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eckernförder werkstätten : Stehende Ovationen für Udo Tank

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Der Leiter der Eckernförder Werkstatt Udo Tank ist nach 36 Dienstjahren in den Ruhestand verabschiedet worden. Ihm wurde eine große Wertschätzung entgegen gebracht. Seine Nachfolge tritt Anja von Keller an.

Die hohe Wertschätzung, die Udo Tank genießt, bemisst sich nicht allein an der Zahl der Grußworte zu seiner Verabschiedung. Aber allein sie war imposant und die Worte, die die illustre Schar der zehn Redner für den in den Ruhestand gehenden Leiter der Eckernförder Werkstatt fanden, zeugen von der hohen fachlichen und persönlichen Kompetenz, Qualität und Zuneigung, die Tank sich im Laufe seines langen Arbeitslebens erworben hat. „Vielen Dank, lieber Herr Tank!“ brachte es Bischof i.R. Hans-Christian Knuth auf den Punkt. Am Ende gab es stehende Ovationen für den 64-Jährigen, der die Eckernförder Werkstatt als sein Lebenswerk ansehen darf und sie mit Herz und Verstand zu einem mittelständischen Betrieb entwickelt hat.

Die Verabschiedung Udo Tanks überstrahlte an diesem Tag ein wenig die gleichzeitige Feier zum 30-jährigen Bestehen der Einrichtung der Eingliederungshilfe für behinderte Menschen. Das verwundert nicht angesichts der von allen gewürdigten großen Leistung, die der in Ascheffel lebende Elektroinstallateur, Erzieher, Diakon und mit 36 Jahren wohl dienstältester Einrichtungsleiter aller Werkstätten der Norddeutschen Gesellschaft für Diakonie (NGD) in „seiner“ Werkstatt vollbracht hat. Es war ein charmanter Zug, dass die Moderation ausgerechnet seine Nachfolgerin Anja von Keller (43) übernommen hat, die sich zuvor um die NGD-Integrationsbetriebe und das Teilhabegestaltungssystem gekümmert hat.

Georg Kallsen, Vorsitzender der Geschäftsführung der NGD-Gruppe, wies auf die stetige Aufwärtsentwicklung der 1978 in der Schleswiger Straße gegründeten Eckernförder Werkstatt hin, in der Udo Tank und sein Team 80 Menschen mit Behinderung Arbeit bot. Schnell wurden es mehr Beschäftigte, so dass 1984 ein Neubau am Holm fällig wurde, der 1994 durch einen Anbau erweitert wurde. Heute arbeiten 239 Beschäftigte in der Werkstatt, die von 62 Mitarbeitern in den Abteilungen betreut werden. Verpackung, Montage, Wäscherei, Tischlerei, Sandstrahlen, Seifenproduktion, Gärtnerei oder Kaffeerösterei, um nur einige Bereiche zu nennen – die Werkstatt biete für alle ein ideales Arbeitsumfeld, sagte Kallsen. Martin Seehase, Geschäftsführer Arbeiten und Wohnen mit Assistenz, widmete sich den Verdiensten Udo Tanks.„Seit Ende der 70-er Jahre ziehst Du die Strippen.“ Die Werkstatt sei unter Tanks Leitung „viel mehr als ein Ort zum Arbeiten.“ Tank habe unter dem Motto „Gemeinsam arbeiten, zusammen wachsen“ immer darauf Wert gelegt, dass niemand „auf der Strecke bleibt“. Er habe sich gerade um die Schwächeren gekümmert und sei im Einsatz für sie und die Werkstatt „immer dort hingegangen, wo es weh tut“. Im Falle Tanks seien Beruf und Berufung ein und dasselbe.

Der Eckernförder SPD-Bundestagsabgeordnete Sönke Rix war einst Zivi in der Werkstatt und hat dort von 1997 bis 2005 gearbeitet. Er lobte die Offenheit der Einrichtung und „tolle Arbeit“, die dort geleistet werde. Udo Tank und seine Frau Karin lud Rix für ein Wochenende nach Berlin ein. Alt-Bischof Hans-Christian Knuth steuerte persönliche Erlebnisse mit der Werkstatt und ihrem Leiter bei. So habe er einmal die Haare seiner Bobtails in der Werkstatt spinnen und zu einem Pullover verarbeiten lassen, erzählte Knuth. Udo Tank habe er als sehr verlässlichen und verständnisvollen Gesprächspartner erlebt. „Die Eckernförder Werkstatt gibt der Stadt ein soziales und christliches Gesicht“, sagte Propst Sönke Funck, Udo Tank habe „die diakonische Haltung vorgelebt“. Bürgermeister Jörg Sibbel sprach von einer „wchtigen und wertvollen Einrichtung“ mit einer „bedeutungsvollen sozialen Aufgabe“ und lobte Tanks „sympathisch-fordernde Art – der richtige Mann am richtigen Platz“. Die Mitarbeiterin Karin Hilgers und Thomas Hamann , Harald Kunde vom Werkstattrat („Du bist uns immer auf Augenhöhe begegnet. Danke, dass Du für uns da warst, wir werden Dich nie vergessen“) und Norbert Eggers, Leiter des Materialhofs in Rendsburg mitsamt Kollegen-Chor („Wenn Du einverstanden bist, läuft auch alles. Wenn nicht, ist es nicht immer leicht und dauert“), gaben Tanks sehr persönliche, wertschätzende Worte mit auf dem Weg in den Ruhestand.

Die neue Chefin am Holm 17-21, Anja von Keller, hat die Werkstatt in den vergangenen Wochen als „fabelhafte Einrichtung“ erlebt. Die Kaffeerösterei sei „ein leuchtendes Beispiel für Inklusion“. Ihrem Vorgänger versprach sie, „Dein Lebenswerk weiterzuführen und die Erfolgsgeschichte fortzuschreiben“.

Udo Tank war nach diesen Beiträgen „ein bisschen sprachlos“. Da gab sich aber schnell. Auch in seiner Abschiedsrede blitzte auf, dass er ein Kämpfer für die Schwachen in der Gesellschaft ist und gegen Ungerechtigkeiten anzugehen weiß. Er ging mit den Kreisen hart ins Gericht, die erwägen, Kürzungen bei der Betreuung behinderter Menschen vorzunehmen. „Wir leben in einem so reichen Land, da verbietet es sich, über Kostenreduzierungen bei benachteiligten Menschen zu reden“, sagte Tank. Auch er habe in seiner Laufbahn Fehlschläge hinnehmen müssen, diese seien aber immer auch „Voraussetzungen für spätere Erfolge“. Wie im Falle seines Projekts Kaffeerösterei, die „den besten Kaffee Nordeuropas“ produziere und 1500 Kilo Kaffee im Monat röste. Erfolgsprojekte seien auch der Handwerkermarkt und die Produktion der Kaminanzünder „k-lumet“, die dafür sorge, „dass alle Beschäftigten immer Arbeit haben“.

 

 

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erstellt am 23.Aug.2014 | 07:00 Uhr

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