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Gerald Eckert : Südkorea im Kopf und Provinzlärm im Blick

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Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Der Eckernförder Komponist Gerald Eckert hat zwei Jahre an der Universität von Seoul gelehrt. Jetzt ist er wieder zurück und berichtet von seinen Eindrücken.

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erstellt am 11.Sep.2014 | 05:47 Uhr

Seinen internationalen Ruf hat sich Gerald Eckert hart erarbeitet. Den 53-jährigen Eckernförder Komponisten und Verfechter der Neuen Musik haben Stipendien, Gastspiele und Professuren in die ganze Welt geführt – in die USA, nach Feuerland, Italien oder Südkorea. Jüngst ist Eckert nach zweijähriger Lehrtätigkeit an der Chung-Ang-Universität in Seoul und Anseong in seine Wahlheimat Eckernförde zurückgekehrt. Und wie immer bei derartig langen Auslandsaufenthalten hat der Komponist und Musiker unzählige neue Eindrücke im Gepäck dabei. Nicht nur Mitbringsel wie eine schöne Teekanne aus dünnem Porzellan, sondern auch neue musikalische Anregungen und Ideen, die vielleicht Eingang in eins seiner zahlreichen Projekte finden werden.

2011 gab es die ersten Kontakte mit ihm bekannten koreanischen Komponisten. Die Uni suchte Professoren für Komposition. Gut möglich und sehr wahrscheinlich, dass sie ihn empfohlen haben – denn es folgte ein Anruf aus Seoul, dann Verhandlungen, und Eckert sagte zu. Er kannte die Stadt bereits durch seinen Konzertauftritt 2009, und diese neue Erfahrung wollte er nicht missen. Außerdem dürfte auch das Professorengehalt gelockt haben. Allerdings war damit auch eine lange Trennung von seiner Lebenspartnerin Beatrix Wagner verbunden, was ihm arg zu schaffen machte und ihn die eigentlich auf vier Jahre ausgelegte Professur bereits nach zwei Jahren beenden ließ. „Es gab dort eine sehr rigide Anwesenheitspflicht“, erzählte Gerald Eckert unserer Zeitung. Die verhinderte unter anderem, dass er dem Ruf zu einem Konzert in die USA nicht folgen konnte, und Heimflüge waren auch nicht gern gesehen. Unter solch starren Arbeitsbedingungen wollte der Eckernförde nicht weitere zwei Jahre in Südkorea verbringen.

Die Arbeit selbst war durchaus erfüllend. In Einzelunterricht hat er acht jungen, koreanischen Studenten die Kunst des Komponierens vermittelt, sie geformt und weiterentwickelt, dazu Vorlesungen gehalten. „Sehr unterschiedlich“ sei das Niveau der Studenten gewesen, von herausragend bis sehr mäßig. Anders als in Deutschland seien die Aufnahmeprüfungen in Korea weniger streng und die Erfolgsquote demzufolge um einiges höher als die zehn Prozent hierzulande. Dafür ähnelt das Musik- und Kompositionsstudium in Korea mehr einem Studium Generale mit vielfältigen Gebieten und Anforderungen. „Nicht jeder, der Komposition studiert, wird Komponist“, sagt Eckert.

Jeder Student muss pro Semester zwei Stücke schreiben, berichtet der Professor auf Zeit weiter – ein eher traditionelles und ein freies Stück. „Eine Fuge sollte man schon spielen können“, so Eckert, der in der Lehre anders als in seiner musikalischen Ausprägung der Neuen Musik durchaus auf konservative Werte setzt und unter anderem „fundiertes Handwerk und eine genaue Kenntnisse der Instrumente“ einfordert.

Frappierend sei für ihn gewesen, das die koreanischen Studenten zwar alles aufnehmen und verarbeiten, aber kaum mit den Professoren diskutieren und sehr in hierarchischen Strukturen verhaftet seien. „Ein kritisches Hinterfragen findet dort nicht statt“, sagt Gerald Eckert. Dafür seien die südkoreanischen Menschen, darunter sehr viele junge Leute, aber sehr offen für Neues und interessiert an westlichen Einflüssen. Von Trägheit keine Spur, meint der Eckernförder.

In seiner Heimatstadt Eckernförde kümmert er sich nun um die Vorbereitung des Provinzlärmfestivals 2015 und um zahlreiche weitere Aufträge und Produktionen. Unter anderem arbeitet er zusammen mit dem Deutschlandfunk an einer CD-Einspielung des über ihn erschienenen Buches „An den Rändern des Maßes – der Komponist Gerald Eckert“.

Der 53-Jährige ist gut im Geschäft und weiß nach den vielen Auslandsaufenthalten genau, wo seine Heimat ist.

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