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Eckernförder Zeitung

24. November 2017 | 21:30 Uhr

Sauerstoffmangel : Strand wird zum Fischfriedhof

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Unzählige Fische sind am Dienstag aufgrund von Sauerstoffmangel in der Ostsee gestorben. Besonders viele junge Dorsche sind betroffen.

shz.de von
erstellt am 13.Sep.2017 | 05:34 Uhr

Eckernförde | Tausende Fische sind gestern an den Strand getrieben worden und verendet. Besonders am Hundestrand und an der Wehrtechnischen Dienststelle (WTD) 71 lagen die Kadaver haufenweise: Viele junge Dorsche, Plattfische und Meerforellen, aber auch Klippenbarsche, Sandaale, Grundeln, Garnelen und Seestichlinge. Grund dafür ist ein extremer Sauerstoffmangel im Ostseewasser. Die Mitarbeiter des Ostsee Info-Centers (OIC) maßen gestern Vormittag 0 Prozent Sauerstoffgehalt. „Das haben wir noch nie erlebt“, sagt Umweltpädagogin Ulla Grebe-Schmitz. Ein normaler Wert sei etwa 86 Prozent.

Als Ursache gab sie die Windverhältnisse mit einer einhergehenden Umschichtung des Wassers in der Bucht an. „Starker Südwestwind hat das Oberflächenwasser gegen das Borbyer Ufer gedrückt. Dort ist es in die Tiefe geflossen und hat das sauerstoffarme Tiefenwasser nach oben verdrängt.“

Zusätzlich sei das Ostseewasser zu nährstoffreich. „Es gibt zu viel organisches Material, so dass sich das Plankton stark vermehrt. Was jedoch nicht gefressen wird, stirbt ab und verbraucht im Fäulnisprozess Sauerstoff.“ Entsprechend extrem ist mit -193 Millivolt der sogenannte Redox-Wert, der unter anderem diesen Prozess abbildet. „So niedrig war er bislang noch nie.“

Wenn die Fische keinen Sauerstoff zum Atmen haben, schwimmen sie an die Oberfläche, wo der Sauerstoffgehalt für gewöhnlich höher ist. So konnten Passanten gestern Vormittag einen Schwarm kleiner Dorsche im Becken des Jaich-Hafens beobachten, der sich dicht unter der Wasseroberfläche hielt – ungewöhnlich, sind diese Fische doch für gewöhnlich am Meeresgrund zu finden.

Das Phänomen tritt immer wieder auf. Ungewöhnlich war diesmal, dass so viele Dorsche tot am Strand zu finden waren. In den Jahren zuvor waren es in erster Linie Plattfische, die an dem Sauerstoffmangel starben. Für das jetzige extreme Ausmaß hat Ulla Grebe-Schmitz nur eine Vermutung: „Wir hatten wenig starken Westwind, der immer wieder salz- und sauerstoffreiches Wasser von der Nordsee in die Ostsee gedrückt hat. Das fehlt jetzt.“ Und: „Wir hatten in diesem Sommer ebenfalls nur wenig Ohrenquallen, die viel Plankton fressen.“ Wie lange der Zustand anhält, konnte sie nicht sagen: „Vielleicht ist am Abend alles wieder vorbei.“

Nicht nur den Strandspaziergängern bot sich ein schreckliches Bild bot, sondern auch den Tauchern: „Alles, was wir gestern noch zu Tausenden lebendig über den Meeresgrund schwimmen oder wandern gesehen haben, ist heute gestorben oder ringt mit dem Tod“, beschreibt Thorsten Peuster von der Tauchschule „Tauchen & Meer“. „Dorsche bis zu 60 Zentimeter Größe, sämtliche am Boden lebenden Tiere – tot! Seesterne, die zu Hunderten falsch herum am Seegras hängen, und auch seltene Fische ringen mit ihrem Leben und nach Sauerstoff.“

Noch lebende Fische vom Strand wieder ins Wasser zu werfen, bringt laut Ulla Grebe-Schmitz nichts. Auch dort werden sie verenden. Theoretisch könne man die noch lebenden Fische also verwerten, wenn man sie fachgerecht töten kann. Vom Verzehr der schon tot am Strand liegenden Fische rät sie jedoch ab. „Man weiß ja nicht, wie lange sie schon tot sind.“

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