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Eckernförder Zeitung

24. November 2017 | 19:45 Uhr

Musical : Swing als Aufschrei gegen das Regime

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Theater AG der Jungmannschule feiert mit Swing-Musical Premiere / Zwei weitere Vorstellungen am 4. und 5. Juni

von
erstellt am 03.Jun.2015 | 06:23 Uhr

Als das Musical „Swing Time – Wir tanzen weiter“ des Hamburger Schriftstellers Cornelius Knüpffer erstmals 2005 an der Jungmannschule aufgeführt wurde, war Angela Lins dort bereits als Musiklehrerin tätig. Heute – zehn Jahre danach – leitet Angela Lins an der Jungmannschule die Theater AG und berichtet voller Stolz vom für sie „10-jährigen Jubiläum“ dieses Musicals.

Das Thema des Stücks ist gerade in diesem Jahr, 70 Jahre nach Kriegsende, aktuell. Das Naziregime machte Ende der 30er Jahre auch vor Kunst keinen Halt und setzte sich mit Zerstörung und Verbot von Büchern, Musik und Künstlern brutal durch. So wurde Swing – der neue Sound aus Amerika – kurzerhand als „entartete Niggermusik“ tituliert und verboten.

Der Widerstand der Jugendlichen gegen die Obrigkeit dieser Zeit zeigte sich in ihrer Kleidung, ihrem Musikgeschmack und ihrem Wunsch nach Freiheit. Die Jungs trugen Hut, weite Hosen und noch weitere Mäntel, die stark geschminkten Mädchen kurze, schwingende Röcke oder – ganz entgegen dem Zeitgeist – lockere Hosen. Sie wollen ihr Leben genießen, sie wollen flirten und vor allem nach der mitreißenden Musik von Benny Goodman und Count Basie tanzen. Ihr Begrüßungsmotto lautet „Swing high – swing low“ und zeigt schon damit ihre Unangepasstheit an das Regime und ihren Wunsch, sich dem braunen Terror entgegenzustellen.

Deutlich wird das auch in ihren lässigen und herablassenden Bemerkungen über die Hitlerjugend und die in dieser Zeit überall im Straßenbild sichtbaren braunen Uniformen. Sie belächeln ihre Altersgenossen, die sich von den Machthabern einfangen ließen. Allerdings wird diese Einstellung zum Tanz auf dem Vulkan, spätestens als einer der swing-begeisterten Jugendlichen zum Erpressungsopfer der Nazis wird.

Ein weiterer Aspekt der Naziherrschaft wird mit der Geschichte der jüdischen Fotografin aufgegriffen, die die drohende Gefahr nicht wahrhaben will und immer noch hofft, dass der „Rausch in Deutschland“ bald vorübergehen möge.

Die 18 jungen Leute des Swing-Musical-Ensembles der Theater AG (Jahrgangsstufen 10 bis 13) unter der Regie von Angela Lins bewiesen mit ihrer bemerkenswerten Aufführung, wie ernst sie dieses Thema nehmen und in der Lage sind, es umzusetzen. Das diesjährige Projekt „Swing Time – Wir tanzen weiter“ wurde in unzähligen Stunden gemeinsam einstudiert und geprobt, wobei die bevorstehenden Abitur-Prüfungen der Abschlussjahrgänge natürlich ebenfalls Berücksichtigung finden mussten.

Die musikalische Begleitung übernehmen neun junge Musiker der Schule – allesamt Instrumentalisten, die sich unter Leitung des Musiklehrers Lars Meyer für dieses Stück mit Begeisterung den Big-Band-Sound angeeignet haben. An der Jungmannschule hat der Big-Band-Sound eine große Tradition: Die Swing-Combo der Schule habe bereits häufig Auftritte absolviert und das Publikum begeistert, sagt Angela Lins.

Unter der hervorragenden Choreographie von Janina Klawitter – ehemals Referendarin an der Jungmannschule und nach absolviertem Tanzpädagogik-Studium nun wieder an der Schule verpflichtet – bot das gesamte Ensemble vor einer vollbesetzten Aula eine sehenswerte Vorstellung mit verdientem Applaus.

Wer die Premiere am Montagabend verpasst haben sollte, hat in dieser Woche noch am 4. und 5. Juni die Möglichkeit, das Stück zu sehen: Karten gibt es für 4 Euro pro Person bei „IDEA Schreibwaren“ in der Kieler Straße oder an der Abendkasse der Jungmannschule, Vorstellungsbeginn ist jeweils 19 Uhr.


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