Plattdütsch Gill : Stehende Ovationen und „vorwärts in die Zukunft“

Zwei, die miteinander können: Karl-Heinz Groth (r.) und Heiko Gauert.
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Zwei, die miteinander können: Karl-Heinz Groth (r.) und Heiko Gauert.

Karl-Heinz Groth wurde nach 24 Jahren als Baas der Plattdütsch Gill mit stehenden Ovationen verabschiedet. Die Plattdütsch Gill ernannte ihn zum ersten und bisher einzigen Ehren-Baas. Sein Nachfolger Heiko Gauert setzt auf die Jugend.

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08. März 2014, 06:24 Uhr

Am Ende standen sie alle und applaudierten. Und einer schaute gerührt und fast ein wenig ungläubig in den vollbesetzten Saal des Stadthallenrestaurants – Karl-Heinz Groth (74), dem die stehenden Ovationen galten. Eindrucksvoller hätten die Mitglieder und Ehrengäste der Plattdütsch Gill Eckernför, die gerne und bereitwillig der Aufforderung Gunther Niemanns gefolgt waren, die herausragenden Leistungen Groth für die plattdeutsche Sprache kaum ausdrücken können. Es wird ihn mit Genugtuung erfüllen, in Heiko Gauert einen Nachfolger gefunden zu haben, der in seine Fußstapfen passt: Gauert ist wie Groth Schulmeister, ist in Eckernförde und Viöl plattdeutsch aufgewachsen, schreibt und liest in vielfältiger Form, verfügt über ein eng geknüpftes plattdeutsches Netzwerk und bringt neben einem geschliffenen Auftreten auch eine gehörige Portion Humor mit ins Amt, mit dem er bei den etwa 100 (von 300) anwesenden Mitgliedern am Donnerstagabend schon mal bestens ankam. Groth bezeichnete seinen Nachfolger als „een ganz grootartigen Plattdütschen“. Im Sommer geht der 64-jährige Realschulrektor aus Hohenlokstedt in Pension und wird dann dauerhaft an seinem neuen Wohnsitz in Vogelsang-Grünholz sein und die plattdeutsche Szene als „Baas“ der Plattdütsch Gill bereichern.

„Es ist wie nach Hause kommen“, ließ Gauert nach seiner einstimmigen Wahl wissen. Es sei für ihn „eine große Ehre“, er hoffe, dem „Erbe seiner beiden großen Vorgänger Hans Jessen und Karl-Heinz Groth“ gerecht werden zu können. Mit seinen Opas Johannes Rathje, der eine Fischräucherei betrieb, und Wilhelm Gauert, einst Inhaber des beliebten Strandlokals „Agge Nulle“ am Exer, habe er nur plattdeutsch gesprochen. Gauert kündigte an, vor allem den Kinder Plattdeutsch wieder nahezubringen. In den Familien werde leider immer seltener platt gesprochen. Ein Lichtblick seien plattdeutsche Kita-Gruppen und der plattdeutsche Sprachunterricht in 27 Grundschulen des Landes nach den Sommerferien - 43 hatten sich beworben. Man müsse wieder „Draht zu den jungen Leuten“ bekommen. „Wir müssen mit ihnen so viel wie möglich platt sprechen“. Mit einem aufrüttelnden „Vorwärts in die Zukunft“ gab Gauert das Signal zu einem neuen Aufbruch.

Karl-Heinz Groth wird das mit Freude zur Kenntnis genommen haben, denn seine Arbeit wird engagiert weitergeführt. Ihm selbst wurden wahre Lobeshymnen zuteil. Achim und Conny Thomsen dankten ihm mit einem Sketch, in dem ein Heiratswilliger versehentlich im Büro der Reitschule „Gut Sitz“ landet und dabei gehörig aus dem Sattel gehoben wird. Kassenwartin Petra Kiencke-Meißner stimmte ein Dankeslied an, der Vorstand um Klaus Steen und Christa Wetzel überreichte einen Präsentkorb und die Plattdeutsch-Referentin des SHHB, Marianne Ehlers, wies auf die Spuren hin, die Groth als umtriebiger Förderer des Plattdeutschen hinterlasse habe. Bürgervorsteherin Karin Himstedt erinnerte an das intensive Wirken Groths in vielfacher Hinsicht und seine Auszeichnungen. Groth sei ein „Meister der plattdeutschen Sprache mit hohem literarischen Anspruch“. Sie überreichte ihm in Anspielung an die von ihm mitentwickelte „Spitze Feder“ in der Eckernförder Zeitung einen Federkiel mit Tintenfass. Sprachwissenschaftler Prof. Dr. Willy Diercks und jahrzehntelanger Begleiter lobte Groths Courage und eisernen Willen. „Er verlangt viel von sich und anderen“. Die plattdeutsche Übersetzung des Brechtschen Herrn Keuner sei typisch für Groth, der stets Herausforderungen suche, aber nicht versäumen dürfe, die Lebenskräfte auch mal wieder aufzufüllen.

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