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Tractorpulling : Supertraktor erfüllt großen Traum

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Drei Brodersbyer steigen ins Tractorpulling ein. 1000-PS V12 Panzermotor fast fertig restauriert . Das Chassis steht zur Motoraufnahme bereit.

Brodersby | Es ist laut, es riecht nach Abgasen und die Zuschauer johlen. Beim Tractorpulling ziehen extrem motorisierte Trecker mit Panzer- oder Flugzeugmotoren rund 20 Tonnen Gewicht möglichst weit, bevor sie nach rund 60 bis 100 Meter stehen bleiben. Ein Traum, den sich Hartmut Pohl (52), sein Bruder Harald (40) und ihr Cousin Timo Blaase (42) aus Brodersby erfüllen. Sie haben ein Chassis und zwei Panzermotoren in der Szene erworben und bauen ihren „Silberfuchs“ jetzt auf. Ihr Ziel – Ende der Saison ein Start bei einer Rennveranstaltung des Dachverbands DTTO (Deutsche-Trecker-Treck-Organisation). Doch bis dahin haben die Freunde noch viel zu tun.

„Ein bisschen verrückt muss man schon sein“, erzählt Harald Pohl. Seit 1983 sind die drei Kumpels mit dem Virus Tractorpulling infiziert. In einer Zeitschrift ihres 2014 verstorbenen Vaters Helmut fanden die Jungs eine Anzeige für das Tractorpulling in Jübek, erzählt Hartmut Pohl. Seitdem besuchen sie die Rennveranstaltungen regelmäßig. Höhepunkt eines jeden Jahres ist die dreitägige „Männerfahrt“ ins Münsterland, wo in Füchtorf der größte Tractorpulling-Lauf mit 15  000 Zuschauern startet. Dort besuchen sie einen langjährigen Bekannten, Ulrich Kropp, der selber schon seit den 90-Jahren aktiv ist und mehrere Traktoren hat. In der Szene kennen sich die Brodersbyer aus, bisher aber waren sie nur als „Schnacker“ aktiv, ergänzt Timo Blaase. Mitte August vergangenen Jahres erreichte sie ein Anruf von Kropp, ob sie denn ernsthaft Interesse an einem Traktor hätten. Zunächst waren sie ganz platt, wie Harald Pohl feststellt. „Da gab es viel zu bedenken“, ergänzt sein Bruder.

Doch die Voraussetzungen waren gut. Sie sind begeisterte Schrauber. Hartmut und Timo haben zudem eine Landmaschinenschlosser-Ausbildung. Vieles haben sie aber auch im väterlichen Landmaschinenservice gelernt, dessen Hallen und Werkstatt sie nun nutzen können

Letztlich konnten sie nicht widerstehen. Kropp machte ihnen ein faires Angebot, und sie bekamen den Silberfuchs samt zwei in original Bundeswehrkisten verpackten Panzer-Motoren nach Brodersby geliefert. Ihre Hoffnung aber, dass sie die beiden Continental Motoren, die aus dem US-Panzer M 48 stammen, anschmeißen und Rennen fahren, mussten sie schnell begraben. Die Motoren hatten 1984 ihre letzte Prüfung bei der Bundeswehr, seit dem standen sie still und wurden auch nass. „Jetzt nach gut 30 Jahren Dornröschenschlaf wollen wir die Motoren wieder erwecken“, sagt Harald Pohl.

Und so bockten sie die jeweils rund 1,5 Tonnen schweren V12 Otto-Motoren mit je rund 820 PS auf. Sie wurden komplett zerlegt. Am Ende waren sie froh, aus zwei Motoren mit je 29,4 Liter Hubraum einen zu bauen. Unterstützt wurden sie bei der Fleißarbeit, die Bauteile zu reinigen, zu lackieren und wieder zu montieren, durch Peter Marxen und Gunar Reimer. „Ohne sie wären wir heute nicht so weit“, sagt Harald Pohl und seine Kumpels nicken.

Doch selbst wenn der Motor in gut einem Monat wieder läuft, dann brauchen sie noch eine neue Kurbelwelle, die die Kraft des dann auf rund 1000 PS getunten Motors auf die Räder bringt. Da sei ihr Standort schon ein Nachteil, räumen die drei ein. In Süd- und Westdeutschland gäbe es sehr viel mehr Metallbaubetriebe, um Maßanfertigungen herzustellen. Sie wenden sich dann an Kollegen im Süden und verschicken ihre Bauteile mit der Post. Weniger Sorgen bereitet ihnen die Verheiratung von Chassis und Motor. Dafür werden sie einen Metallrahmen schweißen, mit dem der inzwischen auf rund 1,2 Tonnen abgespeckte Motor millimetergenau abgesetzt wird.

Kürzlich bekamen sie Besuch vom Vizepräsidenten des DTTO, Sascha Mecking, der ihnen Hoffnung machte. Der Verband, der hohe Sicherheitsstandards festlegt, hat theoretisch schon eine neue Klasse gegründet. In dieser soll der Wert der Fahrzeuge auf 20  000 Euro gedeckelt sein. Das Gewicht liegt maximal bei 3,5 Tonnen. Sobald es fünf Teams für die neue Klasse gibt, die sich eben gezielt an den Nachwuchs wendet, werden Rennen gefahren. Mit dem Brodersbyer Team Silberfuchs gibt es derzeit vier Teams, so dass die Hoffnung groß ist, in 2017 starten zu können. „Die Szene ist in Bewegung, da tut sich viel“, sagt Timo Blaase. Er wird der Fahrer des Kraftpakets sein. Gefahren sei er so etwas noch nie, aber er freut sich darauf. Welche Leistung ihr Traktor letztlich auf die Bahn bringt, das muss das erste Rennen zeigen. Bisher ungelöst ist ihre Transportfrage, denn auf der Straße darf ihr Panzer-Trecker nicht nach Hassmoor oder Füchtorf rollen. Ideal wäre ein 7,49 Tonner Kastenwagen, in dem der Traktor samt Werkstatt Platz haben.

Ihr wohl größter Traum ist der Einbau von Flugzeugmotoren, die deutlich leichter, aber auch fast doppelt soviel Leistung haben. Bei rund 900 Kilogramm bringen sie rund 1900 PS Leistung. Doch bei Preisen für nicht restaurierte Rolls Royce Griffon Motoren, sie waren in den Spitfire Jagdflugzeugen im Zweiten Weltkrieg eingebaut, ab 20  000 Euro, bleibt das wohl ein Traum. In der Szene gibt es auch Traktoren, die mit vier Flugzeugmotoren oder gar Düsenturbinen angetrieben werden. Das sei aber nicht ihre Klasse.

Für alle Fans des Tractorpulling hat der Sender DMAX fünf Teams mit der Kamera begleitet und zeigt auch die Läufe zur deutschen Meisterschaft. Jetzt spucken die Freunde wieder in die Hände und bringen ihren Silberfuchs auf Vordermann.

 

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erstellt am 04.Mär.2016 | 06:15 Uhr

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