Strandes Geschichte auf 160 Seiten

Reinhold Manz (r.) lebt seit 1946 in Strande und hielt als einer der ersten Zuhörer ein Exemplar der Chronik in den Händen. Foto: Meise
Reinhold Manz (r.) lebt seit 1946 in Strande und hielt als einer der ersten Zuhörer ein Exemplar der Chronik in den Händen. Foto: Meise

Nach sieben Jahren Arbeit liegt die Chronik des Ostseebades vor / Wachholtz-Verlag übernimmt den Druck

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06. April 2011, 08:16 Uhr

Strande | Altbürger Reinhold Manz hielt sie als einer der ersten in seinen Händen: Die Chronik der Gemeinde wurde am Montagabend im Strander Yacht Club vorgestellt. Auf 160 Seiten zeigt das Autorenteam mit Professor Klaus Christiani, Günther Schmidt, Dr. Peter Siemon und Kay Thiele die Entwicklung Strandes vom Fischerdorf zum Seebad auf.

Den Anfang nahm das Projekt 2003 mit der Idee, die Geschichte des Ostseebads mit Hilfe von Bürgern für Bürger festzuhalten. "Damals hatten wir nicht damit gerechnet, dass das Buch im Wachholtz Verlag weltweit verkauft werden könnte", erklärte Thiele und räumte ein, dass dies die Mitwirkenden schon mit Stolz erfülle. Die Sicherung der gesammelten Daten sei in den vergangenen Jahren seine größte Sorge gewesen. 1046 Mega-Bite seien zusammengekommen, die auf Disketten einen Stapel von 2,18 Metern Höhe ergaben. Die Version, die in den Druck gegangen ist, hatte noch 129 Mega-Bite.

Thiele gab einen Überblick über das Gebiet der Gemeinde und hob den merkwürdigen Verlauf der Grenze hervor. So gehört beispielsweise in Scharn hagen ein Haus zu Strande, die übrigen zu Dänischenhagen, eine Reihe in Marienfelde zählt zum Ostseebad, aber "wenn man hinten über den Zaun fällt, ist man in Schwedeneck", sagte Thiele, der sich schmunzelnd wunderte, "was der Mensch für Drogen gehabt haben muss, um so einen Grenzverlauf zu ziehen".

Professor Christiani stieg in die Entwicklung Strandes ein und betonte, dass besonders die Zeitzeugenberichte Gold wert gewesen seien. Er nahm die rund 70 Zuhörer mit in die Zeit, als man nur über Dänischenhagen in den Ort kam, in dem gerade mal 60 Einwohner lebten - die übrigen 340 waren auf den Gütern verteilt. Er ging auf den Kählerhof, in dem heute das DRK, der Bauhof und das Bürgermeisterbüro untergebracht sind, die von den Gebrüdern Sellmer 1845 erbaute Weberkate und das "Strandeck", den ersten größeren Neubau am Wasser, ein. Er erinnerte an das Hotel "Seefrieden" und das Café "Seestern" am Bülker Weg, wo später der Motorradclub Triumph und die Disko "Penny Lane" zu finden waren. "Da fuhren wir als Studenten hin", erinnerte Christiani. Das Gasthaus Strande von Ernst Puls, später "Puls Hotel", das erste Kaufhaus an der Dorfstraße/Ecke Theodor-Storm-Weg, die Tankstelle und der Friseur - sie alle gehören zur Entwicklung des Ortes, dem von der Olympiade 1936 nichts geblieben sei, hielt Christiani fest. Im Gegensatz zu 1972: durch die olympischen Spiele wird Strande an Schilksee angebunden. Unvergessen auch die Windjammerparade. "So viele Menschen, wie damals nach Strande kamen, hat der Ort nie wieder gesehen", erinnert sich der Professor. Es habe bis in die Nacht gedauert, bis die Zuschauer wieder aus Strande verschwunden seien.

Auf die zentrale Rolle des Hafens für die Gemeinde ging Dr. Peter Siemon ein. Vor Beginn des Hafenbaus 1939 sei die Küste ganz anders verlaufen, "und von Bruno war noch nichts zu sehen", so Siemon. Er zeigte Bilder von der Ostmole ohne den heutigen Fischersteg, von der Scharstein Werft am heutigen Steg 6, die wegen ihrer kleinen Preise, die auch Studenten zahlten konnten, den Beinamen Strander Mal- und Spachtelstube trug, und vom Pegelhaus, das heute auf dem Tonnenhof des Wasser- und Schifffahrtsamtes liegt. "Das kann die Gemeinde kostenfrei bekommen, wenn sie will", wies Siemon hin. Er rief die Butterfahrten und die waghalsigen Manöver vor den heiß umkämpften Anlegestellen in Erinnerung und machte deutlich, dass die Versandung des Hafens nicht nur heute ein Problem ist.

Bürgermeister Udo Lüsebrink, der so manches Exemplar signieren musste, dankte dem Arbeitskreis Chronik für die ungezählten Stunden, die die Mitglieder investiert hatten, und den Bürgern, die mit Bildern und Infos zum Gelingen des Buches beigetragen hatten. Das fand nicht nur bei den Altbürgern Anklang. "Die Chronik ist sehr gelungen", stellte Kirsten Sieg fest, die von Lübeck nach Strande gezogen ist. Man sehe ihr an, dass sie mit Liebe und Mühe zusammengetragen worden sei, sagte die gebürtige Kielerin begeistert.

"Strande - Vom Fischerdorf zum Seebad" ist im Wachholtz-Verlag erschienen und zum Preis von 19,50 Euro im Buchhandel erhältlich (ISBN 978-3529063640)

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