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Eckernförder Zeitung

23. Oktober 2017 | 07:06 Uhr

Schafschur : Striptease unter freiem Himmel

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die Schäferin Anke Mückenheim und Nabu-Mitglieder haben bei der Schafschur auf den Goosseewiesen nackte Tatsachen geschaffen.

shz.de von
erstellt am 07.Jun.2016 | 06:29 Uhr

Eckernförde | Gleich ist sie nackt – ganz nackt. Und das vor den Augen von 30 Kindern. Ganz wohl scheint der Heidschnucke bei dem Gedanken nicht zu sein. Sie tritt um sich und versucht, dem Griff zu entkommen, als Schäferin Anke Mückenberg sie an Horn und Vorderlauf packt. Doch vor der 49-Jährigen gibt es kein Entkommen: Kaum hat die Riesebyerin das Tier auf den Allerwertesten gesetzt, erlischt jeder Widerstand und die Heidschnucke weiß: Jetzt geht es ihr an die Wäsche.

Gestern ist Anke Mückenheim wieder mit Generator und Schurgerät zu den Goosseewiesen im Süden der Stadt gefahren, um die Heidschnucken dort zu scheren. Zeuge davon wurden nicht nur drei Gruppen des Kindergartens Goosefeld und der Kita Süd im Brennofenweg, sondern auch sechs Mitglieder des Naturschutzbundes (Nabu). Der Verein betreut in dem Gebiet 37 Muttertiere und 32 Lämmer, obwohl die Tiere Anke Mückenheim gehören. Beide haben gut davon: „Wir können die Tiere als lebendige Rasenmäher einsetzen“, erklärt Nabu-Mitglied Jürgen Schmidt, „und betreuen im Gegenzug die Herde“. Anke Mückenheim vermarktet das Fleisch und die Wolle. Insgesamt gehören ihr 250 Tiere.

Sie schert in der neuseeländischen Bodenschurmethode. Dazu wird das Schaf mit einem Griff auf den Allerwertesten gesetzt. In dieser Duldungsstarre bewegt sich das Tier kaum, und die Schäferin kann die elektrische Schere ansetzen. Dennoch zucken die Heidschnucken manchmal, wenn sie gedreht werden. Ob die Schere da nicht abgleiten und das Tier verletzen kann? Das könne passieren, meint die Schäferin, verheile aber schnell. Und dann zeigt sie einige Narben an ihren Unterarmen. „Schlimmer ist es, wenn es mich erwischt. Jetzt ist Schurzeit. Ich darf jetzt nicht ausfallen.“

Unter dem Fell der Heidschnucken herrschen zwar immer 38 Grad, dennoch schadet es nicht, wenn sie zur warmen Jahreszeit ausgezogen werden. Bis zu 20 Tiere kann Anke Mückenheim pro Stunde scheren. 5 bis 10 Cent erhält sie für ein Kilo Heidschnuckenwolle. Das ist nicht viel, denn die Wolle der gehörnten Heidschnucken hat keine besonders hohe Qualität, wird zu Teppichen verarbeitet. Drei Kilo Wolle kommen im Schnitt auf ein Tier. Einen Vorteil haben die Tiere aber: „Durch ihr dichtes Fell können die Heidschnucken das ganze Jahr über draußen bleiben. Das spart den Stall.“ Ein weiterer Vorteil der robusten Sorte: Die Tiere kommen mit dem geringen Nährstoffangebot der mageren Flächen aus und produzieren trotzdem viel Fleisch. Und was passiert, wenn man die Schafe einfach gar nicht schert? „Bei den Wildschafen fällt die Wolle irgendwann ab, bei den domestizierten Tieren nicht“, so Anke Mückenheim. „Kein Problem, solange es trocken ist. Wenn es aber regnet und sich die Wolle mit Wasser vollsaugt, wird sie so schwer, dass sich die Tiere kaum bewegen können.“

Nach der Schur erhält jedes Schaf von Nabu-Mitglied Karl-Heinz Siebrecht noch eine Pediküre, denn weil der Untergrund auf den 10 Hektar großen Goosseewiesen so weich ist, nutzen sich die Hufe nicht ab. Und auch eine Schluckimpfung wird den Tieren verpasst – zum Schutz vor Parasiten.

So schön die Arbeit auch ist, so sehr weist Nabu-Vorsitzender Matthias Valkema darauf hin, dass jederzeit noch Menschen willkommen sind, die die Naturschutzarbeit aktiv unterstützen wollen. Und auch, dass mit Landschaftsführerin Jutta Fenske Führungen über die Goosseewiesen mit ihrer einzigartigen Vegetation möglich sind.

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