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Sportpädagoge vor gericht : Tod im Holtsee: War es Fahrlässigkeit?

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

60-jähriger Sportpädagoge steht in Kiel im Prozess um das Badeunglück vom Sommer 2012 vor Gericht / Zwölfjährige kam damals um

Es sollte eine unbeschwerte Ferienfreizeit im Sommer vor drei Jahren werden. Doch der Ausflug wurde zu einem traumatischen Erlebnis: Eine Zwölfjährige der Mädchen-Fußballmannschaft aus Hamburg ertrank im Holtsee bei dem Versuch, eine neunjährige Kameradin zu retten. Nun steht der Betreuer (60) vor der 35. großen Strafkammer des Kieler Landgerichts. Ihm wird vorgeworfen, seine Sorgfaltspflicht verletzt zu haben. Die Anklage lautet fahrlässige Tötung.

Der Sportpädagoge soll das Mädchen am Nachmittag des 27. Juli 2012 auf den Rücken genommen haben, um mit ihm zur Badeinsel in der Mitte des Sees zu schwimmen. Das Mädchen war Nichtschwimmerin. Auf dem Weg soll es in Panik geraten sein und sich an ihm festgeklammert haben. Daraufhin kamen beide offenbar in Not, eine Zwölfjährige wollte helfen. Auch sie geriet bei dem Rettungsversuch unter Wasser und tauchte nicht wieder auf. Nachdem der Betreuer das jüngere Mädchen an Land gebracht hatte, kam ein Großaufgebot aus Rettungskräften. Die Helfer fanden das ältere Mädchen erst nach mehr als einer Stunde um etwa 16.45 Uhr. Es konnte nicht wieder reanimiert werden.

Am gestrigen zweiten Verhandlungstag kam auch die damals Neunjährige zu Wort. Allerdings schloss der Richter dazu die Öffentlichkeit aus, damit das Kind möglichst frei reden konnte. Die Mutter (38) hatte bereits vorher geschildert, was ihre Tochter damals nach dem Unglück berichtet hatte. Demnach habe das Kind den Betreuer gebeten, es zur Badeinsel zu bringen, um zu ihren Freundinnen zu gelangen. Er habe es jedoch unterwegs „von seinem Rücken geschubst“. Als die Freundin der Neunjährigen mit ihr ans Ufer schwimmen wollte, habe „ihr irgendetwas in den Rücken gedrückt“. Die Mutter schilderte, dass der Vorfall ihre Tochter noch stark belastet. „Für mich war das kein Unfall“, sagte die 38-Jährige. Sie ließ durchblicken, dass sie dem Betreuer grobe Fahrlässigkeit vorwirft. Ihrer Tochter habe sie vor der Abfahrt in Hamburg in Anwesenheit der Betreuer klargemacht, dass es nur bis zum Bauch ins Wasser gehen darf. Hier hakte der Staatsanwalt ein – ob sie dem Kind keine Schwimmflügel oder einen Rettungsring mitgegeben habe. „Wenn ein Mensch, der nicht schwimmen kann, bis zum Bauch ins Wasser geht und nach vorn kippt, kann er sich nicht mehr selbst helfen.“

Der Polizist, der nach dem Notruf als erster am Holtsee eintraf, schilderte im Zeugenstand seinen Eindruck: Er habe das Gefühl gehabt, dass der Angeklagte „komplett überfordert war“. Er habe ihn mit zwei Mädchen am Ufer sitzend angetroffen. Zu dem Zeitpunkt habe niemand nach dem untergegangenen Mädchen gesucht. „Die Kräfte hatten ihn verlassen. Er sagte damals: ‚Ich konnte einfach nicht mehr‘“, so der Beamte.

Der Prozess, in dem die Mutter des toten Mädchens als Nebenklägerin auftritt, wird am 13. April fortgesetzt. Dann ist das Urteil zu erwarten.

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erstellt am 28.Mär.2015 | 06:47 Uhr

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