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Lange Nacht im November : Tanz und Theater bis die Bühne bebt

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die dritte „lange Nacht im November“ widmete sich Theatervorstellungen und Tanzveranstaltungen – vom Flamenco bis zur Clownerie.

Eckernförde | Die dritte „lange Nacht“ ist vorüber, und wieder sah sie ein fröhliches, interessiertes und sehr zufriedenes Publikum. Hier hat Andrea Stephan, die Kulturbeauftragte der Stadt Eckernförde, einmal mehr und wieder mit sicherem Gespür in die große Kiste kultureller Angebote gegriffen. Die dritte Novembernacht im Monat der „langen Nächte“ stand am Sonnabend unter dem Motto „Theater & Tanz“. Ein Wunder, dass auch diesmal die Auswahl groß war? Nein, aber man musste sich schon sputen, wenn man alles mitbekommen wollte – da half an sich nur eine Auswahl. Und die fiel vielen bestimmt nicht leicht.


Hände, Füße, Hüfte


Wer wollte in die Geheimnisse des Flamenco-Tanzes eingeweiht werden? Der besuchte einen Workshop der „Los Balticos“ mit Doris Schlüter in der Bürgerbegegnungsstätte. Keine geringere als La Mona übernahm den Unterricht und zeigte als Profi die so typischen Bewegungen der Arme, Hände, Hüften. Neben den Erwachsenen versuchten auch drei Mädchen ihr spanisches Glück: Julika (7), Emily (8) und Annika (9) schwenkten schon gekonnt die Arme und stampften mit ihren Füßchen im Sevillanas-Stil. Für Melvin Bolleininger (10) blieb lediglich das Cajón; auf dieser Kistentrommel klopfte er mit viel Freude immerhin den Rhythmus zum Geschehen.


Irres Kuddelmuddel


Ein paar Häuser weiter wartete im „Haus“ die uneingeschränkte Heiterkeit. Noch lief im Kinosaal ein Film, da warteten schon Trauben von mehr oder weniger geduldigen Besuchern vor der Eingangstür. Jeder wollte einen Sitzplatz ergattern, denn bei so viel Komik konnte es nur heißen: Da setzt di nieder! Lustbarkeiten mit dem Eckernförder Improvisationstheater Improphil standen im kulturellen Gaudi-Angebot. Und nicht, dass da jeder nur passiv zugucken durfte – hier wurden Vorschläge erwartet. Die kamen auch reichlich, wurden den Spielerinnen als „Bälle“ zugeworfen und in schier irrwitzige Szenen umgesetzt. Alles spontan, einmalig, unwiederholbar. Nicht nur, dass die Abteilungen im erdachten Kaufhaus schräg waren (Pyrotechnik, Tauchbedarf und Kaugummisorten), Petra Bitting unterbrach als Moderatorin auch die nonverbalen Szenen mit „freeze“ und ließ sie an anderer Stelle weiterspielen. Ein irres Kuddelmuddel und das in aller Ernsthaftigkeit, improvisiert von Sandra Schindhelm, Inga-Helene Brühning, Birgit Steinborn und Hannelore Ewert. Was für ein Theater! Gut gegen allen November-Blues.


Exzesse im Supermarkt


In Claudia Piehls Theaterstück „Supermarkt-Exzesse“ ging es im Carls dann eher ernsthaft zu. Mit Texten von Ingrid Lausund, Johann Wolfgang von Goethe, Armin Heldt und William Shakespeare entwickelte sich aus einem scheinbar „normalen“ Einkaufsgeschehen ein unerwarteter Fortgang der Handlung. Zwischen der Verkäuferin des Straßenmagazins, der „feinen Dame“, dem Ladendetektiv, dem unscheinbaren Mörder, der wilden Tätowierten und all den anderen – insgesamt acht Spielern – fand eine überraschende Annäherung und Verbindung statt. Spannend, fesselnd und überaus sehenswert.


Bes(ch)wingte Schritte


Vom Carls ging’s zurück in die Innenstadt – wie schön, dass in Eckernförde alles so gut zu erreichen ist: wie gemacht für den kulturellen Gesamtplan. Ein Blick in die Galerie 66 zeigte, dass auch hier fleißig getanzt wurde. Hier gab es „Bes(ch)wingte Schritte“ mit den Duke & Dukies. Unterricht in den Grundschritten des Swing, kombiniert mit dem Sound einer spielfreudigen Live-Band, das war für viele (Tanz-) Paare sicher ein Höhepunkt des Programms.


Bis der Bauch wehtut


Was hat Organisatorin Andrea Stephan für ein glückliches Händchen. Mit den „Kieler Stadtbekannten“ zog der nasskalte Novemberabend so viele Besucher ins Künstlerhaus, Ottestraße 1, dass weiß Gott nicht jeder einen Sitzplatz abbekam. Varieté zum Quietschen komisch, das hatten die drei „Schau-Spieler“ auch diesmal wieder auf dem Präsentierteller. Akrobatik, Tierdressuren, Zauberei – alles vom Feinsten – nur alles auch voll daneben. Aber das auch nur in den Augen der Zuschauer, denn für alle Schieflagen, Missgeschicke, No-goes hatte Varieté-Meister Jürgen Schalla die passenden Begründungen. Annette Braak wie Gabriele Pahms, rotgeringelt an seiner Seite, strahlten zustimmend. Die Drei mit Autoreifen, Luftpumpe, Autotür – aus gelben Zollstöcken improvisiert – lediglich mit Cazoos (kleine Pfeifen, mit denen man singen kann) als Stimmersatz versehen. Kann man lachen, bis einem der Bauch wehtut? Ja, wenn Gabi Pahms als beweglicher, artgetreuer Affe ihren Dompteur dazu bringt, alle erwarteten Kunststückchen selber zu übernehmen. Wenn „Ludmillas Seiltanz“ ganz anders ausfällt als erwartet, wenn die „Dame ohne Unterleib“ grad nicht auffindbar ist, und die mutige Mitspielerin aus dem Publikum wirklich verschwindet – wenn auch nur unter einem mit Sternchen bedruckten Tuch – dann war das Grund für Amusement ohne Ende.


Bestiegene Instrumente


Wie um den runden, bunten Abend zu einer wirklich „langen Nacht“ zu machen, rockte die Rockabilly-Band „Biggs B Sonic“ das „Haus“. Wow – das war Musik! Das ging in die Beine, das machte glücklich. Kein Platz, aber trotzdem tanzen, kein Licht, aber die drei wilden Jungs doch live sehen, vor Laustärke nicht reden können – war aber auch gar nicht nötig. Der Spaß war also riesig, und wenn Sebastian Gregor sein Schlagzeug besteigt, Andreas Rüske auf seinen Bass klettert, dann müssen die Wellen wohl sehr hoch gehen. Und das taten sie bei Karsten Jordts Gesang, Gitarre und schauspielerischem Talent ganz sicher.

Und wen sah man um Mitternacht noch fröhlich zwischen all den anderen hopsen? Eckernfördes glückliche Kulturorganisatorin. Aller guten Dinge sind drei? Aber auf die vierte Nacht darf man sich auch schon freuen.




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