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Green Screen-Jugendfilmcamp : Tausendfüßlern und Wölfen auf der Spur

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

16 Jugendliche kommen beim Green Screen-Naturfilmcamp im Wildpark Eekholt den Tieren ganz nah. In vier Gruppen arbeiten sie eine Woche lang an der Produktion eines Fünfminüters. Die Experten zollen ihnen großes Lob.

Für einen Moment ist es mucksmäuschenstill. Dann knacken wieder irgendwo Äste, Krähen schreien und Kinder lachen. Vielleicht hätte es geklappt, das ehrgeizige wie einfallsreiche Vorhaben von Michel, John und Max: „Wir haben versucht, die Trappelschritte von Käfern aufzunehmen. Aber das wurde leider nichts“, erzählt Max Gercke (14) aus Loose. Die drei Jungs nehmen am Green Screen-Jugendfilmcamp im Wildpark Eekholt teil und haben sechs Tage die Möglichkeit, mit professioneller Begleitung ihren eigenen Naturfilm zu drehen. „Wir haben uns für das Thema Insekten im Wald entschieden. Kellerasseln, Bienen, Ameisen und Schmetterlinge, sogar einen Tausendfüßler konnten wir filmen. Und, was wirklich besonders ist, beim Rundgang durch den Wald auf der Jagd nach guten Motiven haben wir eine Schlupfwespe beim Larven entdeckt“, erzählt Michel Nicolaisen (12) aus Wolfskrug. Die drei Jugendlichen haben keine Angst vor dem hautnahen Kontakt mit dem Wald und allem, was darin krabbelt: „Um die Wespe beim Larven zu filmen, haben wir uns auf den Boden gelegt und im Abstand von 30 Zentimetern etwa 10 Minuten gefilmt“, sagt John Stöbener (14) aus Eckernförde. Die Botschaft ihres drei bis sieben Minuten langen Films, der bis heute fertig geschnitten und vertont sein muss, verrät Max: „Viele Menschen empfinden Insekten als abschreckend. Aber sie sind nicht eklig, sondern für unser Ökosystem wichtig, ohne sie funktioniert nichts.“

„Ich bin jedes Jahr wieder beeindruckt, was die Jugendlichen alles schaffen: Sie lernen den Umgang mit Filmkamera und Tongerät, müssen gemeinsam eine Idee entwickeln und umsetzen, den Film schneiden und vertonen. Und das alles, obwohl sie sich gar nicht kennen. Eine Wahnsinnsleistung!“ meint Ute Kröger, Leiterin der Wildparkschule, anerkennend. Sie betreut die Jugendlichen des Filmcamps bei allen inhaltlichen Fragen. Denn es muss alles stimmen, wenn die Produktionen des Camps während des Naturfilmfestivals Green Screen vom 4. bis 8. September in Eckernförde in einer Filmsprechstunde Experten vorgeführt werden. Mit den beiden Medienpädagogen Daniel Wehrend und Bernadett Skala sind die 16 Schüler, die im Wildpark in vier Gruppen an Themen zu Wölfen, Fischottern, Umweltschutz und Insekten arbeiten, bestens betreut. Professionelle Unterstützung erhalten sie von Kameramann Dieter Hoese, der 1985 mit dem berühmten Tierfilmer Heinz Sielmann in Eekholt einen Film gedreht hat. Hoese, der selber fünf Enkelkinder hat, arbeitet gerne mit Jugendlichen: „Ich möchte die Liebe zur Natur weitergeben. Es geht nicht darum, hier die Naturfilmer von morgen auszubilden. Der Kern der Arbeit besteht in der ernsthaften und tiefgreifenden Befassung mit der Natur. Dazu kommt, dass die Jugendlichen selbstständig und im Team arbeiten müssen. Die soziale Komponente spielt gerade in Zeiten von Isolation durchs Internet eine große Rolle.“

Gemeinsam erlebten fünf Mädchen und Jungen besondere Momente bei ihrem Dreh mit den Wölfen. In aller Frühe um sechs Uhr morgens, wenn noch kein Besucher die Tiere beeinflusst, waren sie ihnen so nah wie noch nie. „Wir waren nur eine Armlänge von einem Wolf entfernt. Wir durften um den Zaun herumgehen und waren den Tieren ganz nah. Und obwohl noch ein Maschendrahtzaun zwischen uns war, flößte er uns Respekt ein“, erzählt Thies Hinrichsen (17) aus Altenholz. Das frühe Aufstehen hat sich gelohnt, meint der Medienpädagoge Wehrend: „Sie haben so viele tolle Bilder gemacht, von spielenden Wölfen etwa, dass ihnen das Wegschneiden Probleme bereiten wird.“ In einer der gemütlichen Grillhütten sitzen die fünf am Holztisch, der mit Fachbüchern, Notizen und Naschkram übersät ist. Hier ist auch der Schnittplatz, an dem der Film von zwei Stunden Material auf drei bis sieben Minuten zusammengeschnitten und am Freitag den Eltern präsentiert wird. Ihr Fazit steht schon fest: „Der Wolf gehört zum Ökosystem wie jedes andere Wildtier auch. Es muss wieder vom Menschen als solches akzeptiert werden.“

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