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Renaturierung : Staustufe: Möhlwischtal wird zum Feuchtgebiet

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Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Das Sediment des Möhlwischbaches soll sich vor der Staumauer absetzen, nur sauberes Wasser soll in die Ostsee fließen. Das den Bau einer durchlässigen Staumauer hat sich im Möhlwischtal ein ansehnliches Feuchtgebiet gebildet.

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erstellt am 05.Apr.2014 | 06:30 Uhr

Eckernförde | Das Untere Möhlwischtal an der Letzten Pappel wird zu einem Refugium für Wasservögel, Amphibien und Fische. Mit einer Metallspundwand und einem imposanten Wall aus großen Feldsteinen wird der südlich von Mohrberg hervorquellende Möhlwischbach vor dem Einlauf in die Rohrleitung auf der gegenüberliegenden Seite des Yachthafens des Segelclubs Eckernförde (SCE) zu einer großen Wasserfläche aufgestaut. Der Stausee ist allerdings nicht Ziel, sondern Folge der eingeleiteten Maßnahme, mit der die Stadt einem Untersuchungsergebnis des Landes nachkommt: Im Zuge einer Studie zur Verbesserung der Badewasserqualität waren die Gutachter vor etwa fünf Jahren zur Überzeugung gelangt, dass das Sediment des Möhlwischbaches herausgefiltert werden sollte, so dass das in die Ostsee fließende Wasser auf natürliche Weise gefiltert wird und zur Verbesserung der (Bade-)Wasserqualität beiträgt. Das Ergebnis ist jetzt an der Letzten Pappel zu besichtigen.

Der städtische Umweltbeauftragte Michael Packschies ist mit dem Resultat sehr zufrieden. „Durch den Einstau entsteht hier eine neue Feuchtgebietslandschaft“, sagte Packschies. Und damit neuer Lebensraum für Vögel, Amphibien, Insekten, Fische und arttypische Pflanzen. Aus der Ostsee in den Bach aufsteigende Fische gebe es durch die Verrohrung unterhalb der Straße und des Segelclubgeländes ohnehin nicht, so dass dadurch auch kein Nachteil entsteht. Und sollte irgendwann einmal die Verrohrung wieder freigelegt werden – was mit viel Aufwand und Kosten verbunden wäre –, könnte eine Fischtreppe den Meerforellen und Lachsen den Weg von der Ostsee in den Möhlwischbach ebnen. Packschies geht davon aus, dass die großen Steine nicht wieder wie schon zwei Mal zuvor von Leuten beiseite geschoben werden, um den Abfluss des Stausees zu beschleunigen. Diesmal, so der Umweltexperte, seien die Steine ohnehin nur zur Absicherung und schöneren Optik gesetzt worden – gestaut werde das Wasser durch die darunter befindliche Metallspundwand.

„Wir haben diverse Gespräche mit den Anwohnern geführt, die begeistert von dem neuen Feuchtgebiet sind“, sagte Packschies. Durch die ständige Ablagerung von Sediment werde der Stausee im Laufe der Jahre allmählich verlanden und sich zu einem Sumpfgebiet verändern – und damit seinen Ursprungszustand wieder annehmen. Denn das Möhlwischtal (Mühlenwiese) war früher eine Schmelzwasserrinne und eine weitläufige, verschilfte Sumpflandschaft, die nahtlos in die Ostsee überging. Durch die Aufschüttung des Aushubs beim Bau des Segelhafens Anfang der 70er Jahre ist diese Fläche dann eingeebnet worden. 1990 wurde dieses Areal dann durch die Verbreiterung und Verschwenkung des Baches renaturiert.

Weniger begeistert vom vergrößerten Feuchtgebiet sind einige Fußball spielenden Kinder. Beim Kicken auf dem leicht zum Ufer abfallenden Spielfeld ist ihnen der Ball ins Wasser gefallen, und durch den um etwa 20 Zentimeter angestiegenen Wasserspiegel konnten sie ihn nur mit Mühe wieder herausfischen. Die sieben Borbyer Jungs schrieben daraufhin einen Brief an Bürgermeister Jörg Sibbel, ob man da nicht Abhilfe schaffen könnte. Da kein Absender angegeben war, erfolgt die Antwort jetzt durch diesen Zeitungsbericht. Michael Packschies kündigte an, dass man für eine „grüne Abgrenzung“ in Form von eingesetzten Weidensträuchern sorgen werde. Aber auch dann gilt: Den Ball immer schön flach halten, Jungs.

 

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