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Toleranz üben ist wie ein Stückchen Frieden stiften

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Ohne Toleranz kann eine Gesellschaft nicht funktionieren

shz.de von
erstellt am 23.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Eckernförde | Das Wort Toleranz stammt aus dem Lateinischen und bedeutet: "etwas zulassen." Tolerant sein heißt: "Etwas dulden, was man eigentlich gar nicht möchte oder selbst für sich nicht für gut befindet".

Der denkende Mensch hat sich im Laufe seines Lebens - zuerst im Elternhaus, später im Arbeitsleben -, durch erworbenes Wissen und eigene Erfahrungen, durch seine Siege und Niederlagen eine feste Meinung gebildet. Sie begründet die eigene Lebenseinstellung. Doch diese feste Meinung verkrustet, wenn sie nicht ständig ergänzt und erneuert wird. Manch einem genügt es, sich Gleichgesinnte auszusuchen, um die Richtigkeit seiner Meinung bestätigt zu finden. Besser ist es, andere Meinungen anzuhören, zu durchdenken und wenn möglich, zu tolerieren. Das glückt nur, wenn auch mal die eigene Meinung in Frage stellt wird.

Ohne Toleranz werden wir keinen Frieden finden. Weder zwischen Staaten, Religionen, Kunst, Wissenschaften, Parteien, noch im Freundeskreis oder häuslichen Bereich. Aus der Intoleranz entstehen die meisten Kriege, Streitigkeiten und Feindschaften. Die Fronten verhärten sich und stoßen hart aufeinander. Das ist so im Großen, wie im Kleinen.

Wer den Lauf der Geschichte verfolgt, stellt fest, dass die Völker je nach Regierung unterschiedlichste Richtungen und Überzeugungen vertreten und verbreiten. Der Mächtige hat Recht. Nach Kriegen bestimmen die Sieger die neuen Regeln Die Toleranz bleibt dabei oft auf der Strecke.

Alle "Dogmen" und "-Ismen" liegen nahe am Fanatismus, dem ja bekanntlich tolerantes Denken fremd ist. In der Masse Mensch" hat der Einzelne den Hang, sich anzupassen, um nicht aufzufallen. So gelingt es, ganze Völker in eine Richtung zu drängen. Damit arbeitet jeder totalitäre Staat mit ganzer Härte. Toleranz hat da keinen Platz. Demokratien versuchen es natürlich auch mit mehr oder weniger Erfolg. Mit der Masse zu gehen, ist für den einzelnen ungefährlicher, bequemer und erfordert weniger Eigengedanken und selbstständiges Handeln.

Toleranz ist eine Gratwanderung, die keine klaren Grenzen hat. Wenn ich meine gewonnenen Lebenserkenntnisse und damit meine Persönlichkeit aufgebe, geht das am Sinn der Toleranz vorbei. Sie kann auch stets nur auf Gegenseitigkeit beruhen. Beide Seiten müssen einen Schritt auf einander zugehen, ohne dass dabei das "eigene Ich" verloren geht. Diese Grenzen sind jeweils individuell zu ziehen. Das gilt in der Familie genauso, wie gegenüber allen übrigen Andersdenkenden.

Gelingt das nicht, so bleibt nur noch die Methode, kontroverse Denkweisen auszuklammern, um Frieden und Freundschaften zu erhalten. Toleranz ist immer auch eine Sache des "Dazu lernen wollens". Sie darf nichts mit "Manipulieren" oder "Missionieren" zu tun haben. Die Steigerung von "Intoleranz" ist "Vorverurteilungen" und "Prinzipienreiterei". Dazu passt der schöne Satz: "Ich habe keine Vorurteile, ich lehne das aus Prinzip ab".

Beim Schreiben dieses Artikels habe ich mich natürlich selbst gefragt, wie tolerant ich bin und habe die Erkenntnis gewonnen: Dem Nächsten gegenüber eine gewisse Toleranz zu üben, ist wie ein Stückchen Frieden stiften.

Fangen Sie doch schon heute damit an, indem Sie den Inhalt dieses Artikels und seinen Verfasser tolerieren.

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