Aschberg : Sterngucker sind geblendet

Die sternenunfreundlich-erleuchtete Globetrotter-Lodge stört die Hobby-Astronomen auf dem Aschberg.
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Die sternenunfreundlich-erleuchtete Globetrotter-Lodge stört die Hobby-Astronomen auf dem Aschberg.

Das Teleskopen-Treffen aus dem Aschberg vor ungewisser Zukunft . Globetrotter und Hobby-Astronomen suchen gemeinsam nach einer Lösung

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18. März 2014, 10:59 Uhr

Viele Jahre lang herrschten auf dem knapp 100 Meter hohen Aschberg perfekte Bedingungen, um entfernte Galaxien, Planeten und Sterne zu beobachten. Durch die Höhe tritt kaum Bodennebel auf, es gibt keine größeren Städte in der Nähe und kein störendes Licht. Der Sportplatz bot viel Freifläche zum Aufbauen der Teleskope. 2003 fand auf dem Aschberg erstmals im April das Aschberg-Frühjahrs-Teleskoptreffen. Bis zu 100 Hobby-Astronomen reisten aus ganz Deutschland nach Ascheffel, um den ungestörten Blick in die Sterne zu genießen.

2012 gab es das vorerst letztmalige Treffen, dank des verschobenen Baubeginns von Globetrotter. 2013 verhinderten die Bauarbeiten dann aber eine Fortsetzung. Und ob der Aschberg auch künftig das Mekka der Sternengucker sein wird, ist fraglich. „Die gesamte Globetrotter-Lodge ist hell erleuchtet“, sagte Armin Quante aus Eckernförde, der zehn Jahre lang die Treffen auf dem Aschberg organisiert hat. In den Zimmern des Jugendgästehauses gehen die Lichter an und aus, Laternen beleuchten die Zuwegung und es fahren deutlich mehr Fahrzeuge als früher. Die Dunkeladaptation des Auges, die es ermöglicht, in der Nacht zu sehen, ist ein langsam ablaufender Prozess, der etwa eine halbe Stunde benötigt, erläutert Quante. „Bei einem plötzlichen Lichtreiz muss dieser Prozess wieder von vorne beginnen“. „Früher fuhr nur mal ab und zu ein Fahrzeug hier rauf“, erinnert sich der Hobby-Astronom, „dann konnte man rechtzeitig reagieren und sich abwenden, um nicht ins Scheinwerferlicht gucken zu müssen“. Jetzt gebe aber zu viele Lichtquellen.

Groll gegen den Reiseausrüster hegt Quante aber keineswegs. „Ich sehe, was hier entstanden ist“, sagt er, und das sei beeindruckend. Den Anspruch, man müsse hier auch weiterhin die Teleskopentreffen ausrichten, habe er nicht.

Einige seiner Hobby-Kollegen sehen das aber anders. Denn die Globetrotter-Geschäftsführung erntete auch harsche Kritik. In Mails von Hobby-Astronomen wurde dem Unternehmen vorgeworfen, „das Naturerlebnis eines nächtlichen Himmels am Aschberg zu zerstören.“ Globetrotter sollte seine Verantwortung für Natur ernst nehmen und das Teleskopentreffen wieder ermöglichen.

Günther Hoffmann, Geschäftsführer der Globetrotter-Betriebs GmbH, betont nicht nur gegenüber unserer Zeitung seine Kompromissbereitschaft, sondern lud die Kritiker auch als Reaktion auf die Schreiben zu einem Gespräch auf den Aschberg ein. „Die Beleuchtung des Aussichtsturms wird ab 23 Uhr ausgeschaltet“, so Hoffmann, auch andere Lichtquellen ließen sich dimmen. „Allerdings haben wir auch eine Sicherungspflicht für die Hotel- und Seminargäste“, betont er. Komplett könne man die Beleuchtung natürlich nicht ausschalten. Sollten keine Hotelgäste eingecheckt haben und die Konferenzräume nicht belegt sein, könne natürlich weitaus mehr abgedunkelt werden.

Hoffmann bestätigt , dass das Gespräch mit den Astronomen vor Ort sehr konstruktiv verlaufen sei. Messungen der Himmelshelligkeit hätten zudem recht gute Werte ergeben – obwohl aus den Fenstern der Lodge das Licht strahlte sowie Turm. und Treppenbeleuchtung in Betrieb waren.

Globetrotter und Sterngucker seien aber gemeinsam bemüht, eine Ausweichfläche für das Teleskopentreffen zu finden. Im Gespräch ist eine Wiese südlich des Parkplatzes. Sollte die Multifunktionsfläche (ehemals Sportplatz) genutzt werden können, wollten die Sternengucker selbst für eine Abschirmung sorgen. Langfristig solle aber eine Fläche östlich des Parkplatzes zur Verfügung stehen. Von dort gebe es einen freien Horizont nach Süden, Osten und Norden und kein störendes Licht. Zur Zeit werde die Wiese aber noch landwirtschaftlich genutzt.



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