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Borbyer Gilde : Thomas Harnack ist der neue König von Borby

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Der 49-Jährige ist seit 35 Jahren Mitglied der Borbyer Gilde und hat das Amt des „Towiesers“ inne. Königsschütze mit 279 Teilern ist Uwe Dudert.

Eckernförde | „Er ist einer aus dem Volk, er hat es verdient“ – so erklang es am Sonnabend um 19.10 Uhr im Festzelt an der Letzten Pappel: Thomas Harnack (49) ist der neue König der Borbyer Gilde. Seit 35 Jahren ist er Gildemitglied, den Königsschuss mit 279 Teilern hat für ihn Uwe Dudert abgegeben.

Überrascht und sichtlich stolz trat er vor den ersten Vorsitzenden Lorenz „Lorne“ Marckwardt, der ihm die Königskette umlegte. Mit dem kräftigen Juchen der beiden Juchfruun Anja Mambrey und Petra Johannsen marschierte er, mit einem langen Gefolge im Umzug, vom Schießplatz in Borby ein. Herzlich bejubelten die Borbyer ihren neuen König.

Zuvor war das Gildefest „Die drei tollen Tage von Borby“ am Sonnabend mit dem traditionellen Weckruf und den Klängen von „Drums and Pipes“ und dem Blasorchester der TuS Eckernförde eröffnet worden. Um 6 Uhr ging es durch Alt-Borby, auch Bürgervorsteherin Karin Himstedt war dabei. Der erste offizielle Akt war wie in jedem Jahr das Abholen des Fahnenschwenkers Joachim Fey. Er ist das Aushängeschild der Gilde. In bestem „Schapptüüch“, schwarzem Anzug, weißem Hemd und Zylinder und mit der Fahnenschwenker-Kette mit dem Emblem von Kaiser Wilhelm I. begrüßte er die Borbyer und ihre Gäste. Feierlich überreichte Ole Marckwardt (Ersatzfahnenschwenker) nach einer kunstvollen Schwenkeinlage die Fahne. Das Abholen des bis dahin amtierenden Königs – Thomas Lass – und des Ältermannes Günter Krause gehören zur Tradition.

Ein langer Zug zeigte erneut die Beliebtheit der größten Gilde Schleswig-Holsteins mit über 1300 Mitgliedern. In einem Regenschauer ging es weiter zum alten Borbyer Pastorat. Im schönsten Plattdeutsch, der Gildesprache, begrüßte Pastor Ole Halley die Anwesenden: „Ju Besöök is en Teeken för de Verbunnenheit twischen de Borbyer Kark un de Borbyer Gill. Gill un Kark geiht da üm de Lüüd hier in Borby. Düütlich ward dat, wenn wi uns Fahn bekeeken. Uns Kark is dorop to sehn un de Gillspruch ’Einer für Alle, Alle für einen’. Beter kann dat keen een segg’n. Uns Hart sleit för Borby und de Borbyer.“

Weiter ging es zum Schießplatz „Alte Pappel“. Thomas Harnack hat hier seinen Posten: Lange Zeit verbringt er als „Towieser“ (Anweiser) im sogenannten Bunker. Um dieses Amt beneidet ihn niemand. Er hat die Aufgabe, während des Königschießens Treffer auf der Zielscheibe anzugeben, indem er eine weiße Flagge zeigt.

Durch das traditionelle Schießen wird Jahr für Jahr der König ermittelt: Nur wer eine Schützenkarte hat, kann sich zum König schießen oder schießen lassen. Wer seiner eigenen Treffsicherheit nicht traut, lässt für sich einen Schützen antreten, den er jedoch nicht kennt. Es geht reihum, niemand weiß, für wen er den Schuss abgibt.

Unter dem Jubel der Borbyer erfolgte der Marsch zum Gemeindehaus. Beim anschließenden Königsmahl bedankte sich Ältermann Günter Krause für den harmonischen Gildetag. Lorne Marckwardt hatte lobende, aber auch kritische Worte parat: „Wi hebbt een schöne Gill-Dag fiert, wenn ik mi aver ümkiek, frag ik mi, wo all de Politikers ut uns Stadt sünd, wenn de Königsproklamation und Königsmahl stattfinnen. Ik seh hier nur de SPD-Abgeordenten, de to all uns Fiern un Versammlungen parat sünd. Hartlichen Dank an ju all. Wo aver sünd de Politiker, de jümmers seggt, se wulln de Gill ünnerstütten? De gröötste Gill in uns Land fiert, wo sünd se nu? Dat stimmt truurig un nachdenklich.“

Ratsherr Jörg Meyer überbrachte die Grüße der Stadt und hatte als Gildebruder eine Vision: „Im Hinblick darauf, dass die Kosten immens steigen, um so ein Fest zu gestalten, und das Gildelokal seit Jahren fehlt, sind wir in der Vorbereitung, einen Förderverein zu gründen, der Spenden und Gelder einnehmen kann, um auch eine Bedarfsgastronomie zu gewährleisten. In den nächsten Tagen werden wir eine konstruktive Sitzung haben, in der sich der Vorstand gründet.“ Mit Tanz und Musik im Festzelt endete der erste Gildetag.

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