Südstrand, Klima und Lehren aus Duisburg

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21. August 2010, 03:59 Uhr

In unseren Breiten sind Freiluftveranstaltungen immer ein Risiko. Den Veranstaltern gebührt daher allein schon für ihren Mut, im trüben Norden etwas unter freiem Himmel anzubieten, eine gewisse Hochachtung. Für Sonntag, den Tag des großen Strandfestivals mit acht Bands und über 12 000 Besuchern, ist zumindest eine einigermaßen erträgliche Temperatur von 22 Grad vorhergesagt. Ob die fast 20 Grad warme Ostsee und die Getränkestände die einzigen Feuchtigkeitsspender bleiben, kann man hingegen nur hoffen - im späteren Verlauf des Tages sollen sich die oberen Schleusen hin und wieder öffnen. Sollen sie, nur möglichst nicht über dem Südstrand.

Egal, neun heiße Stunden sind angesagt, mit frischen Bands, die mögliche dunkle Wolken über oder in den Köpfen einfach wegrocken oder -rappen. Auch wenn der Altersschnitt der Eckernförder etwas über dem Bundesschnitt liegen dürfte, sind sie allemal aufgeschlossener und begeisterungsfähiger als so mancher Jungspund. Sie werden das Strand-Festival - für das niemand anders als der örtliche Cocker- und Stewart-Veranstalter Jens Skwirblies das Fundament gelegt hat - zu ihrem Eckernförder Festival machen, zahlreich erscheinen und kräftig abrocken. Das geht nämlich prima auch jenseits der 50 und 60.

Mit Rücktrittsforderungen wird sich der Eckernförder Verwaltungschef Jörg Sibbel nach dem Festival im Gegensatz zu seinem Rückgrat-losen Duisburger Kollegen Sauerland nicht konfrontiert sehen. In Eckernförde hat man Lehren aus dem bösen Duisburger Loveparade-Pannen gezogen, die 21 jungen Menschen das Leben gekostet haben - obwohl das Festivalgelände mit weitläufigen Ausweichflächen keinesfalls mit der Duisburger Tunnelfalle zu vergleichen ist. Eine Massenpanik scheint so gut wie ausgeschlossen, dennoch geht man am Südstrand auf Nummer Sicher und hat zum Beispiel feste Zäune verbannt. 150 statt der 75 vorgeschriebenen Sicherheitskräfte regeln alles Weitere, und gegenüber dem Festivalgelände steht ein Notarztstab für Einsätze jeglicher Art bereit. In einem ausgeklügelten Notfallplan werden Szenarien und Verhaltensmaßregeln beschrieben.

Und da man an der Küste ist, spielen natürlich die Windstärken ein besondere Rolle: Ab Windstärke 6 besteht Handlungsbedarf, ab Windstärke 9 wird die Bühne geräumt.

Mit einer stürmischen Bühnenshow wären allen viel eher gedient. an

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