadtverkehr die Fahrten bezahlt und das Angebot beworben werden. Und genau dafür wird die Kurabgabe erhöht. „Von den 230 000 Übernachtungen, die wir im vergangenen Jahr hatten, waren etwa 150 000 abgabepflichtig. Sie haben für eine Kurabgabe in Höhe von 284 000 Euro gesorgt. Umgerechnet bedeutet das bei einer Erhöhung um 50 Cent, dass wir etwa 75 000 Euro zusätzlich im Jahr einnehmen.“ 5000 Euro davon soll der Stadtverkehr zur Verfügung gestellt bekommen, der Rest fließt in Werbemittel. Unter anderem sollen neue Busfahrpläne gezeichnet und eine Stadtimage-Kampagne finanziert werden. Jede der 150 Haltestellen mit einem Wartehäuschen wird mit einem 2x1 Meter großen Plakat versehen, auf dem einer von 30 Eckernfördern verrät, was für ihn Eckernförde attraktiv macht. Auch soll an jedem Wartehäuschen der Name der Haltestelle befestigt werden. Allein diese Stadtimage-Kampagne kostet 30 000 Euro.

Nicht zu vergessen die Neuorganisation der Busrouten: Borgmann und Stadtverkehr-Leiterin Kerstin Bügler denken zum Beispiel über eine Wiederbelebung der einst eingeschlafenen „Strandlinie“ nach – einen Bus, der am Vormittag und späten Nachmittag die Strandzugänge anfährt. Ihr Wunsch für die Zukunft: die ganze Region mit ins Boot holen. „Aber mit der Autokraft und der Bahn hat man dicke Bretter zu bohren“, so Borgmann. Deshalb zunächst der Stadtverkehr. „Mit irgendwas muss man ja anfangen.“

Dass die Kurabgabe mit 2,50 Euro in der Haupt- und 1,50 in der Nebensaison zu hoch ist, findet Borgmann nicht: „Damit bewegen wir uns in Schleswig-Holstein immer noch im unteren Drittel aller Ferienorte.“

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