Gericht : Tankstellenräuber muss ins Gefängnis

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Der zweite Tankstellenräuber muss für zwei Jahre und neun Monate hinter Gitter. Das Jugendschöffengericht sah den 19-Jährigen als eine treibende Kraft bei den Überfällen im Oktober. Hinzu kommen weitere Straftaten.

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27. Januar 2015, 05:39 Uhr

Eckernförde | Es war der dritte Verhandlungstag im Prozess gegen einen der Räuber, die im Oktober innerhalb von 27 Stunden drei Tankstellen in Eckernförde und Thumby überfallen haben – und diesmal endete der Tag mit einem Urteil. Zwei Jahre und neun Monate muss der 19-Jährige aus Eckernförde hinter Gitter. Das beschloss gestern das Jugendschöffengericht.

Der Richter und die beiden Schöffen sahen es als erwiesen an, dass der Angeklagte eine treibende Kraft war: Schon vor den Taten hatte er laut einem Zeugen erzählt, dass er einen Tankstellenraub vorhabe. Er beschloss die Tat gemeinsam mit einem schon verurteilten Mittäter (siehe EZ vom 12.12.14), organisierte die Herangehensweise: Zweimal ging der Mittäter allein, einmal mit zwei Komplizen in die Tankstellen, wo sie mit vorgehaltenen Gasdruckpistolen von den Angestellten Geld und Zigaretten forderten. Der Angeklagte war dabei der Drahtzieher, fuhr den Fluchtwagen und setzte seine Komplizen per Telefon unter Druck.

Zu der schweren räuberischen Erpressung in drei Fällen gesellt sich noch Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte mit vorsätzlicher Körperverletzung hinzu: Während der Vernehmung durch die Polizei versuchte der Tankstellenräuber zu fliehen, schlug und trat die Beamten.

Das Aggressionspotenzial des 19-jährigen zeigt sich auch in einem anderen Fall, der mitverhandelt wurde: Am 24. Juni 2014 stellte ein 25 Jahre alter Eckernförder den Angeklagten am Pferdemarkt zur Rede. Er war der Meinung, dass der 19-Jährige ihn zuvor mit seinem Auto absichtlich von der Straße gedrängelt hatte. Doch der Angeklagte holte ohne lange Diskussion einen Baseballschläger aus dem Kofferraum seines Fahrzeugs und schlug ihn dem 25-Jährigen an den Kopf – eine gefährliche Körperverletzung. Ein Trümmerbruch des Schädels war die Folge, das Opfer hat seither auf dem linken Auge nur noch 60 Prozent Sehfähigkeit. Es holte daraufhin eine Gaspistole aus seinem Auto und bedrohte damit den Täter, der davonfuhr. Die Polizei fand anschließend einen Schlagring in seinem Handschuhfach – ein Verstoß gegen das Waffengesetz.

Zwar war man sich einig, dass der Angeklagte wegen einer Reifeverzögerung nach Jugendstrafrecht verurteilt werden müsse, doch seien schädliche Neigungen deutlich erkennbar. Nicht nur müsse er seinen Hauptschulabschluss nachholen, sondern auch durch sozialtherapeutische Maßnahmen in seiner Persönlichkeit gefestigt werden.

Mit einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und neun Monaten lag das Gericht unter der Forderung der Staatsanwaltschaft von dreieinhalb Jahren und über der Forderung der Verteidigung von bis zu zwei Jahren auf Bewährung. Bei guter Führung könnte der Angeklagte nach Zweidrittel der Zeit entlassen werden. Die drei Monate Untersuchungshaft werden ihm angerechnet, so dass noch ein Jahr und sieben Monate übrig bleiben. Der dritte Tankstellenräuber muss sich am kommenden Donnerstag am Landgericht in Kiel verantworten.

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