zur Navigation springen

EIN traditionsgeschäft geht verloren : Stets persönlich: Mode und Beratung

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Eckernförde verliert ein weiteres traditionsreiches Geschäft: Nach 50 Jahren schließt das Modehaus Chris am Rathausmarkt seine Türen. Am Sonnabend verabschiedet sich das Team mit einem Sektempfang.

shz.de von
erstellt am 16.Dez.2015 | 20:14 Uhr

Eckernförde | Der bekannte Schauspieler Diether Krebs hat eine Lederjacke bei ihr gekauft, die Kostümausstatter der Serie „Der Landarzt“ haben im Modehaus Chris die Garderobe für sämtliche Schauspieler gesucht und gefunden. Im Oktober wurde noch das 50-jährige Firmenjubiläum gefeiert. Am Sonnabend schließt Christel Kankelfitz ihr Modehaus am Rathausmarkt. Eckernförde verliert damit ein weiteres traditionsreiches Geschäft.

Eigentlich hat die junge Christel Hebamme werden oder einen Beruf ergreifen wollen, der mit Kindern zu tun hat. Auch Dekorateurin stand ganz oben auf der Liste der gebürtigen Eckernförderin. Die Leidenschaft für Dekoration kam der gelernten Einzelhandelskauffrau später bei der Gestaltung der großen Schaufenster des Modehauses Chris zugute. Das Verkaufen von Bekleidung und Wäsche wurde Christel Kankelfitz in die Wiege gelegt. Bereits ihre Mutter, Frieda Warwas, hat ein kleines Kaufhaus in Borby an der Holzbrücke betrieben, in dem sie schon als Kind nach der Schule geholfen hat. Die Geschäfte gingen gut, das kleine Kaufhaus zog in die Nicolaistraße um, bevor vor 30 Jahren rund 360 Quadratmeter in dem Eckhaus am Rathausmarkt bezogen wurden.

Dort präsentierte Christel Kankelfitz ausschließlich Damenmode. Ihr 2014 verstorbener Mann Rüdiger betrieb zehn Jahre lang das exklusive Herrenmodegeschäft um die Ecke. Im Modehaus Chris waren das persönliche Verkaufsgespäch und die Beratung die Leitlinie. „Wir kannten nahezu jede Kundin mit Namen“, erzählt die 64-jährige Chefin. Einer dieser Kundinnen ist Susi Peters. Sie hat sich gestern persönlich von ihren Verkäuferinnen verabschieden wollen. Das Modehaus Chris war das Lieblingsgeschäft der Seniorin. Die 76-Jährige hat bereits bei Christel Kankelfitz’ Mutter eingekauft und besitzt aus dem Jahr 1986 noch eine dunkelblaue Strickjacke und ein weißes Poloshirt. „Und die trage ich immer noch, die Qualität ist immer noch sehr gut.“ Mit dem Wissen, dass ihr Lieblingsgeschäft schließt, hat sich die Koselerin bereits vor Wochen neue Garderobe für ihre goldene Hochzeit im Februar 2016 gekauft – diese woanders zu kaufen, kam für sie nicht in Frage.

Schon vor Wochen hat der Räumungsverkauf begonnen. Nicht nur exquisite Abendgarderobe war für wenig Geld zu bekommen. Auch die gesamte Innenausstattung, wie große Stellspiegel, Lampen oder Stühle, wurden verkauft. Selbst die Weihnachtsdekoration und der Tannenbaum im Schaufenster hat bereits vor der endgültigen Schließung einen Abnehmer gefunden.

„Es reicht – ich gehe in den Ruhestand“, beschreibt Christel Kankelfitz den Grund für die Geschäftsschließung. Mit ihr gehen langjährige treue Mitarbeiterinnen in Rente. Margrit Hackbart verkauft seit 1986 Mode bei Kankelfitz. Die 74-Jährige gehört zum Modehaus wie Heidi Lange (72), die seit 30 Jahren dabei ist. Sieglinde Büll (63) arbeitet seit 25 Jahren im Modehaus Chris, Ursula Pries (63) ist seit 15 Jahren dort beschäftigt. Selbst die Putzfrau, Monika Westfal (50), hat 30 Jahre lang die Räume gehegt und gepflegt. Wem die Kleidung auf Anhieb nicht passte, konnte der Schneiderin Christiane Giebel 14 Jahre vertrauen – gerade Urlauber, die nur einen Tag in der Stadt waren, hätten diesen Änderungsservice genutzt, erzählt Christel Kankelfitz. Verkäuferin Elke Bolthausen (57) gehört seit knapp fünf Jahren zum Team – sie sucht sich etwas Neues.

Opersängerinnen und jede Menge Prominenz gehörten zum Kundenkreis des Modehauses. Das Sortiment richtete sich an Damen ab 40 Jahren. Beim Einkauf hat Christel Kankelfitz stets sich selbst vertraut. „Ich habe nur nach eigenem Geschmack gekauft. Klassische Mode, eher norddeutsch, mit viel blau und frischen Farben – das kam auch bei Urlauberinnen sehr gut an.“ In Zukunft wird sie viel Zeit für Sport, Reisen und ihre beiden Enkel haben. Auch ein neuer Mieter ist bereits gefunden: Im Januar zieht ein Maklerbüro in die Räume ein.

>Am Sonnabend, 19. Dezember, si

nd

die Kunden von 10 bis 13 Uhr zu einem Glas Sekt eingeladen.

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen