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Nabu erstattet Anzeige : Tierquäler binden Kormoran den Schnabel zu

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Der Vogel wäre verhungert, wenn er nicht bei einer Familie auf der Veranda gelandet wäre.

Altwittenbek | Dem Vogel drohte der sichere Hungertod: Mit einem Kabelbinder haben unbekannte Tierquäler einem jungen Kormoran den Schnabel zugebunden. Der noch nicht voll ausgefärbte Jungvogel muss schon auf einem seiner ersten selbstständigen Streifzüge außerhalb der Brutkolonie Opfer der Täter geworden sein. Er hat sich nicht etwa zufällig in dem Plastikteil verheddert – auf Fotos ist zu sehen, dass der Kabelbinder hinter der verdickten Schnabelspitze fest angezogen wurde – und das überstehende Band abgeschnitten, so dass die Misshandlung erst aus der Nähe auffällt.

Dem Naturschutzbund (Nabu) zufolge muss der Unbekannte den kräftigen Vogel  mit seinem Hakenschnabel gut festgehalten haben und könnte sich dabei Verletzungen an den Händen zugezogen haben.

Der Vogel hätte keine Chance gehabt – wenn er sich nicht mutig auf die Veranda von Familie Fehlandt in Altwittenbek am Nord-Ostsee-Kanal gesetzt hätte. Die erkennt die Notlage des Tieres und informierte den Nabu und Vogelschützer Hans-Dieter Martens, Mitglied der Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft für Schleswig-Holstein und Hamburg (OAG).

Der geschwächte Vogel wird eingefangen, und mit geübtem Griff und einem Seitenschneider kann Martens, der regelmäßig Jungvögel beringt, den Kormoran befreien. Einen Ring von der Vogelwarte Helgoland bekommt  er auch gleich mit auf den Weg – so kann er später von Vogelbeobachtern immer wieder erkannt werden.

Der Schreck sitzt bei allen Beteiligten auch nach der geglckten Rettung noch tief: „Wer sich so abstoßend verhält, der lässt jegliches Mitgefühl mit unserer Tierwelt vermissen“, sagt Nabu-Landesgeschäftsführer Ingo Ludwichowski. Die streng geschützten Fischfresser werden von Anglern und Berufsfischern häufig für Fangverluste verantwortlich gemacht. Besonders der Aal leide unter dem Kormoran, sagen Fischer.

Dafür gibt es dem Nabu zufolge keine wissenschaftlichen Belege. Eher fresse er vor allem Fische, die für den wirtschaftlichen Fang keine Bedeutung haben und schaffe so sogar mehr Lebensraum für Aale und andere wertvolle Fische. Immer wieder wird jedoch der Abschuss von Kormoranen gefordert, etwa an der Schlei, wo mehrere Tausend der schwarzen Vögel leben. Nabu und OAG vermuten, dass der Vogel an einer Angelleine angebissen haben könnte und dann von einem Angler lebend gefangen wurde.

„Ob ihm dabei klar war, dass dies einen drastischen Verstoß gegen rechtliche Vorgaben, die das tierschutzwidrige Quälen eines zudem durch die EU-Vogelschutzrichtlinie geschützten Vogels bestraft, darstellt?“, fragt Ludwichowski. Die Naturschützer haben eine Belohnung von 500 Euro für den entscheidenden Hinweis auf den Tierquäler ausgeschrieben. Außerdem wird der Nabu Anzeige erstatten.

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erstellt am 08.Aug.2017 | 15:53 Uhr

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