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B76 in Eckernförde : Tödlicher Unfall: War es zu dunkel?

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Gericht gibt lichttechnisches Gutachten in Auftrag

von
erstellt am 03.Mär.2015 | 06:20 Uhr

Ein tödlicher Autounfall auf der B76 in Höhe Schulweg beschäftigt seit gestern das Amtsgericht. Der Angeklagte (24) war am 9. Oktober 2013 auf der vierspurigen Bundesstraße in Richtung Carlshöhe unterwegs, als er mit seinem Auto zwei angetrunkene Männer erfasste, die bei Rot die Straße überquert haben sollen. Ein 73 Jahre alter Mann ist seinen Verletzungen noch am Unfallort erlegen, sein 71-jähriger Begleiter erlitt schwere Verletzungen. Weil der damals 22-Jährige die beiden Männer übersehen und erst bei der Kollision bemerkt haben will, muss er sich nun wegen fahrlässiger Tötung sowie fahrlässiger Körperverletzung vor dem Amtsgericht verantworten.

Laut Aussage des Angeklagten habe er die Fußgänger wegen der abendlichen Dunkelheit und der fehlenden Beleuchtung auf diesem Straßenabschnitt erst kurz vor dem Zusammenstoß im Scheinwerferlicht auftauchen sehen. Trotz einer Vollbremsung erfasste er die Fußgänger mit der vorderen rechten Seite seines Fahrzeugs. „Ich konnte es nicht verhindern“, sagte er.

Sowohl der Angeklagte als auch dessen Freundin, die vor ihm gefahren sein soll und deshalb als Zeugin vom Gericht geladen wurde, sagten aus, dass die Ampel grün gewesen sei. Beide seien nach der Kollision sofort angehalten und ausgestiegen. „Ich habe nur vermuten können, dass es Menschen waren, sicher war ich mir nicht“, sagte der Angeklagte. Die Aussagen der Freundin und von zwei weiteren Zeugen, dass die beiden Männer stark nach Alkohol gerochen haben, wurde durch eine medizinische Untersuchung des Verstorbenen bestätigt. Demnach hatte der Verstorbene noch wenige Stunden nach dem Unfall eine Blutalkoholgehalt von 1,04 Promille.

Aufschluss zum genauen Unfallhergang gab das Gutachten eines Sachverständigen. Den Verletzungen der beiden Männer nach zu urteilen, müssten sie die Straße von der Kleingartenanlage aus kommend Richtung Schulweg überquert haben. Am Unfallort haben die Sachverständigen zudem Hinweise auf die Geschwindigkeit des Angeklagten gefunden. Demzufolge hatte der Wagen eine Geschwindigkeit zwischen 55 und 63 Stundenkilometer.

Die wichtigste Frage des Prozesses aber konnte nur teilweise beantwortet werden: Hätte der Unfall vermieden werden können? Die Fußgänger, so der Sachverständige, hätten den Pkw sehen können. Ob aber auch der Angeklagte die beiden Fußgänger hätte sehen können, bleibt zunächst offen. Dafür bedarf es eines lichttechnischen Gutachtens, das das Gericht jetzt in Auftrag gegeben hat. Im Rahmen des Gutachtens soll geklärt werden, wie die Sichtverhältnisse an jenem Abend gewesen sind und ob der junge Fahrer die beiden Männer tatsächlich übersehen haben konnte.

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