Suche nach dem kleinen Schwarzen

weihnachtsbaum
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Kleine Portemonnaies geraten nur allzu leicht in unübersichtlichen Situation – nur mit Glück und Spürsinn findet man sie wieder

shz.de von
03. Januar 2019, 18:25 Uhr

Es war ein netter Nachklapp-Russland-Abend in Haby. Rückweg ohne Wildwechsel, Parkdeck etwas unheimlich und leer wie immer abends, alles normal. Ach ja, es war Vorweihnachtszeit und da wollte ich schnell noch mit dem Handy den tollen Weihnachtsbaum auf dem Rathausmarkt fotografieren, der dank eines Eckernförder Bürgers wunderschön beleuchtet war. Das Handy befand sich in der Jackentasche, also los.

Oben in der Wohnung dann machte ich alle Taschen leer, wie immer, denn fast immer stecke ich das Portemonnaie und den Schlüsselbund in die Jackentasche. Nur, wo ist das Portemonnaie? Doch im Rucksack? Alle Reißverschlüsse auf, aber ich weiß, dass ich es da gar nicht reingesteckt habe … Also Jacke an, runter auf den Platz und genau die Strecke abgehen, die ich gerade genommen hatte, an der Rathausecke vorbei schräg zum Baum, nicht zu nah, schräg Richtung Haus zurück, nein, nichts.

Dann, noch etwas mehr links, liegt da etwas kleines Schwarzes? Juchhu, es ist mein kleines geliebtes Portemonnaie! Gut, dass ich gleich nachgeguckt habe und gut, dass es schon gegen 21.30 Uhr war, da geht kaum noch jemand quer über den Rathausmarkt – die Bürgersteige sind dann bereits hochgeklappt.

Die Freude währte nur ein paar Wochen – und dann war das geliebte Portemonnaie endgültig weg. Mit meiner Nachlässigkeit habe ich es dann doch geschafft. Es steckte mal wieder in der Jackentasche, schnell griffbereit. Dann ging es zu einer Bekannten, um sie mitzunehmen ins Figurentheater auf Carlshöhe. Als es ans Bezahlen ging, musste ich mir tatsächlich das Geld für die Führung leihen. Diesmal lag das gute Stück nicht an dem einzig möglichen Platz, an dem ich es wohl mit meinen Handschuhen zusammen rausgezogen hatte. Auch im Fundbüro wurde ich nicht fündig. In dieses klitzekleine Portemonnaie passten zwar keine Bankkarten, aber auch keine Adresse – und über die ausnahmsweise 50 statt wie sonst eher 20 Euro hat sich bestimmt jemand sozusagen diebisch gefreut, während die kleine schwarze Geldbörse sicher achtlos im Gebüsch gelandet ist.

Nun versuche ich es mit einem roten, fast genauso kleinen Portemonnaie.

PS: Geschichte muss manchmal umgeschrieben werden – so auch hier. Kurz bevor nun das Verlierer-Jahr um war, suchte ich eine Tasche, wie ich sie immer hinter der Truhe unter der Garderobe griffbereit liegen habe. Ich zupfte schon, und da sah ich im Spalt zwischen Truhe und Wand etwas kleines Schwarzes, sehr klein und schwarz, das offensichtlich schon lange darauf gewartet hatte, gefunden zu werden. Nun kann ich wählen – nehme ich heute das kleine Rote oder das kleine Schwarze?

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