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50 Jahre Urlaub vor den Toren Kiels : Strandkarte auf Lebenszeit für Treue zum Urlaubsziel

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Ostseebad Strande dankt Margarete Winter aus Berlin bei einem besonderen Abendessen.

War sie nun überrascht, gerührt, perplex? Bei Margarete Winter aus Berlin kam das wohl alles zusammen, als sie am Sonntagabend von Bürgermeister Holger Klink und Tourismuschef Heiko Drescher im Restaurant des Strandhotels mit Blumen, einer Urkunde und einer Jahres-Strandkarte auf Lebenszeit überrascht wurde. Der Grund für diesen Wochenendeinsatz: Seit nunmehr 50 Jahren macht die 81-Jährige Urlaub in dem Ostseebad. Und nicht nur nach Strande kommt die Rentnerin, die früher als Angestellte bei Telefunken tätig war, seit einem halben Jahrhundert – auch ihren Vermietern ist sie über die Jahre treu geblieben.

Seit Anbeginn mietet sie sich bei Elisabeth und Georg Hansen in der Dorfstraße ein. „Zum Anfang noch bei meinen Eltern. Da mussten unsere Kinderzimmer herhalten. Wir Kinder wurden ausquartiert und mussten auf dem Spitzboden schlafen“, sagte Elisabeth Hansen schmunzelnd. Die Frage, ob ihr weitere Gäste über so lange Zeit treu geblieben seien, verneint Vermieterin Hansen. Für diese jahrelange Treue hatten die Hansens Margarete Winter am Sonntag ins Strandhotel zum Essen eingeladen und für die Überraschung gesorgt. „50 Jahre, das ist doch schon etwas Besonderes. Da hatte ich Heiko Drescher gefragt, ob man da nicht etwas machen kann“, sagte Georg Hansen. Und dass derart treuen Urlaubern ein besonderer Dank zuteil wird, ist für die Gemeinde selbstverständlich.

Nach Strande waren Margarete Winter und ihr Ehemann 1965 rein zufällig gekommen. „Mein Mann liebte das Wasser und das Meer, und so waren wir hier gelandet“, erzählte die Berlinerin. Bei Elisabeth Hansens Mutter fanden sie ihr Quartier und fühlten sich sofort pudelwohl. „Wir wurden gleich unheimlich gut aufgenommen, die Mutter von Elisabeth Hansen war lieb und nett, und wir hatten das Gefühl, von Anfang an zur Familie zu gehören“, schwärmte Margarete Winter. Und wenn man so aufgenommen wird, kommt man auch wieder. Nicht nur im Urlaub, auch zu Feiertagen – mal zu Weihnachten, mal zu Himmelfahrt – reisten die Winters aus Berlin an. Aber Strande sollte nicht nur Freude bringen: Vor drei Jahren reisten die Winters wie jedes Jahr gemeinsam an. Zurück nach Berlin fuhr Margarete Winter alleine – ihr Ehemann verstarb während des Urlaubs in Strande. Trotz dieses Schicksalsschlags blieb Margarete Winter dem Ostseebad, dass man wohl getrost als ihre zweite Heimat bezeichnen kann, und den Hansens treu. „Was soll man machen? Ich habe hier viele Bekannte und Freunde“, so die Jubilarin. Die Hansens sind wohl der Kategorie „Freunde“ zuzuordnen – auf die Frage, wie sie von Berlin nach Strande komme, sagte Margarete Winter schmunzelnd: „Mit meinem Privatchauffeur“. Gemeint ist Georg Hansen, der sie aus Berlin abholt und auch wieder zurück bringt.

Noch bis Mitte August bleibt die Berlinerin in Strande, unternimmt Tagesausflüge oder sitzt im Strandkorb, schaut aufs Meer und sieht den Schiffen hinterher – und ist immer noch perplex ob der gelungenen Überraschung, von der sie zu ihrer eigenen Verwunderung im Vorwege nichts mitbekommen hatte. Und in Zukunft? „Das weiß man in meinem Alter ja nicht so genau“, meinte Margarete Winter. Aber solange es die Gesundheit zulässt, wird sie sicherlich wiederkommen – zu den Hansens in Strande.


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