Susanne Störmer im Titanic-Stress

Susanne Störmer vor ihrer 'Titanic'-Literatur-Bücherwand.  Foto: url (2)
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Susanne Störmer vor ihrer "Titanic"-Literatur-Bücherwand. Foto: url (2)

Forscherin mit Eckernförder Wurzeln beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem Untergang und Mythos des Luxusdampfers am 14. April 1912

shz.de von
14. April 2012, 02:41 Uhr

Eckernförde/ Elmshorn | Sie ist zurzeit eine vielgefragte Frau: Als Titanic-Forscherin ist Susanne Störmer begehrte Fernseh-Gesprächspartnerin bei Spiegel-TV, SAT1-Frühstücksfernsehen, für Zeitschriften- oder Radiointerviews. Die Diplom-Kauffrau FH lebt seit vielen Jahren in Elmshorn, ist aber in Eckernförde aufgewachsen und hält die Verbindung. Sie hat sich auf die Ereignisse in den letzten Stunden vor der Kollision der Titanic mit dem Eisberg heute vor genau 100 Jahren sowie auf den 1. Offizier William M. Murdoch spezialisiert. Hat er den überlieferten Befehl für das Ausweichmanöver "hart steuerbord, volle Kraft zurück" gegeben? Störmer zweifelt dies an, doch vor allem interessieren sie die Sekunden vor dem Unglück, die Entscheidungsketten, die bis zum "Point-of-no-return" führten.

Was macht für Susanne Störmer die Faszination Titanic aus? "Es ist ein Unglück, das alles hat, was eine ,tolle’ Geschichte braucht", meint sie. Es sei das größte Schiff seiner Zeit gewesen. Widersprüchliche Aussagen von Überlebenden, das Interesse der Reederei, den Verdacht der Fahrlässigkeit von sich zu weisen, lückenhafte Protokolle der Untersuchungsausschüsse und andere Ungereimtheiten würden somit die Basis für Legendenbildung liefern. "Von daher war der Hype zum 100. Jahrestag des Titanic-Untergangs zu erwarten", meint Störmer.

Ein Schiff sei wie eine autarke Stadt. Diese im Notfall zu evakuieren, sei auch heute noch eine logistische Herausforderung, so Störmer, und verweist auf das jüngste Unglück des italienischen Kreuzfahrtschiffes Costa Concordia. Als Beispiele nennt sie Engpässe bei Treppen oder Sprachprobleme bei Durchsagen für Verhaltensweisen.

Titanic-Forschung zu betreiben fasziniert Susanne Störmer schon seit ihrer Kindheit. "Eckernförde ist mein Geburtsort", erzählt sie. "Am Vogelsang bin ich entlang gegangen und habe Fernweh bekommen, wenn die weißen Butterdampfer ablegen. Über die Holzbrücke zu gehen und immer zu schauen, wie lange ich noch oder ab wann ich wieder Grund sehen kann, gehört zu meinen Kindheitserinnerungen an Eckernförde. Mein Interesse an der Titanic begann in Eckernförde, hat sich dort entwickelt und in den dortigen Buchhandlungen Goerke und Rohde habe ich meine ersten Titanic-Bücher gekauft. Außerdem bin ich Mitglied in der Heimatgemeinschaft Eckernförde." Dass sie für ein Titanic-Referat nur eine 3 als Note bekam, mit der Begründung, über das Schiff sei doch schon alles erzählt, knust sie noch heute - und hat sicher auch dazu beigetragen, dass sie seit Jahrzehnten Titanic-Forschung betreibt und diverse Bücher zu diesem Thema verfasst hat.

Dass es seit dem letzten Buch "Dampfer Titanic: Eisberg voraus" aus dem Jahr 2007 kein neues Werk mehr von der Autorin gegeben hat, ist ihrer starken beruflichen Eingebundenheit geschuldet. Außerdem hat sich Störmer, die als Controllerin in Hamburg arbeitet, in den vergangenen Monaten auf ihre Abschlussprüfung als Master of Business Administration vorbereitet. "Die Titanic wird mich immer begleiten, doch sie kann mich nicht ernähren."

Trotzdem wird Forschung für Susanne Störmer immer entspannend sein. "Andere verbringen ihre freie Zeit an Stränden, ich stöbere lieber in Archiven", meint sie. Außerdem engagiert sie sich in vielen Diskussionsrunden, reist in ihre Forschungsgebiete nach Schottland, England und Neuseeland, wo sie Verwandte des 1. Offiziers Murdoch sowie Überlebende des Titanicunglücks wie Eva Hart (%_kreuz_%%__kreuz_%1996) und Millvina Dean (%_kreuz_%%__kreuz_%2009) kennenlernte und interviewte. Beide signierten ihr auch ein großes Titanic-Bild, das bei der Autorin zu Hause hängt. Susanne Störmer ist Mitbegründerin des Titanic Informations Center Deutschland (1997), der im Vereinsregister in Elmshorn eingetragen ist. Außerdem ist sie seit Jahren Mitglied im Titanic-Verein Schweiz, hält Vorträge und beteiligt sich an den Internetseiten www.william-mcmaster-murdoch.de und www.titanicfiles.de.

Würde sie gern auf Kreuzfahrt gehen? "Ne, das finde ich langweilig", ist die prompte Antwort. Sie würde lieber als Passagier auf Frachtschiffen reisen, denn "mich stören die vielen angelaufenen Häfen. Wenn ich so eine Reise machen würde, dann nur, wenn viele Seetage dabei sind. Dann könnte ich tagelang aufs Wasser gucken, beobachten, wo Regenschauer niedergehen und wie die Wellen laufen. Ich bin gern auf Schiffen, aber nicht in Häfen."

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