„Time for Three“ mixten locker Klassik, Jazz und Gipsy.

Schleswig-Holstein Musik Festival SHMF : „Time for Three“ glänzen beim Auftritt in Altenhof

„Time for Three“ mixten locker Klassik, Jazz und Gipsy.

Das Trio „Time for Three“ begeisterte die Besucher in der Konzertscheune in Altenhof.

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23. August 2019, 18:41 Uhr

Altenhof | Schleswig-Holstein Musik Festival (SHMF) in der Konzertscheune des Guts Altenhof, Spätsommeratmosphäre mit einem Glas Wein in der Abendsonne, großer Andrang am Einlass, einige Zuversichtliche, die noch auf Karten hoffen – so weit das Gewohnte.

Ungewohnt dagegen, dass man das Programmheft geschenkt bekam, dass kein freier Platz zu sehen war, und es eine Begrüßung durch Dr. Christian Kuhnt gab, den Intendanten des Festivals (seit 2013). Zunächst Dankesworte an die Familie von Bethmann Hollweg für ihre jahrzehnte lange Gastfreundschaft. Lob und Dank an die Sponsoren, aber auch – und das verblüffte! – ans Publikum: „Danke für Ihre Lust, sich auf Unbekanntes einzulassen. Es wird eine musikalische Reise durch viele Stile geben, aber – bleiben Sie ruhig, schnallen Sie sich an – und bringen Sie nachher Ihre Sitzkissen zurück.“

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Locker, heiter – eine Grundstimmung, die sich mit dem Erscheinen der drei Musiker fortsetzte und dann wohl für den ganzen folgenden Abend galt: Es gab eine überschwängliche Freude am Musizieren und ein fasziniertes Zuhören.

Das Streicher-Trio „Time for Three“, drei junge amerikanische Musiker aus Washington, Philadelphia und New York, stieg sogleich mit einem rasanten Stück ein. Man sah Nicolas Kendall und Charles Yang mit ihren Violinen, dazu den Kontrabassisten Ranaan Meyer. Wohl jeder im Saal wusste, man hatte da drei absolute Star-Instrumentalisten mit klassischer Ausbildung vor sich und mochte sich fragen:

Was machen die da?

Klassik „wie gewohnt“ war da nicht zu entziffern. Es gab viel eher ein absolut mitreißendes Stück Musik über alle Grenzen und Stile hinweg: Hammerlaut und streichelzart, immer im Rhythmus, oft untereinander in Blickkontakt, denn man spielte den ganzen Abend über ohne Noten. Oft gab es Pizzicati auf den Streichinstrumenten. „Un-erhörte“ Herzschmelzer und erschütternde Höllenritte trafen das Publikum zentral.

Nach jedem Stück bebte das Kuhhaus von frenetischem Trampeln, Pfeifen, Jubelschreien

Nach jedem Stück? Titel waren im sogenannten Programmheft nicht vermerkt. Eine Moderation wurde ebenfalls ausgespart, man war der Musik, diesem Rausch im Unerwarteten, völlig ausgeliefert. Mit Sinn für Komik und Schabernack hörten die Drei auch schon mal auf zu spielen und – wenn dann der Applaus losbrach, spielten sie unbeirrt weiter. Aha.

Hemdsärmelig, wie auch einst in der Carnegie Hall, traten sie musikalische Gesteinsbrocken los, stellten Himmelsleitern an, fegten alles Übliche hinweg. Was für ein Miterleben. Alle drei waren auch gut bei Stimme, vor allem Charles Yang punktete mit schlackenfreier, zum Teil enorm hoher Stimme.

Man verstand nicht alles, aber erkannte manche Songs

Dazu instrumental und andeutungsweise „Amazing grace“, „Halleluja“, „Stairway to heaven“. Mit einer Eigenkomposition zu Beethovens Ehren klang viel nach „Joy“, und die Freude über diese ungeahnte Neuerschaffung von Musikerlebnis überschwemmte alles: Seele in Aufruhr, aufgewühlt und beglückt.
 

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