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Eckernförder Zeitung

23. Oktober 2017 | 17:44 Uhr

Tiefer Graben und kühne Pläne

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

von
erstellt am 30.Jan.2016 | 06:11 Uhr

Der Kaiserhof war einst eine der ersten Adressen in Borby. Dort pulsierte das Leben, der Adel und das Bürgertum feierten dort ihre Feste – Blütezeit des herrschaftlichen Gebäudes, mit dem es anschließend stetig bergab ging. Aber immerhin blieb es bis 2005 mit Leben erfüllt: Oben gab’s Zimmer, im Gastraum Pizza und unten – so wird berichtet – tanzten nur leicht bekleideten Damen im Käfig. Der Kaiserhof war Teil des Eckernförder Nacht- und Kneipenlebens und des Rotlichtmilieus, in dem brutale Täter nicht einmal vor Mord zurückschreckten.

Der Kaiserhof 2016 ist heruntergekommen. Ein marodes, vernachlässigtes und bald wohl abbruchreifes Haus nach bald elf Jahren Leerstand. Aus dem einstigen Hotel Bellevue ist ein Schandfleck geworden. Die Fassade bröckelt, es ist mittlerweile zu gefährlich, den Kaiserhof vom Vogelsang zur Bergstraße und umgekehrt zu passieren – die Stadt sperrte den Weg wegen der Gefährdung der öffentlichen Sicherheit. Eigentümer Michael Mattner und die Stadt finden gemeinsam bisher keinen Weg aus dieser Abwärtsspirale. Man muss mit dem Schlimmsten, sprich dem Abriss, rechnen, weil der Eigentümer – aus welchen Gründen auch immer –, seinem Haus die nötige Pflege verwehrt. Was natürlich in erster Linie seine Sache ist, aber wegen der herausgehobenen Bedeutung dieses traditionsreichen Gebäudes viele Eckernförder erbost.

Mit der Sanierung der Alt-Immobilie lässt sich nach Ansicht des Eigentümers kein Geld verdienen. Er sieht den Kaiserhof im Gesamtpaket mit dem Lindenhof, wobei die Priorität klar ist: Abriss des Lindenhofs, Neubau wirtschaftlich lukrativer Wohnungen, danach Sanierung und Anbindung des Kaiserhofs an den Neubau. Aus Sicht des Investors nachvollziehbar. Warum die Umsetzung nicht klappt, wird von Investor und Stadt unterschiedlich gedeutet. Fakt ist: Der erste Versuch einer Planung ist am 17. September 2013 krachend im Gestaltungsbeirat gescheitert. Danach wurde zwar hinter den Kulissen geplant und verhandelt, aber ohne Erfolg. Es gibt bisher kein Ergebnis, das tauglich genug ist, um im Licht der Öffentlichkeit zu bestehen. Mattner setzt in seinem Unternehmen mittlerweile andere Prioritäten, und der Stadt ist es bisher nicht gelungen, den Weg zu einer Lösung zu ebnen.

Der Graben zwischen Investor und Stadt ist tiefer denn je. Das sieht nicht gut aus.

Die Stadt geht als Eigentümer ganz anders mit einer anderen, ebenfalls weitgehend leerstehenden Immobilie um, der Willers-Jessen-Schule. Auch dort ist derzeit keine Nutzung in Sicht. Es gibt zwar einen Beschluss – Kita und Touristik sollen dort rein –, das dürfte aber an den 6 Millionen Euro Umbaukosten scheitern. Aber wer weiß, was da einmal entsteht. Selbst für die benachbarte Stadthalle gibt es laut Workshop des Bürger-Forums keinen Bestandsschutz mehr: Es gibt die Vision einer neuen Stadthalle mit Kino am Grünen Weg. Viel Bewegung im kleinen Ostseebad – zumindest im Geiste.

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