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Eckernförder Zeitung

16. Dezember 2017 | 04:42 Uhr

Tochter bricht in Tränen aus

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

„Räuberische Erpressung“: Zehn Zeugen, aber noch kein Urteil

von
erstellt am 14.Feb.2014 | 11:12 Uhr

Zehn Zeugen hatte das Schöffengericht gestern geladen, um Aufschluss über die Vorfälle zu erhalten, die sich zwischen 2005 und 2007 im Kreisgebiet zugetragen haben sollen. Ein 49-jähriger Bauhofbesitzer ist wegen räuberischer Erpressung angeklagt. Ihm wird vorgeworfen, sich durch Urkundenfälschung einen finanziellen Vorteil verschafft zu haben sowie seine Bekannte, eine 46-jährige Gastwirtin, bedroht und mit einem Schuhlöffel aus Metall körperlich misshandelt zu haben.

Der Angeklagte und die Betroffene hatten bereits am ersten Prozesstag ausgesagt (wir berichteten). Die Schilderungen der 46-Jährigen glichen einer Horrorgeschichte, denn ihrer Aussage nach sei sie komplett abhängig von dem 49-Jährigen gewesen. Wenn sie nicht pariert habe, habe er sie mit einem Schuhlöffel verprügelt. Der Angeklagte erklärte, dass er der Gastwirtin über die Scheidung ihres Ehemannes hinweggeholfen und sie danach auch bei ihren Betriebsangelegenheiten unterstützt habe. Dabei sei nichts ohne Absprache ausgeführt worden, die Betroffene habe auf ihn gebaut. Deshalb habe er ihr beispielsweise seinen Wirtschaftsberater empfohlen. Körperliche Auseinandersetzungen habe es laut dem Angeklagten nicht gegeben, lediglich verbale, deshalb wisse er nichts von Verletzungen.

Der Richter versuchte beim gestrigen Prozess unter anderem herauszufinden, ob der Angeklagte sich gegenüber anderen Menschen ebenfalls aggressiv und aufbrausend verhalten habe. Zu diesem Punkt sagte die Ex-Ehefrau des Beklagten, dass dieser sie im Streit nie geschlagen, jedoch angefasst und geschüttelt habe. Die ehemalige Buchhalterin des Mannes, die auch für die Betroffene gearbeitet hatte, beschrieb den Angeklagten dagegen als einen freundlichen und hilfsbereiten Menschen.

Dass der Angeklagte die Betroffene bedroht haben soll, konnte keiner der Zeugen hundertprozentig bestätigen, denn sie beriefen sich hauptsächlich auf die Informationen, die sie von der Betroffenen bekamen. Zu den angeblich gefälschten Schecks bestätigten einige Zeugen Gespräche mit der Bank, die ehemalige Buchhalterin des Angeklagten erinnerte sich daran, mehrere Schecks in dessen Büro vorbereitet zu haben.

Unter den Zeugen, die sich gestern in Saal 122 des Amtsgerichts eingefunden hatten, war auch die 21-jährige Tochter der Betroffenen. Die junge Frau brach in Tränen aus, als sie den Zustand ihrer Mutter nach einer Prügelattacke beschrieb und als sie sich an ihr Pony erinnerte, das der Angeklagte ohne Absprache abgegeben haben soll. Das Verhältnis zum Angeklagten und dessen geschiedener Ehefrau sei vor den Vorfällen gut gewesen, doch danach sei alles eskaliert. Wie auch ihre Mutter habe sie Geld abgeben müssen, und zwar einen Teil ihres Konfirmationsgeldes. „Ich hatte Angst, dass Mama wieder geschlagen wird, wenn ich es nicht mache“, sagt sie.

Am 3. März geht der Prozess mit weiteren Zeugenaussagen weiter. Ob dann auch das Urteil verkündet wird, ist unklar.

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