Hochbegabt : Süchtig nach dem Erfolgserlebnis

Expertenrunde zum Thema Begabungsförderung: Dr. Janna Pahnke, Dr. Michael Kohl, Regina Jansen und Ulrich Steffen (v.l.).
Expertenrunde zum Thema Begabungsförderung: Dr. Janna Pahnke, Dr. Michael Kohl, Regina Jansen und Ulrich Steffen (v.l.).

Tag der offenen Tür bei der Internatsstiftung Louisenlund mit Gesprächsrunde zum Thema Begabungsförderung

shz.de von
18. Juni 2014, 07:53 Uhr

Herrliches Wetter, jede Menge interessanter Themen und viele Besucher – das waren die Zutaten, dank derer der Tag der Offenen Tür in Louisenlund ein schöner Erfolg wurde. Das Ganztagsgymnasium und Internat Louisenlund bot mit Gesprächen zu bilingualem Unterricht, Schüleraustausch ab Klasse fünf, kleinen Lerngruppen oder dem Expertengespräch zur Begabungsförderung Einblicke in Schule, Angebote und Philosophie.

Unter der Moderation von Schulleiter Dr. Peter Rösner widmeten sich Dr. Michael Kohl (Neurowissenschaftler Oxford), Dr. Janna Pahnke (wissenschaftliche Leiterin „Haus der kleinen Forscher“), Regina Jansen (Schulleiterin Grundschule Fleckeby und Expertin für Begabungsförderung des Landes) sowie Studienleiter Ulrich Steffen der Frage: „Wie finden wir Begabung? Wie machen wir es richtig als Internat?“ Wie also sieht es aus mit der Förderung Begabter, wie stehen Anspruch und Wirklichkeit zueinander, was gibt es Neues. Was verraten Labormäuse dem Neurowissenschaftler und was kann die Begabungsexpertin daraus lernen? Einig waren sich alle: Kinder sind von sich aus neugierig. Sie benötigen Begleitung und Anregung, mit sicherem Gespür würden sie den Bereich auswählen, der ihnen liegt – es müssen jedoch Angebote gemacht werden. Eine gute Lernumgebung, so Dr. Pahnke, sei Voraussetzung. Verbindender Faktor beim Lernen, das zeigten Experimente mit Mäusen und Ratten, sei der Neurotransmitter Dopamin. Dr. Michael Kohl erläutert, dass die Ausschüttung von Dopamin bei einem Lerneffekt eine euphorisierende Wirkung zur Folge hat und damit als internes Belohnungssystem gesehen werden kann. Außerdem bewirke Dopamin einen besseren Übergang der gelernten Information ins Langzeitgedächtnis. Dass Hochbegabte, die aufgrund äußerer Umstände nicht lernen können oder dürfen, dies dann als Bestrafung werten, zu Depressionen und Sucht tendieren können, ist nachvollziehbar.

Als weiteren Faktor für ein gutes Lernumfeld führt Jansen die Bezugsperson an: „Ein gutes Verhältnis zum Lehrenden ist das A & O.“ Wo immer das im Alltag nicht gegeben sei, sollten Gespräche geführt und Lösungen gesucht werden. Auch Pahnke bestätigt: „Bildung geht nicht ohne Bindung.“

Schulleiter Rösner fasst zusammen, dass Louisenlunder Schüler, die aus einer Schulkrise in den Norden kämen, hier sehr gute Bedingungen vorfänden: „Die Mischung aus Coaching, Mentoring und Feedback, kleinere Klassen sowie die vielen Gilden in der Freizeit förderten eines besonders: Angstfreiheit, Mut und Selbstbewusstsein.“

Dass am Ende aus dem Tierversuch nicht alles Eins zu Eins auf den Menschen übertragbar ist, beruhigt dann doch. Frage an den Neurowissenschaftler: „Herr Kohl, was machen Sie mit Mäusen, die nicht lernen wollen?“ Gespielt gequälte Antwort: „Das wollen Sie nicht wissen ...“

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