Teuflisches Ringen um eine Seele

Das hätte Teufelsdiener Frére Diabolo (Thomas Burger) nicht gedacht: Die scheinbar biedere Frauen-WG (v. l.), Nina-Ines Friedrich, Julia-Marion Pierau und Kathrin-Sabine Uhlig, entpuppt sich als wahrer Club der Teufelinnen.
Das hätte Teufelsdiener Frére Diabolo (Thomas Burger) nicht gedacht: Die scheinbar biedere Frauen-WG (v. l.), Nina-Ines Friedrich, Julia-Marion Pierau und Kathrin-Sabine Uhlig, entpuppt sich als wahrer Club der Teufelinnen.

Blaulichttheater Kiel spielte Komödie „Frère Diabolo“ im Carls / Besucher bekamen Vorstellung gratis

shz.de von
13. März 2018, 06:48 Uhr

Eckernförde | Was passiert, wenn Gottvater und der Teufel um die Seele eines Naivchens wetten? Der Teufel schleust einen diabolischen Handlanger in eine kommod-gedeihliche Drei-Frauen-WG und treibt sein böses Spiel. Dass so etwas auch nach hinten losgehen kann, weil Frauen auch Teufelinnen sein können, zeigte das Ensemble des Kieler Blaulichttheaters am Sonntag mit Markus Wiegands Komödie „Frère Diabolo“ im Carls.

Da gab es Mord und Mordversuche, Verführung und Eifersucht und pointierte, witzige Dialoge mit Bezug auf aktuelle Themen („Wissen Sie, dass Beelzebub derzeit in Amerika unter einer blonden Tolle sein Unwesen treibt?“). Da gab es vor allem fünf Darsteller mit sichtlichem Spaß am Stück und am Spiel.

Das WG-Trio war eine wahre Freude: Marion Pierau spielte liebevoll die brave Julia, auf die es der Teufel abgesehen hatte. Während Ines Friedrich als Nina durch ihr burschikoses Auftreten und die freche Zunge bestach. Kein Wunder, dass sie das kann: Wer im wahren Leben Soldaten unterrichtet, darf sich nichts gefallen lassen. Herrlich frivol spielte Sabine Uhlig ihre Rolle als Nymphomanin Kathrin, von der ihre Mitbewohnerinnen sagen, dass sie schon immer ein öffentliches Verkehrsmittel war.

Tina Lechner spielte als herrschsüchtige, geldgierige Vermieterin Frau von Stahl nur eine kurze Rolle, da diese relativ schnell durch das Fenster entsorgt wurde. Als charmanter Bösewicht Frère Diabolo, alias der neue Mitbewohner Paul mit lustig französelndem Akzent, per-manent hochgezogener Braue und zuweilen etwas perversem Charme war Thomas Burger passend besetzt.

Daneben machten intelligente Lichtwechsel, Spezialeffekte wie die sonore Stimme Luzifers aus dem Off (Frank Rosenberger) und ein Bühnenbild, das ohne viel Schnickschnack auskam, den Zweiakter zu einem äußerst amüsanten und kurzweiligen Theatererlebnis.

Das kleine Ensemble des Blaulichttheaters Kiel hatte sich sein Theaterdebüt im „Carls“ sicher anders vorgestellt – zumindest vor mehr Zuschauern. Aber am Sonntagabend hatten sich nur rund 40 Theaterfreunde zur Carlshöhe aufgemacht. Diese genossen eine doppelte Freude: Denn die Kieler Truppe entschied spontan, ohne Gage zu spielen. Die Besucher konnten also ohne Eintritt einen amüsanten Theaterabend verleben. Und die meisten von ihnen freuten sich nach der Aufführung schon auf das neue Stück des Amateurtheaters im kommenden Jahr. Natürlich im „Carls“.

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen