Hunde hautnah : Teamarbeit zwischen Hund und Mensch

Der Border Collie-Mischling  Sammy war mit seinem Frauchen Petra Laarsen  beim Explosionsunglück in Itzehoe 16 Stunden  lang im Einsatz.
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Der Border Collie-Mischling Sammy war mit seinem Frauchen Petra Laarsen beim Explosionsunglück in Itzehoe 16 Stunden lang im Einsatz.

Projekt „Leben auf vier Pfoten“ führt Mitglieder der Rettungshundestaffel Holstein an die Grundschule Surendorf

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19. März 2014, 06:00 Uhr

Bislang verspürte Marie stets ein gewisses Unbehagen, wenn ihr Hunde auf offener Straße begegneten. Nun kann die Zehnjährige einem Treffen mit den Vierbeinern selbstbewusster entgegenblicken. Kennt sie jetzt doch die Gründe für so manche Verhaltensweisen der Tiere und kann sich dementsprechend verhalten. Geholfen hat Marie das Projekt „Leben auf vier Pfoten“, das im Rahmen der Projektwoche der Grundschule Surendorf angeboten wurde. Höhepunkt war der Besuch der Rettungshundestaffel Holstein vom Bundesverband für das Rettungshundewesen (BRH). Vier Hunde und ihre Führer stellten sich und ihre Arbeit den Kindern vor.

„Ich denke, dass die Hunde Menschen retten“, antwortete Jonas (9) auf die Frage, wofür Rettungshunde eigentlich gut sind. So staunten die neun Projektteilnehmer, als sie erfuhren, wie wichtig und aktuell die Arbeit ist. Einer von ihnen, der Border Collie-Mischling Sammy (9), hatte gerade wenige Tage zuvor einen Einsatz bei der Gasexplosion in Itzehoe hinter sich. 16 Stunden hatten er und sein Frauchen Petra Laarsen unter den Trümmern des eingestürzten Hauses nach Opfern gesucht. Bei der Arbeit kommt es auf das Vertrauen und die Teamarbeit zwischen Hund und Mensch an. Dies wird gestärkt durch die Bindung zwischen beiden – Sammy gehört, genauso wie die anderen Rettungshunde, auch privat zu Petra Laarsen.

Vertreter von vier verschiedenen Hunderassen saßen vor den Kindern, als Joachim Hoffmann, der Sprecher der kleinen Gruppe der Rettungshundestaffel, die Tiere vorstellte. Neben dem erfahrenen Sammy waren der Jungspund Haky (2), ein Podenco-Mischling, mit seinem Herrchen Nils Ohm zu Gast, der Australian Sheperd Mini Fidibus (3) mit Herrchen Joachim Hoffmann und der Senior der Truppe, der 13-jährige Kolja, mit Frauchen Anita Prause.

Der Besuch der Hunderettungsstaffel geht auf die Initiative der Schulsozialarbeiterin Maike Doerenberg zurück, die das Projekt „Leben auf vier Pfoten“ angeboten hat. Ihr Anliegen: den Schülern ein Verständnis für die Verhaltensweisen der Tiere zu vermitteln. Drei der Kinder haben zuhause einen Hund, den anderen ist der Umgang eher befremdlich.

„Das erste, was ein Hund in seiner Ausbildung als Rettungshund lernt, ist die Tatsache, dass alle Menschen gut sind“, erklärte Hoffmann. Grundsätzlich eigneten sich Hunde aller Rassen für die rund zweijährige Ausbildung, die schon als Welpe spielerisch begonnen werden könne, so Hoffmann. Danach werden sie als Flächensuchhunde, Trümmerhunde (wie Sammy in Itzehoe) oder als Mantrailer eingesetzt. Letztere sind auf das Aufspüren von individuellen Gerüchen spezialisiert und kommen bei der Suche nach Vermissten zum Einsatz. Was für die ehrenamtlich tätigen Helfer Arbeit ist, sei für die Hunde ein Spiel: „Sie wissen tatsächlich nicht, was sie machen“, so Hoffmann.

Die Schüler wunderten sich, als Hoffmann eine Flasche Babypuder aus seinem Einsatzrucksack herausholte. „Damit prüfe ich die Windrichtung“, verriet Fidibus’ Besitzer. Nur so könne er bei einer Suche den Hund in die richtige Richtung schicken. Neben einer Pfeife, Funk- und Ortungsgeräten, GPS, Handy und Erste-Hilfe-Koffer gehört die Ausrüstung für den Hund – Blinkhalsband, Kenndecke, Glocke und Einsatzleinen – in den Rucksack. Alle geprüften Hunde tragen die Rettungsplakette, anhand derer der Verschüttete oder Gesuchte einen Rettungshund erkennt und keine Angst vor dem Tier haben muss.

Hat der Hund eines der wichtigsten Kommandos „Gib Laut“ erfüllt, bleibt er so lange bei dem Opfer, bis sein Führer kommt. Belohnt wird er mit Leckerlis oder seinem Lieblingsspielzeug. So bevorzugt der Australian Sheperd Fidibus Fleischwurst, die Hoffmann stets zerkleinert in einer Tupperschüssel bei sich trägt.

Marie und ihre Mitschüler begegnen besonders großen Hunden zwar immer noch mit gesundem Respekt. Aber sie haben gelernt, Signale der Tiere zu interpretieren und sich dementsprechend zu verhalten.

www.bundesverband-rettungshunde.de

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