Staubsaugen an der Steilküste

Begutachten die Fundstücke der archäologischen Grabung: Karin Mordhorst (v.l.), Donat Wehner, Monika Maerten und Prof. Ulrich Müller.  Foto: Jäger
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Begutachten die Fundstücke der archäologischen Grabung: Karin Mordhorst (v.l.), Donat Wehner, Monika Maerten und Prof. Ulrich Müller. Foto: Jäger

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08. September 2010, 05:45 Uhr

Krusendorf | Ein ungewöhnliches Bild: Wolf Schwokowsky und Hendrik Raese hantieren mit einem Staubsauger inmitten des Gesteins an der Steilküste zwischen Jellenbek und Surendorf. Staub und Steine müssen entfernt werden, damit alles mit dem Fotoapparat wissenschaftlich dokumentiert werden kann, erklären sie. Seit dem 30. August buddeln die Studenten unter Leitung von Archäologe Donat Wehner vom Institut für Ur- und Frühgeschichte der Christian-Albrechts-Universität (CAU) zu Kiel nach Überresten der 1319 zum ersten Mal erwähnten Kirche St. Katharina am Jellenbek. Bis 1737 diente die Saalkirche Fischern und Dorfbewohnern als Navigationspunkt und Zufluchtsort. Dann wurde sie abgetragen, durch eine neue Kirche, die heutige Dreifaltigkeitskirche, im Dorfkern in Krusendorf ersetzt. Nur "Katharina", die Glocke, eine Taufschale, eine silber vergoldeter Abendmahlkelch, zwei Oblatendosen und ein Abendmahlbild blieben aus der alten Kirchen erhalten.

"Das Besondere ist, dass es so eine großflächige Grabung nach einer Kirche auf dem Land in Schleswig-Holstein seit mindestens 30 Jahren nicht mehr gegeben hat", sagt Professor Ulrich Müller, Leiter des Instituts für Ur- und Frühgeschichte an der CAU. Und die Grabung ist äußerst ergiebig, sehr zur Freude der Krusendorfer Kirchenvorstandsvorsitzenden Karin Mordhorst und von Heimatforscherin Monika Maerten aus Dänisch-Nienhof. Die 70-Jährige hatte sich seit Jahren darum bemüht, Ausgrabungen in die Wege zu leiten.: "Seit 1997 habe ich gedrängelt: Messt, sonst fällt euch die Kirche weg", so Maerten. Geomantische, geomagnetische und in diesem Jahr endlich auch eine Georadarmessung erfolgten. Zweiter Anstoß geber für das vierwöchige Grabungs projekt war Grabungsleiter Donat Wehner. Zusammen mit seiner Frau Katja, einer Denkmalschützerin, entdeckte der Archäologe bei einem Spaziergang entlang der Steilküste den Ziegelbruch.

Bereits nach einer Woche haben die zehn Studenten bereits eine 50 Zentimeter tiefe, zehn mal 15 Quadratmeter große Fläche und damit das Fundament der Kirche freigelegt. Es ist zu Großteilen noch erhalten. Standorte von Chor, Altar und Schiff lassen sich noch erkennen. Neben Nägeln, Zierelementen, Fensterglas, Mauerwerk und Formsteinen, aus denen das Kreuzrippengewölbe bestanden haben muss, wurde auch eine Münze von 1720 gefunden.

Besucher, die am Montag die Ausgrabungsstelle begutachteten, interessierten sich vor allem für zwei nahezu unbeschadet erhaltene Grabplatten von dem 1720 gestorbenen Pastor Peter Struve und von Christian Lexovi, der 1651 im Alter von 83 Jahren starb und der älteste, in den Kirchenbüchern auftauchende Prediger ist. Von dem früheren Kirchfriedhof zeugen auch zahlreiche Funde von menschlichen Knochen.

In knapp drei Wochen soll der Grabungsort aufgrund der zu erwartenden Witterungsverhältnisse wieder zugeschüttet werden. Doch im kommenden Jahr soll es weitergehen: "Wir gehen noch tiefer, bis keine Kulturreste mehr da sind", so Wehner.

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