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Schöffengericht : Streit um 20 Euro landet vor Gericht

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Ein 24-Jähriger ist wegen des Vorwurfs der räuberischen Erpressung mit vorsätzlicher Gewalt angeklagt.

Eckernförde | Räuberische Erpressung wird einem 24-Jährigen Angeklagten vorgeworfen, gegen den Richter Tiedemann gestern vor dem Schöffengericht Eckernförde die Verhandlung eröffnete. Die Anklage der Staatsanwaltschaft lautet, dass der damals 23-Jährige am 1. Mai 2015 während eines Diskothekenbesuchs im K  7 zwei deutsche junge Männer, einen Minderjährigen und eine Aufsichtsperson, mit vorsätzlicher Gewalt um 50 Euro erpresst haben soll und verbal mit den Worten „Scheißdeutscher, ich stech’ dir die Augen aus, ich bring’ dich um“ gedroht haben soll. Auslöser der Auseinandersetzung war das Fehlen von 20 Euro im Portemonnaie der Exfreundin, die gemeinsam mit dem Angeklagten, ein in Deutschland geborener Türke aus Rendsburg, und seinen zwei Brüdern die Diskothek besucht hat. Der Angeklagte hatte die beiden Deutschen in Verdacht, die 20 Euro gestohlen zu haben.

Noch vor Beginn der Beweisaufnahme zeigte der Angeklagte Reue und entschuldigte sich bei Richter Tiedemann: „Das alles tut mir sehr leid. Ich habe Scheiße gelabert. Ich habe aber auch wirklich viel getrunken. So etwas würde ich normalerweise nie sagen.“ Der geschädigte junge Mann und die Aufsichtsperson konnten an der gestrigen Verhandlung nicht teilnehmen.

Bei der Befragung gab der Angeklagte an, sich an viele Details aufgrund des Alkoholkonsums nicht erinnern zu können. Seine Erinnerung: Seine Exfreundin, damals noch mit ihm zusammen, habe ihn gebeten, ihr Portemonnaie aufzubewahren, weil sie tanzen wollte. „Ich habe mich hingesetzt und das Portemonnaie auf die Bank gelegt“, so der Angeklagte. Er holte sich etwas zu trinken. Als er zurückkam, habe das Portemonnaie offen auf dem Boden gelegen. Er habe sofort seine Freundin informiert. Diese schaute in die Geldbörse und habe gemeint, dass Geld fehle. „Da waren die zwei Jungen da und ich dachte, die waren das“, so der Verdacht des Angeklagten. Nach eigener Aussage nahm er die „Jungs zur Seite“ und nahm ihnen 50 Euro ab. An Beleidigungen oder Drohungen konnte er sich nicht erinnern. Draußen vor dem K  7 ging die Diskussion weiter, der Türsteher war dabei, die Polizei wurde gerufen.

Mehrere Fragen galt es für Richter Tiedemann zu klären. War der Angeklagte wirklich so betrunken, dass er sich an Details nicht erinnern konnte? Wo waren die fehlenden 20 Euro und wer hatte sie entwendet? Hatte sich der Angeklagte wirklich so aggressiv verhalten und massive Drohungen ausgestoßen, wie ihm vorgeworfen wird? Welche Rolle spielten der Geschädigte und die Aufsichtsperson? Die Anhörung der Exfreundin sollte dem Gericht Klarheit bringen. Den Vorwurf der vorsätzlichen Gewalt in Tateinheit mit Erpressung konnte die 21-Jährige nicht bestätigen. „Die haben sich ein bisschen gekabbelt und diskutiert“, so die Eckernförderin, „die haben sich gegenseitig etwas geschubst, mehr war da nicht.“ Hingegen sagte sie, dass wirklich Geld gefehlt habe. Diese Auskunft widersprach ihrer Aussage am 18. Mai 2015 vor der Polizei, nur wenige Tage nach dem Vorfall, mit der Richter Tiedemann sie konfrontierte: „Der Junge ist ziemlich doll an die Wand geschubst worden.“ Sie habe versucht, die Jungs zu beruhigen, da die Schuldfrage sowieso nicht geklärt werden konnte. Sie sei dann mit ihrer Freundin wieder tanzen gegangen. Zwar hatte der Angeklagte getrunken, aber in einem üblichen Rahmen.

Das bestätigte auch der Türsteher, der ebenfalls als Zeuge aussagte. Seinem Eindruck nach sei der deutsche minderjährige Junge am stärksten alkoholisiert gewesen. Aufgrund der lautstarken Auseinandersetzung habe er die Gruppe, die beiden deutschen Jungen, die Exfreundin und ihre Freundin sowie den Angeklagten nach draußen gebeten. Auch dieser Zeuge verneinte jegliche Gewalt des Angeklagten: „Aggressivität habe ich nicht gespürt, Aufregung ja.“ Zum Verlust der 20 Euro der Exfreundin sagte der 52-Jährige: „Mein Eindruck entstand, dass der deutsche Junge das Geld genommen hat.“ Draußen seien die Parteien eigentlich so weit gewesen, selbst die Situation zu klären. „Es sah eigentlich am Ende gut aus“, so der Türsteher. Beim Eintreffen der Polizei habe die Aufsichtsperson des jungen Deutschen dann einen Rückzieher gemacht.

Die Befragung des Bruders des Angeklagten ergab für das Gericht keine weiteren wertvollen Hinweise. Die bisherigen Ergebnisse der Beweisaufnahme reichten Richter Tiedemann und den beiden Schöffen für eine vollständige Bewertung der Tat nicht. Auf dem Fortsetzungstermin Ende April soll die Anhörung weiterer Zeugen, vor allem des Geschädigten und seiner Aufsichtsperson, Klarheit in Bezug auf den Tatvorwurf bringen.

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erstellt am 15.Apr.2016 | 06:11 Uhr

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