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Eckernförder Zeitung

24. Oktober 2017 | 13:57 Uhr

Jahrestag : Stumme Zeugen eines grausamen Tags

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Holger Reimer erinnert an den 200. Jahrestag der Schlacht bei Sehestedt / Soldaten brachen vom Gut Lindau aus in den Kampf auf

„Hier müssen die Soldaten der dänisch-schleswig-holsteinischen Armee damals längs marschiert sein“, sagt Holger Reimer und zeigt die Straße entlang. „Im Winter, auf unbefestigten Wegen, schlecht verpflegt und ausgerüstet. Ein Heereszug von zwölf Kilometern Länge mit 9000 erschöpften Soldaten, 34 Geschützen und 500 Wagen. Das muss man sich mal vorstellen.“ Heute zum 200. Jahrestag der Schlacht bei Sehestedt möchte der 74-jährige Henneroder daran erinnern.

Er ist Mitglied der Heimatgemeinschaft Eckernförde und interessiert sich sehr für die schleswig-holsteinische Geschichte. Ein Teil davon habe er im Kopf, verrät er. Für die Details hat er die Chronik der Gemeinde Sehestedt, die Topographie Herzogtum Schleswig von Henning Oldekop, Schriften des Historikers Christian Degn und Beschreibungen des Porträtzeichners Hans Peter Feddersen, der selber an der Schacht teilgenommen hatte, zu Rate gezogen. In der Nacht auf den 10. Dezember 1813 sind die Soldaten von Revensdorf, vom Gut Lindau aus aufgebrochen, um morgens in Holtsee einzutreffen, erzählt er. Da es die Straße von Revensdorf nach Holtsee noch nicht gab, kamen sie über Hennrode. Eine Bedeutung hatte Hennerode da noch nicht. Leben kehrte erst nach der Aufsiedlung des Gutes Lindau 1928 ein. Die Schlacht bei Sehestedt steht im Zusammenhang mit dem Zusammenbruch de napoleonischen Imperiums in Europa zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Nach dem verlorenen Feldzug gegen das Russische Reich 1812/13 und der Niederlage in der Völkerschlacht bei Leipzig im Oktober 1813 zog sich die nach wie vor mit Napoleon verbündete dänisch-schleswig-holsteinische Armee unter Befehlshaber Prinz Friedrich von Hessen nach Norden zurück. Damit wollten sie dem Druck der schwedisch-russisch-preußischen Truppen unter General Wallmoden ausweichen. Die dänisch-schleswig-holsteinische Armee kam von Knoop über Gettorf und wollte sich in die schützende dänische Festung Rendsburg zurückzuziehen. Die schwedisch-russisch-preußischen Truppen über die alte Brücke bei Kluvensiek über den Eiderkanal. Am 10. Dezember trafen sie bei Sehestedt aufeinander.

Während der Historiker Christian Degn recht glanzvoll davon schreibt, wie der Prinz von Hessen seine Truppen zum Durchbruch formierte, trotz schweren Abwehrfeuers kühn durch das Dorf stieß, Wallmodens Truppen mit einem mörderischen Feuer der schleswigschen und fünenschen Infanterie empfangen wurde, Mann und Ross zusammenbrachen und nur ein kleiner Teil sich zwischen den Feuer speienden Hecken zurück retteten konnten, sahen die betroffenen Sehestedter und Soldaten die Schlacht weniger glorreich. Insgesamt 59 Offiziere und 1660 Soldaten waren gefallen, das Haus des Gutsverwalters gänzlich zerstört, das Kirchengestühl herausgerissen und verbrannt. „Man konnte hören, wie sie zuweilen laut aufschrien“, schrieb der Hans Peter Feddersen aus Westerschnatebüll aus Nordfriesland in seinem Tagebuch eines dänischen Soldaten. „Es müssen sich noch Feinde da verborgen haben, denn es wurde noch fleißig geschossen. Auf beiden Seiten des Weges trafen wir Verwundetet und Tote an. Es war ein trauriger Anblick. Einige lagen schon erblasst da. Blut zeigte die Stelle, wo sie getroffen waren. Einige konnten weder leben noch sterben.“ Holger Reimer: „Unsere Eichen, die wir hier haben, sind zum Teil 300 Jahre alt. Sie sind die einzigen Zeugen dieser Geschichte. Es muss grausam gewesen sein.“

Der Sieg des Prinzen von Hessen und seiner Armee bei Sehestedt ermöglichte damals zwar den Rückzug nach Rendsburg. Die klare militärische Niederlage des dänischen Gesamtstaates konnte er letztlich nicht verhindern.





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