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Stegner trifft Habeck in Gettorf : Stegner trifft Habeck: Lockere Talkrunde mit privaten Einblicken

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Ralf Stegner und Robert Habeck treffen sich zu einer Gespächsrunde im Hotel Stadt Hamburg in Gettorf

shz.de von
erstellt am 27.Apr.2017 | 08:41 Uhr

„Politiker reden zu abstrakt“, sagte Landwirtschaftsminister Robert Habeck ( Bündnis 90/Die Grünen), SPD-Landesvorstizender Ralf Stegner sprach von Technokraten. Die beiden trafen diese Woche im Gettorfer Hotel Stadt Hamburg zusammen. Bei der SPD Veranstaltungsreihe „Stegner trifft“ ging es darum ins Gespräch zu kommen, ohne sich hinter den üblichen Phrasen und Wahlkampffloskeln zu verstecken. Zwar steht die Politik im Mittelpunkt, aber es wurde auf einer anderen Ebene gesprochen. Das sorgte im vollbesetzten Saal für Emotionen. Die Politiker sorgten bei den Zuschauern, die während des circa einstündigen Gespräches gebannt zuhörten, für einige Lacher, aber auch Gänsehautmomente waren dabei.

Journalistin Cosima Schmitt übernahm die Moderation und stellte gezielt Fragen, deren Antworten hinter die Fassade der Politiker blicken ließen. „Herr Stegner. Wir sitzen hier in einem traditionellem Gasthaus, das ist ihnen nicht fremd, denn ihre Eltern besaßen auch eine Gastwirtschaft – Zum goldenen Flug.“ „Ja, stimmt. Gastwirtschaften sind ein wichtiger Ort, da wird vielleicht sogar mehr entschieden, als im Parlament“, scherzte Stegner. Wann seine Politisierung begonnen hätte und warum er sich für die SPD entschieden hätte, wollte die Moderatorin wissen. Die 200 Zuschauer hörten gespannt zu, als Stegner von seiner Zeit in Amerika erzählte und von Kennedys Deeskalationspolitik schwärmte. „Ich bewundere diesen Mann, natürlich hatte der auch seine Schwächen.“

Ein echter „Sozis“ sei er aber nicht durch seine Eltern geworden, die wären dafür zu konservativ gewesen. „In meinen Augen haben die Sozis immer auf der richtigen Seite gestanden“, erklärte der Landesvorsitzende. Ebenso erinnerte sich Stegner daran, wie er als Schüler das Misstrauensvotum gegen Willy Brandt verfolgt hat. „Damals wurde ein Fernseher in der Schule aufgebaut und wir haben alle gebannt zugesehen. Es war einfach klar, dass das ein besonderer Moment war.“

Robert Habecks Eltern waren Apotheker. Er wuchs in Heikendorfer auf. „Ich hatte eine geile Kindheit“, so Habeck, aber mitten in diese Kindheit ist eine Atombombe geknallt“, womit er auf Tschernobyl ansprach. „Das hat einen damals schon zum Nachdenken gebracht.“ Wie es denn so wäre seine Karriere als Schriftsteller aufzugeben und Berufspolitiker zu werden, wollte die Moderatorin wissen. „Ich bin jetzt kein Schriftsteller mehr, sondern Politiker.“ Er hätte da reinwachsen müssen, aber wenn man von einer Sache überzeugt sei, dann entwickele man da eine Leidenschaft für. Die Literatur könne man aber auch mit in die Politik nehmen so Habeck. „Mit Zahlen macht man keine Politik, sondern indem man miteinander redet und da hilft eine gute Erzählstruktur.“ Für einen nachdenklichen Moment sorgten die Politiker, als sie davon sprachen, dass sie mit Kriegsversehrten aufwuchsen. „Damals wurde einem dieser schreckliche Krieg noch viel stärker vor Augen geführt“, waren sich beide einig.

Insgesamt ein lockerer Abend, doch die eine oder andere Spitze konnten sich die Politiker nicht verkneifen. Während sie erzählten, konnten die Zuschauer ihre Fragen auf Kärtchen schreiben. Cosima Schütt suchte sich einige Fragen heraus. Was die Politiker gegen den wachsenden Rechtspopulismus unternehmen wollen, wurde gefragt. Habeck hatte drei Antworten: Man müsse eine gerechtere Umverteilungspolitik betreiben und die Parteien sollten sich auch immer selbst hinterfragen. Und „Leidenschaft in der Politik“ sei die beste politische Antwort auf den Rechtsruck. Stegner hingegen hob hervor, dass es wichtig sei, sich nicht mit den Rechtspopulisten gemein zumachen und sich klar abzugrenzen.

Der Abend klang mit Livemusik aus.

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