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Flüchtlinge im Försterhaus : Syrer und Iraker packen mit an

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Im Försterhaus in Owschlag sind die ersten Flüchtlinge eingetroffen / Betreuer und Hausmeister loben das gute Miteinander in der Unterkunft

„Es macht wahnsinnig viel Spaß hier”, schwärmt Hausmeister Stefan Behrendt von seiner neuen Tätigkeit im Försterhaus. Vergangene Woche sind die ersten 36 Flüchtlinge aus Syrien und dem Irak eingetroffen und haben sich schnell gut eingelebt. „Sie sind locker, freundlich, hilfsbereit und dankbar. Ich werde ständig zum Essen eingeladen. Man muss es einfach erleben”, zeigt sich Behrendt überwältigt. Auch Hausbetreuer Ralf Simon lobt: „Unsere Gäste haben eine hohe Bereitschaft mitzuhelfen, egal ob es darum geht zu renovieren, Wände zu streichen oder bei der Kleiderkammer im Ort auszuhelfen. Auch für das Saubermachen sind sie zuständig. Unser Ziel ist es, dieses Haus so zu erhalten wie es jetzt ist.”

Ralf Simon hat sowohl eine handwerkliche als auch eine sozialpädagogische Ausbildung, was ihm bei seiner neuen Tätigkeit sehr zu nutzen kommt. Zuletzt arbeitete der 48-Jährige in der Kieler Erstaufnahmeeinrichtung am Nordmarksportfeld als Hausbetreuer des Deutschen Roten Kreuzes. Simon schildert den üblichen Ablauf, wenn neue Gäste kommen: „Wir heißen sie erst einmal willkommen und erfassen sie mit ihren Daten und Papieren. Die Zimmer sind vorbereitet und werden ihnen zugewiesen. Bettwäsche, Handtücher und Geschirr haben wir bereitgestellt. Sie bekommen ihr Geld und dann begleiten wir sie beim Einkaufen und helfen ihnen, sich zu orientieren”. Bei der Eröffnungsveranstaltung werde erklärt, welche Regeln im Försterhaus herrschen. Hierbei sei das oberste Prinzip, dass es Gewalt in keiner Form geben dürfe. Sowohl körperliche als auch psychische Gewalt seien tabu.

In den beiden Küchen des ehemaligen Hotels stehen den Gästen zwölf Herde zur Verfügung. Vier Zimmer teilen sich einen Herd und für jedes Zimmer gibt es in der Küche einen abschließbaren Spind. „Das klappt bisher sehr gut”, freut sich Behrendt. „Es ist so schön zu sehen, wie die Menschen verschiedener Nationen hier abends zusammen kommen und Tee trinken”, beschreibt Behrendt die gute Gemeinschaft im Haus. Der 50-Jährige war 23 Jahre lang selbstständig in der Gebäudereinigung. Auch eine Ausbildung zum Sanitäter habe er absolviert, berichtet Behrendt. Als Bereitschaftsleiter ist der Hausmeister beim DRK in Eckernförde ehrenamtlich tätig. Ebenfalls ehrenamtlich arbeitete Behrendt in den Erstaufnahmeeinrichtungen in Rendsburg und Seeth. „Da weiß man ein bisschen, wie der Hase läuft”. Simon und Behrendt wurden innerhalb kürzester Zeit zu einem gut eingespielten Team, das sich blendend versteht. Im wöchentlichen Wechsel arbeiten die beiden in zwei Schichten. In den Nachtstunden ist ein Wachdienst vor Ort.

„Wir leisten hier Hilfe zur Selbsthilfe”, beschreibt Simon. Die Verweildauer der Gäste werde im Försterhaus etwa sechs Monate betragen. Bis dahin solle Wohnraum zur Verfügung stehen. „Keiner muss Angst vor den Neuen haben. Es sind ganz normale Menschen und es ist eine Chance für uns alle, sie zu integrieren”, betont Simon. Wichtig sei ihm, Gerüchten entgegen zu treten, dass die Asylbewerber klauen würden. „Es kann schon mal zu Verwirrungen und Missverständnissen kommen, weil sie vieles noch nicht kennen, aber da bitte ich um Toleranz und Geduld. Es hat noch keiner geklaut,” verteidigt Simon seine Schützlinge vor Diskriminierungen. Dies bestätigt Dierk Haas vom Edekamarkt in Owschlag: „Wir haben noch keine Probleme mit den Flüchtlingen gehabt. Sie sind freundlich und nett und freuen sich, wenn wir ihnen helfen.”

Auch Amtsdirektor Andreas Betz schildert seine positiven Erfahrungen mit dem Försterhaus: „Die Menschen bedanken sich, dass sie so eine tolle Unterkunft haben. Die Kinder haben gespielt. Es war herrlich mit anzugucken. Viele hätten gleich gesagt, gib mir Arbeit, ich möchte helfen”, zeigte sich Betz beeindruckt. Auch Mustafa aus Syrien antwortet auf die Frage, wie es ihm gehe: „Alles gut. Owschlag sehr gut. Danke an alle”.

Fröhlich sausen Kinder durch das Haus. Der dreizehnjährige Achmed, sein jüngerer Bruder Asaad (8) und sein Freund Mohammad (8) teilen sich ein Kinderfahrrad, mit dem sie abwechselnd ihre Runden auf dem Parkplatz drehen. „Gleich wird es dunkel, dann schließe ich das Fahrrad weg”, erklärt Hausmeister Behrendt. Enttäuschte Gesichter bei den Jungs. Das konnten sie, die vor wenigen Tagen erst ankamen, bereits auf Deutsch verstehen.

Ohne Sprache keine Integration. Den neuen Bewohnern des Försterhauses kann es gar nicht schnell genug gehen mit dem Erlernen der deutschen Sprache. In kleinen Gruppen üben sie gemeinsam und helfen sich gegenseitig. Sprachunterricht soll so häufig wie möglich für alle Flüchtlinge des Amtes stattfinden. Volkhart Meyer und Liane Lettau haben in Zusammenarbeit mit dem Amt ein Konzept entwickelt und bereits mit dem Unterricht im Försterhaus begonnen. „Ahsant - gut gemacht!„ lobt Lettau auf Arabisch. Die Pädagogin übt mit ihren Schülern das Alphabet, die Zahlen und die deutsche Sprache. Verschiedene Obstsorten werden an der Magnettafel befestigt. Erstaunen bei der Lehrenden und überraschtes Lachen in der Gruppe: Ananas heißt auch auf Arabisch Ananas. Manchmal kann Vokabeln pauken so leicht sein. „Mir ist es wichtig, dass wir viel Spaß beim Lernen haben, denn das motiviert am besten”, betont die engagierte Pädagogin. Für die Deutsch-Unterrichtung als Einstiegskurse hat das Amt Liane Lettau als hauptamtliche Beauftragte angestellt. Sie wird von Dozierenden der Volkshochschulen der Region unterstützt. „Dadurch ist die Integration der Flüchtlinge bestmöglich” so Amtsdirektor Andreas Betz über die Kooperation von Amt und Volkshochschulen. 


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