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Eckernförder Zeitung

20. September 2017 | 22:18 Uhr

Innovation : Strom und Wärme aus Grünschnitt

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Das Unternehmen Bi.En stellt auf dem Gelände der AWR innovatives Verfahren zur Herstellung von Brennstoffen vor.

„Es ist ein Meilenstein“, sagte Per Lind. Die Forschungsarbeit der vergangenen zehn Jahre hätten sich gelohnt, stellte der Geschäftsführer der Firma Bi.En Gmbh&Co.KG gestern zufrieden fest. Unter dem Namen BtE (Biomass to Energy) hat das Kieler Unternehmen auf dem Gelände der Abfallwirtschaft Rendsburg-Eckernförde (AWR) ein neues Verfahren zur energetischen Verwertung so genannter halmgutartiger Biomasse, also Gräser und Grünschnitt, entwickelt. Die Versuchs- und Demonstrationsanlage, die aus dieser Biomasse einen Festbrennstoff (Pellets) mit holzähnlichen Eigenschaften herstellt, wurde gestern offiziell eingeweiht.

Rund zwei Millionen Euro hat das Unternehme in das Projekt gesteckt und dabei in den vergangenen Jahren auch den einen oder anderen Rückschlag hinnehmen müssen. Schon 2009 und 2011 gab es konkrete Pläne für den Bau einer solche innovativen Anlage – allerdings konnten diese nicht realisiert werden. 2012 war es dann die Kooperation mit der Hochschule für angewandte Wissenschaften in Hamburg (HAW), die zum Erfolg und zur Umsetzung führte.

Zunächst einmal ist die Verwendung von halmgutartiger Biomasse in Biogasanlagen nichts Neues. Allerdings werden dabei fast ausschließlich Kulturpflanzen verarbeitet, die auch als Futtermittel Verwendung finden, wie beispielsweise Mais. Die Verwertung von Rest- und Abfallstoffen aus der Pflege von Parks und Gärten setzt eine Vorbehandlung der Stoffe voraus und reduziert somit den Energieertrag. „Biogasanlage sind in ihrem Einsatz sehr eingeschränkt“, sagte Lind, die Pflanzenvielfalt nur gering. Zudem würden Biogasanlagen Strom und Wärme produzieren, die Wärme aber größtenteils ungenutzt verpuffen. „Das neue BtE-Verfahren stellt hingegen nur geringe Anforderungen an das Pflanzensubstrat“, betonte er. Die Vielfalt an Pflanzen, die genutzt werden könne, sei immens und stünden nicht im Wettbewerb zu Nahrungs- und Futtermittelpflanzen.

Bei dem neuen Verfahren wird die Biomasse in eine feste und flüssige Phase getrennt. Die flüssige mit einem hohen Anteil an vergärbaren Inhaltsstoffen wird zur Erzeugung von Biogas verwendet und das so erzeugte Biogas in einem Blockheizkraftwerk verstromt. Die feste Phase wird mit der Abwärme des BHKW getrocknet und zu Pellets gepresst. „Diese können Holzpellets substituieren“, so Lind. Am 4. April 2012 wurde für das BtE-Verfahren vom Europäischen Patentamt das Paten „Trennung von halmgutartiger Biomasse zur Produktion von Strom und Brennstoff“ erteilt.

Politisches Ziel sei es, den Anteil an Bioenergie an der Wärmebereitstellung weiter zu erhöhen, sagte Tobias Goldschmidt, Leiter der Stabsstelle Energiewende im Ministerium des Landes Schleswig-Holstein, Gastredner der kleinen Feierstunde. Die Raumwärme sei immer noch der höchste Energieverbrauch, da passe die Innovation, die in Halle 3 der AWR Platz gefunden hat, genau ins Konzept. Aus Fördertöpfen des Landes und Bundes flossen Zuschüsse von insgesamt rund 450 000 Euro in das Projekt.

Neben dem Vorteil, eine große Palette an Biomasse – Gras, Landschaftspflegegrün oder Bioabfall – verwerten zu können, ist es auch die hohe Effizienz des Verfahrens, die es von anderen unterscheidet. 60 bis 70 Prozent der Biomasse sind energetisch nutzbar. Außerdem hilft es bei der Lösung eines Abfallproblems. Bei der Umwandlung von Bioabfall entsteht stattdessen ein werthaltiges Produkt. „Gleichzeitig bekommt man damit das giftige Jakobskreuzkraut in den Griff“, betont Lind. Bei der Kompostierung können die Samen nicht abgetötet werden, in dem Fermenter der Ankage sterben sie aufgrund der langen Verweilzeit ab.

Wie geht’s weiter? 2016 soll das Forschungsvorhaben abgeschlossen sein. Bis dahin werde die Versuchsanlage in Borgstedt weiter optimiert. Der Fermenter soll im zweiten Quartal diesen Jahres in Betrieb gehen. Dann sei der Bau von kommerziellen Anlagen geplant. Zudem solle ein weiteres Unternehmen gegründet werden: get2energy, das sich als Versorger im Wärmemarkt etablieren und Strom und Wärme erzeugen möchte. „Wir liefern grüne Wärme“, versicherte Lind.

 

 

 

 

 

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