Jubiläum : Stück Wartburg im Fundament

Der von Hüttenmüller von der Wartburg mitgebrachte Grundstein der St. Elisabeth-Kirche.
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Der von Hüttenmüller von der Wartburg mitgebrachte Grundstein der St. Elisabeth-Kirche.

Das katholische Kirchenzentrum St.-Elisabeth-Kirche Damp wird 30 Jahre alt. Dieses Jubiläum wird morgen mit der Weihe einer Marienstatue und einem Empfang mit Erzbischof em. Dr. Werner Thissen gewürdigt.

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20. Juni 2014, 06:00 Uhr

Festverankert an der Ostsee und im Ostseebad Damp ist das katholische Kirchengemeindezentrum St. Elisabeth. An diesem Wochenende erinnert die Einrichtung der St. Elisabeth-Kirche an ihr 30-jähriges Bestehen. Mit der Weihe einer Marienfigur des Künstlers Otto Flath durch den Erzbischof em. Dr. Werner Thissen morgen um 18.30 Uhr und einem Empfang im Anschluss an den Gottesdienst wird das besondere Jubiläum mit vielen Gästen und Weggefährten gefeiert.

Über die Hälfte der Zeit des Zentrums hat Kurseelsorger Georg Hillenkamp das Gemeindeleben gestaltet und mit entwickelt. Seit 16 Jahren ist er in Damp, und ist einer von nur ganz wenigen Hauptamtlichen Kur- und Urlauberseelsorgern der katholischen Kirche mit eigenem kirchlichen Zentrum in Deutschland. Angefangen hatte die katholische Arbeit in Damp bereits 1973, als das Ferienzentrum Damp 2000 eröffnet und tausende von Urlaubern in den vom Fischerdorf zum Badeort gewandelten Ort kamen. Bis zum Jahr 1984 dauerte es aber noch, bis die St. Elisabeth-Kirche nach Plänen des Architekten W. Feldsien aus Kaltenkirchen, damals noch durch das Bistum Osnabrück, erbaut wurde. Bis zur Eröffnung fanden die katholischen Gottesdienste in der benachbarten evangelischen Kirche die Insel statt. Der Bedarf nach einem eigenen kirchlichen Zentrum war allerdings so groß, dass am Ortseingang des Ostseebades ein Grundstück gefunden wurde.

Großen Anteil daran hatte Heinrich Hüttenmüller, Baumeister der Diözese Osnabrück zuständig für Schleswig-Holstein. Als Name war in Kappeln beim zuständigen Kirchenvorstand die Heilige Elisabeth aus Thüringen ausgewählt worden, berichtete Hillenkamp. Das sei für Hüttenmüller, gebürtiger Thüringer, eine besondere Freude gewesen. Und so machte er sich auf eine Reise in die DDR, besuchte seine Eltern in Mühlhausen und machte sich zu einem damals nicht genehmigten Besuch in Eisenach zur Wartburg auf den Weg. Für Hüttenmüller sei klar gewesen, dass das Kirchenzentrum in Damp nicht nur einen Rosengarten als Verbindung zur Heiligen Elisabeth und ihr Rosenwunder bekommen sollte, sondern auch der Grundstein Bezug zur ihrem Leben auf der Wartburg haben sollte, so Hillenkamp. Und so fuhr Hüttenmüller zur Wartburg, fand einen Granitstein, den er über die Grenze schmuggelte und verbaute ihn mit einer Jahreszahl versehen als Grundstein ein. An der Grenze sei der Stein den DDR-Beamten aufgefallen, nur die Aussage Hüttenmüllers, er brauche den Stein als Absicherung des Fahrzeugs, da die Handbremse defekt sei, fand Verständnis, schrieb der Baumeister in einem Bericht.

Erster Pater an der Kirche war von 1974 bis 1985 Gottfried Knibbeler. Es folgte bis 1998 Pfarrer Manfred Gehrmann, bevor Hillenkamp als Kurseelsorger tätig wurde.

Das Angebot des Zentrums wuchs über die Jahrzehnte beständig an. Anfangs nur als reiner Standort für Gottesdienste, ist „das Zentrum heute 365 Tage im Jahr offen und mit Angeboten präsent“, berichtete Hillenkamp. Vor allem die Kur- und Krankenhausseelsorge wurde mehr und mehr ausgebaut. Heute gehören 15 Ehrenamtliche zum Zentrum. Hillenkamp war von Anfang an begeistert von der Modernität des Baus. Und so war es für ihn klar, solch einen Bau auch mit moderner Kunst auszustatten. Etwa 2004 startete er einen Wettbewerb, auf der Suche nach einem modernen Kunstwerk zum Thema St. Elisabeth. Innerhalb weniger Wochen kamen rund 300 Ideen und auch sehr viele Objekte, so dass Hillenkamp beschloss, alle Objekte mit auszustellen. Das sprach sich wie ein Lauffeuer herum und immer mehr Besucher und Interessierte schickten oder vermittelten Objekte zu der Heiligen. Inzwischen umfasst die Sammlung rund 1800 Objekte, die ausgestellt werden. Um den Aufbau und die Pflege der Datenbank und der Exponate kümmert sich seit gut einem halben Jahr Heiko Dürrfeld als festangestellte Halbtagskraft. Inzwischen umfasst die Sammlung deutlich mehr Objekte, als in Marburg im Nachlass der Elisabeth von Thüringen sind. „Wir haben auch schon mal Leihgaben zur Verfügung gestellt“, so Hillenkamp. Sowohl die Ausstellung, die im Zentrum gezeigte Kunst und die von Hillenkamp regelmäßig angebotenen Vortragsabende regen immer wieder zu Gesprächen mit Besuchern an. Über sie finden dann auch intensive und tiefgehende Gespräche statt, die Kirche den Menschen ganz nah kommen lassen.

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