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Eckernförder Zeitung

20. Oktober 2017 | 22:35 Uhr

U 36 : Tauchtest vor Norwegens Küste

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Funktionstestreihe fordert Mensch und Material – Marine testet das neue Unterseeboot in tiefer See / Jeder Fehler führt zum Abbruch der Tests

von
erstellt am 14.Mär.2015 | 06:16 Uhr

Schnee, Glätte, Wind und vereinzelt Gewitter am Morgen: Nach über zwei Stunden Anreise fährt ein Bus mit Marinesoldaten durch das Tor von Thyssen Krupp Marine Systems (TKMS), um U 36 auslaufklar zu machen. Ziel ist die Überprüfung der Funktionsfähigkeit des U-Bootes in Norwegen, da dort die nötige Wassertiefe gegeben ist. U 36 ist ein U-Boot des zweiten Loses der Klasse 212 A und das letzte der sechs U-Boote, die TKMS in Kiel für die Marine am Stützpunkt Eckernförde gebaut hat. Im März 2013 hatte U 36 seinen ersten Kontakt mit dem Element Wasser. Zwei Monate später wurde es getauft. Ab diesem Zeitpunkt hieß es für TKMS, die Bundeswehr und die Marine, die „Röhre“ flott für die Indienststellung zu machen. Jede Anlage, jede Funktion, jedes Bauteil muss auf seine Funktion überprüft werden. Im Januar 2015 wurden Mängel an U 36 und am Schwester-U-Boot U 35 bekannt. Noch Anfang 2015 liefen die Wellenanlage, die Fahrbatterie, das Radar und die Funkboje „Callisto“ nicht planmäßig. Auch mit den anderen Booten der rund 500 Millionen Euro teuren U-Boote der Klasse 212 A gab es bis Anfang 2015 Probleme. Nach der Indienststellung 2015 wird das Boot dem 1. Ubootgeschwader in Eckernförde angehören.


Ein Unikat, kein Serienmodell


„Ein U-Boot ist kein Serienmodell, sondern ein Unikat. Somit kann kein Test mit dem kompletten Modell stattfinden, sondern jedes Teil muss extra geprüft werden. Ein U-Boot durchläuft eine Stückprüfung“, zog ein Vertreter der Wehrtechnischen Dienststelle 71 in Eckernförde, die Mitglied der Abnahmekommission ist, den Vergleich mit einem Serienfahrzeug. Die Abnahmekommission sowie Teile von TKMS sind bei dieser Stückprüfung an Bord. Ziel des Funktionsnachweises ist es, die Vertragserfüllung zu prüfen.

Bevor U 36 nach Norwegen fahren durfte, musste es mehrere Prüfungen bestehen. Nachdem das Boot im Hafen und an der Hafenpier getestet wurde, fand anschließend eine fast dreimonatige Prüfung im flachen Wasser der Eckernförder Bucht statt. Jede Anlage – Motoren, Radar-, Navigations- und Kommunikationsanlagen, aber auch Backöfen, Heizung oder Sanitäranlagen – wurde unter die Lupe genommen. Einige Anlagen funktionierten einwandfrei. Bei anderen mussten Reparaturen oder Einstellungen geändert werden. Am Ende wurde der Funktionsnachweis im Hafen und im flachen Wasser erfolgreich abgeschlossen. Somit hat U 36 die „Straßenzulassung“ – die Erlaubnis zur sicheren Teilnahme am Seeverkehr auf den Weltmeeren – erhalten. Daneben hat das U-Boot seitdem die Lizenz, bis auf Seerohrtiefe zu tauchen.


In die Tiefen des Skagerraks


Die Sicherheit der Besatzung steht bei den Prüfungen an oberster Stelle. Erst als alle Anlagen an der Pier und im flachen Wasser einwandfrei funktionierten, bekam U 36 den Befehl, den Funktionsnachweis See in Norwegen durchzuführen. „Das Auftreten von Fehlern führt zum sofortigen Abbruch des Tests. Bevor der Test erneut durchgeführt werden kann, muss das Gerät oder Bauteil instandgesetzt werden. Dies kann in Teilen auf See oder im Hafen erfolgen. Erst wenn alle Mängel abgestellt wurden, fahren wir wieder los“, erklärt Oberleutnant zur See Sven Karwelies.

Für das Vorgängermodell der Klasse 206 gab es eine Art „Druckkammer“ im Marinearsenal Kiel. Durch eine Druckerhöhung wurde dort eine Tauchfahrt simuliert. Die Klasse 212 A ist jedoch größer und passt nicht in die „Druckkammer“ hinein, so dass der Dichtigkeitsnachweis für U 36 im tiefen Wasser durchgeführt werden muss. Als Sicherheit fährt das Begleit- und Sicherungsboot „Helmsand“ der Wehrtechnischen Dienststelle mit.

Nach dem Erreichen des tiefen Wassers im Skagerrak lässt sich U 36 in Schritten in die Tiefe gleiten. Erst wenn alle 300 Druckkörperdurchbrechungen einzeln auf Dichtigkeit geprüft sind, geht es 50 Meter tiefer, bis die Betriebstauchtiefe erreicht ist. Für einen Notfall ist das Sicherungsboot mit Tauchern und Sanitätspersonal besetzt. „Der Dichtigkeitsnachweis konnte positiv erbracht werden und dies zeitlich sogar schneller als geplant“, bedankt sich der Kommandant, Korvettenkapitän Schramma, während der Einlaufmusterung bei seiner Besatzung. Die Besatzung hat einiges auf dem Zettel. Zuerst steht der schiffstechnische Bereich auf dem Prüfstand. Anschließend werden alle operativen Anlagen, wie das Sonar, geprüft. Eine akustische und elektromagnetische Vermessung erfolgt im Anschluss.

Das Ziel ist für alle klar:Schnellstmöglich alle sechs U-Boote im Dienst der Marine zu haben. U 36 soll noch dieses Jahr einsatzfähig sein.

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