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Eckernförder Zeitung

17. Dezember 2017 | 07:51 Uhr

Eiszeit : Steinige Mitbringsel aus der Eiszeit

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Landwirt sammelt jährlich bis zu 40 Tonnen Steine von seinen Ackerflächen . Steine würden landwirtschaftliche Maschinen beschädigen.

von
erstellt am 13.Jan.2016 | 06:37 Uhr

Holzdorf | 30 bis 40 Tonnen Steine „erntet“ Landwirt Hilmar Kellinghusen jedes Jahr auf seinen Äckern. Und es wird nicht weniger, sagt der Holzdorfer, der in der dritten Generation das Gut Maasleben bewirtschaftet. Feldsteinmauern, Fundamente und gepflasterte Wege auf seiner Hofanlage zeugen davon, dass schon immer ausreichend viele und große Feldsteine von den rund 250 Hektar Land zusammen getragen wurden.

Besonders jetzt im Winter sieht man auf den Äckern in Schwansen große und kleine Steine auf den Äckern liegen. Die „wachsen quasi auf dem Boden“, erklärt Kellinghusen, ohne dass er sie ausgesät habe, ergänzt er lächelnd.

Verschiedene Erklärungen für dieses Phänomen gibt es. Vor allem die Bearbeitung des Bodens sorgt für Bewegung. Auch wenn diese in nur sehr langen Zeiträumen ablaufen, so führen sie dazu, dass Steine nahezu aller Größe nach oben wandern. Für Bewegung im Boden sorgt vor allem der Pflug, sagt Kellinghusen. Bis 1970 pflügte man bis zu 20 Zentimeter Tiefe. Bis etwa 1990 drangen die Pflugscharen bis auf 25 Zentimeter in die Tiefe vor. Inzwischen erreichten Pflüge schon 30 Zentimeter Tiefe, je nach Mächtigkeit des Mutterbodenhorizonts. Setze man zudem noch Tiefenmeißel ein, um damit beispielsweise verdichtete Fahrspuren auf dem Acker aufzulockern, erreiche man damit schon 40 Zentimeter Tiefe. Im Boden befindliche Steine würden dadurch natürlich angestoßen und über Jahre nach oben wandern. Feines Material rutsche nach. Hinzu komme im Winter der Frost. Wasser im Boden dehnt sich beim Gefrieren aus, und drückt die Steine so nach oben. Taut es wieder, können sich die Hohlräume unter dem Stein mit Bodenmaterial verfüllen, und der Stein sackt nicht mehr so tief ab wie er zuvor lag, erläutert Kellinghusen.

Damit der Pflug nicht durch Steine beschädigt wird, sind die Scharen so justiert, dass sie bei zuviel Widerstand wegklappen, erklärt der Landwirt. Die Stelle werde dann auf dem Acker mit einer Flagge markiert. Oft habe er schon erlebt, dass man anfange mit dem Spaten den Stein auszugraben. Dieser wurde dann aber immer größer, dass schließlich selbst der Traktor nicht mehr reichte und ein Bagger zum Einsatz kam. Mehrere dicke Brocken mit mehreren Hundert Kilogramm Gewicht hat Kellinghusen an seinem Feldweg schon gesammelt.

Dass Kellinghusen und seine Kollegen in Schwansen aber auch dem Östlichen Hügelland beständig Steine auf ihren Äckern finden, liegt an der letzten Eiszeit. Während der Weichselvereisung vor rund 10  000 Jahren wurde das Material aus Skandinavien mit den Gletschern hier her gebracht. Als das Eis taute, blieb das Material als End- und Grundmoräne liegen und bildet die kuppige Landschaft. Weit verbreitet ist in dieser Region der Geschiebemergel. Eine Mischung aus vielen Bestandteilen, vom feinen Ton über Schluff, Sand, Kies bis hin zu den dicken Brocken.

Damit die Steine die empfindlichen landwirtschaftlichen Maschinen nicht beschädigen, werden die Fläche jährlich abgesucht und die Steine abgesammelt. In der Regel vor der Aussaat würden die Flächen abgegangen. Entspannt sei es, wenn einer im Trecker fahre und zwei rechts und links die Steine sammeln und in die Treckerschaufel werfen, so Kellinghusen. Jede Fläche sei verschieden. Auf einigen Schläge finde er in der Regel wenig, auf anderen Bereichen dauere es drei bis vier Tage. Und diese Mühe lohnt sich, sagt Kellinghusen. Ein vielleicht 15 bis 20 Zentimeter großer Stein könne leicht Schäden von 5000 bis 10  000 Euro an Mähdreschern verursachen.

Herrenlos sind die Steinhaufen an den Feldrändern oder Sammelpunkten allerdings nicht. Sie sind Eigentum des Landwirts, der sie veräußern, oder damit Mauern errichten und Plätze pflastern kann.

Neben den Steinen finden die Helfer ganz selten auch historische Steinbeile oder versteinerte Seeigel. Kellinghusen fand schon mal einen alten Mühlstein und eine alte Mühlplatte. Häufiger und vor allem in nassen Bodenpartien würden sie auch Mooreichenholz finden. Einen Goldschatz fand er bislang nicht, „steinreich sei er aber dennoch“.


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