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Besuch aus Wien : Sven Wlassack schlawi(e)nert sich durch das Künstlerhaus

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Der ehemaliger Kulturbeauftragte der Stadt besucht Eckernförde und berichtet humorvoll von gerissenen Wienern, den „Schlawi(e)nern“.

Eckernförde | Wenn ein „Ostseewiener“ schlawi(e)nert, bleibt kein Auge trocken, zumal wenn er Sven Wlassak heißt. Der Wiener redete und agierte sich am Freitagabend und am Sonntag zur Matinee im Künstlerhaus in die Herzen des Publikums.

Jedes Jahr beehrt er Eckernförde aufs Neue. Von 1988 bis 2011 war Wlassak Kulturbeauftragter der Stadt und sagt selber scherzhaft: „Ich hab ein Stück Herz hier gelassen. Bin ich in Wien, sehne ich mich nach dem Norden, bin ich im Norden, sehne ich mich nach Wien.“ Im Gepäck hatte er Texte und Geschichten, die deutlich das Schlawi(e)nertum Wiens hervorhoben. Stimmungsvoll mit Melodien aus Wien sorgten auch Meike Salzmann am Konzertakkordeon und Gerhard Breier am Saxophon für einen vergnüglichen Abend.

Im Nu hatte Sven Wlassack die Zuhörer in seinen Bann gezogen, die sorgfältig ausgesuchten Texte und Geschichten sorgten immer wieder für Lachsalven. Spätestens am Ende des Abends war geklärt, wo „Schlawien“, die Heimat der Schlawi(e)ner liegt – dieser Menschen, die um keine Ausrede verlegen, schlau und mit einer gehörigen Portion an „Faustdickem“ hinter den Ohren ausgestattet sind. Überall wo Menschen leben, existieren Schlawi(e)ner, und natürlich ist Wien die Hochburg dieser Spezies.

In den Geschichten, die Wlassack mit seinem Wiener Schmäh zum Besten gab, fand sich viel Wissenswertes, aber auch Dramatisches. Zum Beispiel im Lied „Ach du lieber Augustin“ vom lustigen Gesellen, der in der Pestzeit den Leuten mit seiner Musik ein wenig Freude schenkte und gerne mal einen Schoppen Wein zu viel trank. In seiner Trunkenheit wurde er selbst für einen Pesttoten gehalten und in die Grube mit anderen Verstorbenen geworfen. Erst am nächsten Morgen erwachte er und bewies mit seiner Musik, dass er noch lebte.

Geschichten, unter anderem von Fritz Grünbaum (1880-1941), dem österreichischen Kaberettisten, Operetten- und Schlagerautoren, Regisseur, Schauspieler und Conférencier, zeigten den Schalk, der selbst in der nationalsozialistischen Zeit nicht verborgen blieb. In einem Auftritt scherzte Grünbaum, als durch einen Stromausfall alle Lichter ausgingen: „Ich sehe nichts, absolut gar nichts, da muss ich mich in die nationalsozialistische Kultur verirrt haben.“ Grünbaum starb 1941 im Konzentrationslager Dachau.

Auch die bekannte und fiktive Wiener Witzfigur Graf Bobby imitierte Wlassak und präsentierte liebenswürdig, die in der k.u.k.-Monarchie entstandenen Witze über dekadente, begriffsstutzige Aristokraten.

Besonderen Applaus erhielt der „Ostseewiener“ für sein Mitbringsel und die dazugehörige Idee: Ein Schild mit einem Hund sorgt in Wien unter der Überschrift „Ein Sackerl für dein Gackerl“ für Aufmerksamkeit. Es soll für das Entsorgen der Hunde-Hinterlassenschaften sorgen, bei Nichtbeachtung drohen 36 Euro Bußgeld. Diese Aktion könne man auf politische Ebene ausbreiten, witzelte Wlassack. Die Auszeichnung könne man an den Nächsten, der in ein Fettnäpfchen tritt, weitergeben.

Aufgelockert durch Wiener Melodien und den Schlager „Oh Donna Clara“ ernteten sowohl Sven Wlassak als auch die Musiker anhaltenden Applaus.

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