Streikfront steht, Eltern zeigen Solidarität

Protestzug durch die Gemeinde: Verdi und die Erzieherinnen fordern mehr Wertschätzung.
Protestzug durch die Gemeinde: Verdi und die Erzieherinnen fordern mehr Wertschätzung.

Demonstration und Kundgebung von rund 120 Erzieherinnen und Pädagogen in der Innenstadt

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20. Mai 2015, 11:23 Uhr

Der Streit der Erzieherinnen und Pädagogen in öffentlichen Bildungseinrichtungen der Kommunen ist mittlerweile zu einer Nervenprobe für alle Beteiligten geworden. Seit dem 8. Mai sind die vier städtischen Kindertagesstätten in Eckernförde dicht, die Eltern müssen ihre Kinder anderweitig unterbringen, Urlaub nehmen oder auf das Entgegenkommen großzügiger Arbeitgeber hoffen, die ihren Angestellten erlauben, die Kinder in dieser Zeit mit in den Betrieb zu nehmen. Gestern setzen rund 120 Fachkräfte, Gewerkschafter und Eltern bei einer Demonstration in der Eckernförder Innenstadt ein weiteres Zeichen für mehr Anerkennung und Wertschätzung sozialer und erzieherischer Berufe, die sich durch eine höhere Eingruppierung auch auf dem Gehaltskonto wiederfinden müsse, so die immer wieder erhobene Forderung. Neben den Erzieherinnen der vier städtischen Kitas aus Eckernförde waren auch die Beschäftigten der drei Rendsburger Kitas Neuwerk, Butterberg und Villa Kunterbunt, der Kita Felde und der Kita Zauberwald aus Westerrönfeld sowie alle Mitarbeiter des sozial-psychiatrischen Dienstes des Kreises Rendsburg Eckernförde zur Demonstration ins Ostseebad gekommen.

„Die Streikfront steht, das ist toll!“ lobte Gewerkschaftssekretärin Ute Dirks das Durchhaltevermögen und die Geschlossenheit der Eckernförder Erzieherinnen. „In diesem Streik bröckelt nichts ab, es kommen täglich mehr dazu.“ Auch seitens der Eltern gebe es trotz der entstehenden Betreuungsprobleme „eine breite Unterstützung und Solidarität. Ich hoffe, das bleibt auch so. Wir gehen nicht leichtfertig mit dem Streik um.“ Die Erzieherinnen selbst hätten das größte Interesse daran, den Streik als letztes Mittel so schnell wie möglich zu beenden. Nur dafür müssten die kommunalen Arbeitgeber endlich ein Angebot auf den Tisch legen. Die gestern von den Arbeitgebern verkündeten Zahlen seien alt und würden nur für eine „Splittergruppe“ von stellvertretenden Kita-Leiterinnen in ganz kleinen und Leiterinnen in ganz großen Kitas gelten, sagten Ute Dirks und Verdi-Streikleiter Karl-Heinz Pliete zu den gestern im sh:z genannten Zahlen. Zum anderen seien alle weiteren genannten Einkommenshöhen nicht die Realität, da fast alle Erzieherinnen in Teilzeit arbeiten würden. Dirks und Pliete hoffen, dass die Arbeitgeber durch den anhaltenden Druck dazu gebracht werden können, ein Angebot zu formulieren. „Dann würden wir die Streiks sofort einstellen“, sagte Dirks in der vollbesetzten Bürgerbegegnungsstätte am Rathausmarkt, die als Streikbüro dient. „Die Arbeitgeber sollen endlich um die Ecke kommen.“

Karl-Heinz Pliete wies auf die großen Einkommensunterschiede bei technischen und sozialen Berufen hin, die einfach nicht gerechtfertigt seien. „Das kann nicht so bleiben.“ Die Bildungs- und Erziehungsarbeit werde immer wichtiger, und könne in den Elternhäuser oft nicht mehr geleistet werden. Die wachsende Bedeutung müsse sich auch in gesellschaftlicher Anerkennung und Wertschätzung niederschlagen. „Es ist genug Geld da, es ist nur eine Frage der Verteilung“, so Pliete.

Ute Dirks forderte zudem die Eltern auf, ihr Recht auf Entschädigung bei der Stadt geltend zu machen. Sie hofft unter anderem auch darauf, dass Bürgermeister Jörg Sibbel den Druck an den Arbeitgeberverband weitergibt.

Der für die Kitas zuständige Amtschef Klaus Kaschke sagte auf Anfrage unserer Zeitung, dass laut Kita-Satzung ab dem achten Werktag einer Schließung eine Gebührenerstattung erfolgt. Bei einem Streikbeginn am 8. Mai werden die Erstattungen ab dem 20. Mai fällig. Es müssten keine Anträge gestellt werden, die Erstattung erfolge automatisch für alle rund 280 angemeldeten Kinder, so Kaschke.

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