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Großer Andrang bei der Lebensmittelausgabe : Tafel: Immer mehr Flüchtlinge

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Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Noch kann die Tafel die steigende Zahl an Flüchtlingen bewältigen, doch bald besteht Handlungsbedarf. Bei der Eckernförder Tafel wird über einen zweiten Ausgabetag nachgedacht.

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erstellt am 09.Okt.2015 | 06:06 Uhr

Eckernförde | Der Strom von Flüchtlingen stellt die Tafeln im Land vor immer schwierigere Herausforderungen, denn immer mehr Asylsuchende versorgen sich bei den ehrenamtlichen Einrichtungen mit kostenlosen Lebensmitteln. Während viele Tafeln buchstäblich überrannt werden, ist die Situation in Eckernförde zwar angespannt, aber noch überschaubar. „Wir zählen etwa 350 Bedarfsgemeinschaften zu unseren Kunden“, sagt Tafel-Leiter Reinhard Schmidt. „Etwa 70 davon bestehen aus Asybewerbern.“

Ein Blick vor den Eingang der Tafelausgabe im Bürgerzentrum im Saxtorfer Weg scheint etwas anderes zu sagen. Dort stehen nämlich fast nur Flüchtlinge und warten darauf, eingelassen zu werden. Doch der Eindruck trügt: „Die kennen sich mit unserem System noch nicht aus und warten deshalb oft so lange, bis sie dran sind“, erklärt Schmidt. Jeder Tafel-Kunde erhält nämlich eine Nummer. Um jedem die Möglichkeit zu geben, als einer der ersten von den vollen Tischen zu nehmen, rotiert das Nummernsystem: In einer Woche dürfen die Kunden mit den Zahlen 1 bis 10 zuerst rein, in der kommenden Woche die mit den Zahlen 11 bis 20 und so weiter. Das führt sich bis zu den Zahlen 340 bis 350 fort, bis das System wieder von vorn beginnt. Schmidt: „Wer das System kennt, kann sich ungefähr ausrechnen, wann er dran ist und kommt zur entsprechenden Uhrzeit. So schaffen wir ein bisschen Gerechtigkeit mit einem Minimum an Aufwand.“ Manchmal allerdings müsse auch rigoros eingegriffen werden, wenn alle Erklärungsversuche wegen der Sprachbarriere nicht fruchten.

In sechs verschiedenen Sprachen haben die Tafel-Mitarbeiter die wichtigsten Informationen an die Scheiben geklebt, dennoch ist eben diese Sprachbarriere das größte Problem. „Wir suchen noch einen Dolmetscher“, sagt Reinhard Schmidt. Für die kommende Woche hat sich einer angekündigt.

Aufnahmestopps wegen zu vieler Kunden gibt es in Eckernförde nicht. Hier haben die Tafel-Mitarbeiter ein einfaches System eingeführt: „Wer drei Monate lang nicht da war, fliegt von der Liste“, erklärt Schmidt. Der Grund: „Wir haben eine wahnsinnige Fluktuation bei den Asylbewerbern.“ Wer dann doch wiederkommt, kann problemlos einen neuen Berechtigungsausweis erhalten.

Vor sieben Jahren dauerte die Ausgabe zwei Stunden. „Da hatten wir aber auch noch 150 Kunden“, so Schmidt. „Jetzt sind wir froh, wenn wir um 13.30 Uhr fertig sind.“ Noch läuft alles gut, hat die Tafel in Eckernförde mit über 50 Ehrenamtlichen genügend Mitarbeiter. „Aber wenn wir weiterhin so viele Asylsuchende als Kunden dazubekommen, müssen wir uns überlegen, ob wir die Nahrungsmittelausgabe auf zwei Tage verteilen“, sagt Petra Winter, die stellvertretende Tafel-Leiterin.

Sie hofft zudem, dass Supermärkte und Handel die Tafel weiterhin mit Lebensmitteln versorgen. „Heute haben wir eine sehr große Auswahl für unsere Kunden. Das liegt daran, dass die Kirchengemeinden zum Erntedank für uns gesammelt haben. Dafür sind wir sehr dankbar.“

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