Essen : Süße Ernte nach der Kälte

Auf einem halben Hektar baut Gerd Boll in Holzdorf Grünkohl an. Im ganzen Land sind es weniger als 50 Hektar Anbaufläche.
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Auf einem halben Hektar baut Gerd Boll in Holzdorf Grünkohl an. Im ganzen Land sind es weniger als 50 Hektar Anbaufläche.

Grünkohl wird nur auf wenigen Hektar in Schleswig-Holstein angebaut. Auf dem Biolandhof Großholz gedeiht er auf einem halben Hektar.

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29. Dezember 2017, 06:18 Uhr

Holzdorf | Mit jedem Tag, den der Grünkohl länger auf dem Feld steht, wird er süßlicher. Dass Grünkohl aber immer erst nach dem ersten Frost so richtig gut ist, das ist wohl nicht ganz richtig, räumt Gerd Boll ein. Der Biolandwirt in Großholz ist einer von nur relativ wenigen Landwirten in Schleswig-Holstein, der die auch als Ostfriesen-Palme bezeichnete Pflanze anbaut.

Nach Auskunft von Daniela Rixen, Pressesprecherin der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein, werden im Land deutlich unter 50 Hektar Fläche mit Grünkohl bestellt. Hauptanbaugebiete sind an der Westküste. „Darüber hinaus gibt es zahlreiche Betriebe, die auf Kleinflächen für die Direktvermarkung anbauen“, stellt Rixen fest.

„Der erste Nachtfrost war schon am 1. November“, berichtet Boll, der gut einen halben Hektar der besonderen Kohlart angebaut hat. Der Grünkohl sei aber schon ab dem frühen Herbst reif gewesen, aber da werde er noch nicht von den Kunden gewünscht. Einzig, die jungen Spitzen würden bereits im August/September für Gemüse-Smoothies Verwendung finden. Dieser Trend war vor Jahren aus Amerika nach Europa geschwappt, ergänzt die Sprecherin der Landwirtschaftskammer.

Dem Grünkohl schadet es nicht, bis in den Winter auf dem Feld zu bleiben. Ganz im Gegenteil, wie Boll berichtet. So sinkt mit der Außentemperatur der Stoffwechselprozess in der Pflanze. Reifer Grünkohl enthalte kaum noch Stärke, aber durch die fortgesetzte Fotosynthese produziert die Pflanze weiterhin Zucker. Da die Pflanze den Zucker aber nicht mehr für den Stoffwechsel benötigt, wird er in den Kohlblättern eingelagert. Dadurch steigt die Süße und überlagert Bitterstoffe .

Die Haupterntezeit beginnt Mitte November. Dann werden in Handarbeit zunächst die unteren Blätter der Pflanzen abgeerntet. „Mit einem Griff wird das Blatt vom Blattstängel abgestreift“, erklärt Boll. Der Rest der Pflanze bleibt stehen. In einem zweiten Durchgang wird dann in Dezember und Januar der Rest abgeerntet. Ist der klassische grüne Krauskohl durch, kann Boll noch auf spätere, noch winterhärtere Sorten wie den Braunkohl und den Schwarzkohl zurückgreifen, um seinen Kunden in der Region frische Feldware zu liefern.

Im Mai wird im Gewächshaus der Grünkohl gesät. Die Jungpflanzen werden im Juni aufs Feld gepflanzt. Wenig später kommen sie dort für zwei Monate unter einen Kulturschutz. Er sorgt dafür, dass die Raupen der Kohlfliege und des Kohlweißlings sich nicht am Jungkohl sättigen. Während der Abdeckungszeit wird die Folie drei al aufgenommen, um mit einer von drei Pferden gezogenen Feldmaschine (ein I & J Draft Cultivator, gebaut von einer Metallschmiede der Amish in den USA) den Unkrautaufwuchs zu unterdrücken. „Dabei wird die Erde in einem Gang aufgehackt und in einem zweiten Durchgang die Erde auf die Unkräuter aufgehäufelt“, erklärt Boll den Prozess. Später, wenn die Pflanzen groß sind, hat das Unkraut keine Chance mehr und es bleibt unbedeutend.

Grünkohl anbauen ist das eine, ihn zu genießen das andere. So liebt Boll das sehr vitaminreiche Wintergemüse gerne klassisch. Dazu deftige Würste und Schweinebacke. Nicht fehlen dürfen dazu süße Kartoffeln, sie zusammen machen den Grünkohl für Boll zum perfekten Winteressen. Ebenfalls aus den USA stammt die Variation, die Blätter zu frittieren. Alternativ können sie mit Öl bestrichen und im Ofen gebacken werden, schwärmt Boll von den wie Chips schmeckenden Grünkohlkräckern.

Und im neuen Jahr, da wird Boll ganz sicher wieder Grünkohl anbauen, da freut er sich schon jetzt drauf.

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