Strecke Kiel-Schönberg vor dem Aus?

Der Ausbau der 26 Kilometer langen Strecke von Kiel nach Schönberg war schon beschlossene Sache
Der Ausbau der 26 Kilometer langen Strecke von Kiel nach Schönberg war schon beschlossene Sache

50 statt 35 Millionen Euro: Kostensteigerung beim Bahnprojekt / Opposition und Grüne wollen an dem Projekt festhalten

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08. April 2019, 11:28 Uhr

Die Entscheidung über den weiteren Ausbau der Bahnstrecke Kiel-Schönberger Strand will die Landesregierung erst nach Vorliegen belastbarer Kalkulationen treffen. „Prognosen und Erwartungen müssen gegengecheckt werden“, sagte Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Bernd Buchholz (FDP) im Landtag. Bislang nutzten den Zug von Kiel bis Oppendorf „pro Tag genau 295 Menschen. Das ist ein Zehntel von dem, was prognostiziert war.“

Die SPD hatte ein klares Bekenntnis zu dem noch von der Vorgängerregierung beschlossenen Ausbau gefordert. „Dieses Thema bewegt viele Menschen in der Region“, sagte der SPD-Verkehrspolitiker Kai Vogel. Sie fürchteten, die Landesregierung könne aus einem seit Jahren beschlossenen Projekt aussteigen. „Die Koalition zögert eine klare Aussage hinaus.“ Der Ausbau biete Potenzial für zusätzlichen Tourismus in der Region und schließe fünf Gemeinden an das Bahnnetz an.

Anfang März war bekannt geworden, dass die Kosten für das Gesamtprojekt auf bis zu 50 Millionen Euro steigen könnten. Ursprünglich war von 30 Millionen Euro ausgegangen worden, später von 35. Buchholz wehrte sich gegen Kritik von Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD): „Sorry, aber 15 Millionen Euro sind kein Windhauch.“ Grund für die Kostensteigerungen sei auch, dass es nur unzureichende Bodenuntersuchungen gegeben habe. Für denkbar hält es der FDP-Politiker, dass es künftig nur ein oder zwei statt bislang vier Kreuzungsbahnhöfe und weniger Haltepunkte gibt.

Den Ausbau der 26 Kilometer langen Strecke zwischen der Landeshauptstadt und dem Ostseebadeort hatte die alte, SPD-geführte Landesregierung beschlossen. Bereits ausgebaut ist die Strecke bislang aber erst bis Oppendorf. Dafür wurden laut Ministerium bislang 15 Millionen Euro ausgegeben. Bis 1975 fuhren auf der Strecke regelmäßig Züge, dann gab es noch bis 1981 eine Verbindung am Tag.

Nach der Reaktivierung der Strecke sollen die Züge in der Regel 80 Stundenkilometer fahren können. Dadurch wird die Fahrzeit von Kiel nach Schönberg 25 Minuten und bis Schönberger Strand 30 Minuten dauern. Damit würde sich die Fahrtzeit in etwa halbieren im Vergleich zu Bussen.

Der CDU-Politiker Lukas Kilian versprach, „wir werden das Projekt nicht Hals über Kopf fallen lassen“. Schnellschüsse dürfe es nicht geben. Für das Projekt sprachen sich neben der SPD auch die mitregierenden Grünen, die AfD und der SSW aus. Die Grünen bekannten sich klar zu dem Projekt, sagte deren Verkehrspolitiker Andreas Tietze. „Der Zug lässt sich nach unserer Auffassung nicht mehr aufhalten.“ Die Emissionen in der Kieler Innenstadt ließen sich nur mit mehr öffentlichem Nahverkehr senken.

Für den AfD-Umweltpolitiker Volker Schnurrbusch ist die Bahn wichtiger Bestandteil einer auf Nachhaltigkeit setzenden Verkehrspolitik. Der SSW-Abgeordnete Flemming Meyer sieht in einer Reaktivierung der Strecke aus umweltpolitischer Sicht einen Gewinn.

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