Titanic-Atmosphäre : Titanic-Dinner für die Tafel-Kunden

Der Vorsitzende des deutschen Titanic-Vereins, Malte Fiebig-Petersen, sorgte mit seinem Titanic-Vortrag für Gänsehaut-Atmosphäre.
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Der Vorsitzende des deutschen Titanic-Vereins, Malte Fiebig-Petersen, sorgte mit seinem Titanic-Vortrag für Gänsehaut-Atmosphäre.

Ein stilvolles Fünf-Gänge-Menü gab es am Sonnabend in der Siegfried-Werft für den guten Zweck. 66 Gäste speisten wie einst 1912 am Abend vor dem Untergang .

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13. März 2018, 06:44 Uhr

Eckernförde | „We are all sitting in one boat.“ Jene Metapher, die der heutige EU-Kommissar in Brüssel und ehemalige Ministerpräsident Baden-Württembergs Günther Oettinger 2009 in seiner Rede an einer US-amerikanischen Universität in seinem ungelenken Englisch nutzte, um über den Zusammenhalt in seinem damalig regierten Bundesland zu sprechen, nahm die Eckernförder Tafel am vergangenen Wochenende beinah wortwörtlich. Mit ihrem in der Siegfried-Werft ausgerichteten Titanic-Dinner luden die Organisatoren um Marianne Schmidt von der Eckernförder Tafel und dem 1. Vorsitzenden des deutschen Titanic-Vereins, Malte Fiebig-Petersen, am Sonnabend 66 Gäste ein, noch einmal das letzte Dinner auf dem Ozeanriesen „Titanic“ nachzuerleben. Ungewöhnlich ist diese Idee, so Marianne Schmidt, die wohl auch in dieser Form einzigartig im norddeutschen Raum ist. „Zum letzten Mal fand das Ganze im rheinland-pfälzischen Speyer statt“ ergänzt der Titanic-Experte und Historiker Malte Fiebig-Petersen rasch.

Ihm ist es zu verdanken, dass unter anderem die Tischdekoration jener entspricht, die am Abend des 14. April 1912 – jenem unheilvollen Abend, an dem die Titanic sank – die Dinnertafeln der 1. Klasse zierte. Gelbe Geranien und gelb-weiße Serviettenarrangements auf weißem Tischtuch und silberfarbenes Besteck. So erwarteten der Gastraum der Siegfried-Werft und Fiebig-Petersen im Frack die festlich gekleideten Gäste um 19 Uhr. Fünf Gänge der eigentlich zwölf Gänge des legendären letzten Titanic-Dinners standen auf der Menüfolge des Abends, darunter „Filet Wellington“, pochierter Lachs auf Salat und „Punch Romaine“. Als Zwischengänge immer wieder die original Musik des Schiffsorchesters.

Zunächst stand Marianne Schmidt, Ehefrau des Leiters der Eckernförder Tafel, Reinhard Schmidt, der Idee, ein solch opulent gehaltenes Dinner mit gemeinnütziger Absicht zu veranstalten, sehr skeptisch gegenüber. „Angesicht der finanziell und sozial prekären Lage, in der sich die Tafel-Kunden befinden, hatte ich anfänglich große moralische Bedenken, einen solchen Abend im Namen der Tafel zu veranstalten“, erläuterte sie ihre Zweifel. Doch Fiebig-Petersen überzeugte sie mit einem schönen Bild: „Bist du nicht in deinem Leben auch schon gegen den einen oder anderen Eisberg gefahren?“ Mit jenem Vergleich habe er ihre Zweifel zerstreut, das Dinner zu organisieren, dessen Erlös abzüglich der angefallenen Kosten (Einkauf Lebensmittel etc.), der Arbeit der Eckernförder Tafel zu Gute kommen wird. „Es ist wichtig, dass wir als Menschen zusammenstehen“, davon sind Marianne Schmidt, ihr Mann und auch alle anderen Akteure des Abends bis hin zu Gastronom Oliver Träger überzeugt. „Ohne Ihre Hilfe hätte ich diesen Abend gar nicht organisieren können“, dankte die Organisatorin dem Pächter der Siegfried-Werft.

Seit November letzten Jahres plante und organisierte Marianne Schmidt mit ihren Mitstreitern jenen Abend, der voller Liebe zum Detail steckte. Ob es eben die Tischdekoration ist, die Fiebig-Petersen ebenso möglichst originalgetreu nachempfunden wissen wollte, wie die vielen großformatigen Schwarz-Weiß-Fotografien im Gastraum, die den damaligen führenden Ozean-Luxusliner vor seiner Jungfernfahrt am Dock von Southampton zeigen – ein Abend voller Atmosphäre und Gemeinschaftlichkeit. „Wir haben für die Gäste absichtlich eine Tischordnung erstellt, damit möglichst nur neue Gesichter nebeneinander sitzen und miteinander in Kontakt kommen.“

Denn dem Menschen auf Augenhöhe zu begegnen und ihn unbefangen kennen zu lernen – dieses Motto der Eckernförder Tafel galt auch für den außergewöhnlichen Dinnerabend.

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