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Eckernförder Zeitung

26. September 2017 | 12:59 Uhr

Tiefer Einblick in Ascheffels Geschichte

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Historischer Dorfabend im Alten Bahnhof / AG Vor- und Frühgeschichte der Heimatgemeinschaft berichtet über Ausgrabungen im Straßberg

Mit regem Interesse versammeln sich am Freitagabend die Dorfbewohner im „Alten Bahnhof“, nachdem die Gemeinde zum alljährlichen Abend unter dem Motto „Bilder und Geschichten“ geladen hatt, den Dr. Telse Stoy und Joachim Sebastian von der Heimtgemeinschaft Eckernförde-Schwansen-Hütten-DänischerWohld gestalteten. Im Mittelpunkt dabei die Arbeitsgemeinschaft Vor- und Frühgeschichte, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, ehemaliges Steinwerkzeug zu sammeln, Funde zu fotografieren und zu dokumentieren und diese Artefakte dem Archäologischen Landesamt in Schleswig zu melden.

Interessant wurde es für die Gruppe, als 2012 bei der Erschließung des Ascheffler Gewerbegebietes am „Straßberg“ Tonscherben gefunden wurden. Das Archäologische Landesamt, das unter der Leitung des Archäologen Steffen Haucke die Voruntersuchungen, Ausgrabungen und Nachuntersuchungen mit Hilfe der Arbeitsgemeinschaft leitete, konnte die Scherbenfunde und zwei Häuserreste dem 1. und 2. Jahrhundert nach Christus zuordnen. Es liegt daher die Vermutung nahe, dass es sich bei den Ausgrabungen um eine einstige römische Siedlung der Kaiserzeit handelt.

Während das Bauvorhaben auf dem Planungsgebiet zunächst gestoppt wurde, entstanden mittels Suchgräben erste Grabungsflächen. Anhand von Verdichtungen und Verfärbungen im Boden konnten tiefere Kuhlen dokumentiert werden, die als Pfostenlöcher oder als Vorratsgruben dienten. Vergleichbar flacher fielen Gruben zur Lehmentnahme aus. „Die Tatsache, dass es sich um eine einstige Siedlung auf lehmigem Untergrund handelt, schließt eine Besiedlung durch Wikinger aus, denn jene siedelten stets auf sandigem Boden“, sagte Sebastian.

Trotz umfangreicher Grabungsarbeiten konnte eine Siedlung größeren Ausmaßes nicht ausgemacht werden. Bürgermeister Günther Petersen hofft, dass die Scherbenfunde, insbesondere ein in ganzer Form erhaltener Tontopf, vom Archäologischen Landesamt wieder in die Gemeinde zurückkehren werden.

Um weiteren Funden auf die Spur zu kommen, bedient man sich heute eines neuen Messverfahrens, dem Laserscanning. Unter dieser Laserabtastung ist das zeilen- oder rasterartige Überstreichen von Oberflächen mit einem Laserstrahl zu verstehen. Die Geländeoberflächen werden vermessen und daraus ein Bild erzeugt. Störende Signale von Gebäuden und Bäumen werden dabei ausgeblendet, so dass nur Bodensignale aufgezeichnet werden. Was sonst für das Auge in der Landschaft verborgen bleibt (wie Wölbäcker oder Hügelgräber), wird nun in der entstehenden Karte sichtbar. Besonders plastisch konnte Joachim Sebastian seinem Publikum anhand von Laserscan-Fotos die Endmoränenlandschaft der Hüttener Berger präsentieren.

Chronistin Dr. Telse Stoy nahm die Zuhörer mit auf eine Reise durch den zeitlichen und äußerlichen Wandel des Dorfes. Ausgehend vom einstigen Dorfmittelpunkt, der Forta, und den vier Zuwegungen des Platzes, wusste sie über fast jedes Haus in Ascheffel zu berichten. Mittels alter Fotos, Grundrisse oder Hofgemälde erfahren die Dorfbewohner von Besitzerwechseln, Umbauten, Bränden und Abrissen. Von Kaufmannsläden mit bis zu 10 000 Artikeln, teils aus Übersee, teils aus den Nachbargemeinden, über die Malerwerkstatt, Schmiede, Mühle bis hin zum Armenhaus – jedes Gebäude hat seine eigene Geschichte.

Betroffen stellte das Publikum fest, mit welcher Liebe zum Detail die Höfe einst erbaut wurden und mit welcher Nüchternheit die Gebäudefassaden heute auf das Wesentliche reduziert sind.

Dr. Stoy gab abschließend zu bedenken, dass früher die Dorfbewohner im Dorf lebten und sich dort versorgten, während heute durch das Pendeln die Verbundenheit zum Dorf immer geringer werde. Die Ascheffler Bürger folgen ihrem Aufruf, das Leben im Dorf wieder lebendiger zu gestalten und lassen den Abend bei einem Bier im einst in der Dorfgeschichte so umstrittenen Saal des Alten Bahnhofs ausklingen.



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