Klimawandel : Starkregen und Urlaub zu Hause

Klimawandel in Schleswig-Holstein – was tun? Dr. Markus Groth, Helga Schenk, Dr. Horst Sterr, Dr. Ingrid Nestle, Wolfgang Vogel und Dr. Catrin Homp (v.l.) diskutierten.
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Klimawandel in Schleswig-Holstein – was tun? Dr. Markus Groth, Helga Schenk, Dr. Horst Sterr, Dr. Ingrid Nestle, Wolfgang Vogel und Dr. Catrin Homp (v.l.) diskutierten.

Podiumsdiskussion mit Experten zum Thema Klimawandel auf der Klimale am Strand.

shz.de von
16. Juli 2015, 06:21 Uhr

Eckernförde | Die Klimale ist ein kleines Volksfest für alle, die sich über den Klimawandel Gedanken machen. Und wenn von denen, die sich bislang keine Gedanken gemacht haben, auch nur einige Wenige erreicht werden und diese daraufhin ihr Verhalten ändern, dann hat sie ihr Ziel erreicht. So hatte es Bürgermeister Jörg Sibbel bei der Eröffnung der zweitägigen Klimale am Dienstag sinngemäß zum Ausdruck gebracht.

Mehr als einige Wenige waren am Abend aber auch nicht an den Strand vor dem Ostsee Info-Center gekommen, wo sich Fachleute bei einer Podiumsdiskussion zum Thema „Wie begegnen wir dem Klimawandel in Schleswig-Holstein“ äußerten: etwa 40 Leute von denen viele noch als Veranstalter oder Aussteller zu identifizieren waren. Sprottentage, Open-Air-Festival, Vegan Summer – die Leute sind wohl einfach „satt“. Vielleicht wäre auch ein Wochenende als Veranstaltungszeit besser gewesen – vielleicht fühlen sich die Menschen aber auch einfach genügend informiert.

Und das nannte Prof. Dr. Horst Sterr als Vater der Klimale eine Gefahr. Noch wiege sich die Gesellschaft in Sicherheit. In Inselstaaten sehe das schon anders aus: „Auf Tuvalu zum Beispiel ist die Erhöhung des Meeresspiegels durch den Klimawandel schon so real, dass Evakuierungspläne existieren, die einen Ankauf von Arealen in Neuseeland vorsehen, um die Bevölkerung umsiedeln zu können.“

Prof. Horst Sterr und Sandra Enderwitz vom Klimabündnis Kieler Bucht hatten die Moderation inne und wollten wissen, was speziell auf die Schleswig-Holsteiner zukommt. Von einem Meeresspiegelanstieg um bis zu einem Meter sprach Dr. Ingrid Nestle, Staatssekretärin des Umweltministeriums, während Dr. Markus Groth vom Climate Service Center des Helmholtz-Zentrums in Geesthacht Temperaturanstieg, Extremwetter und häufigeren Starkregen prophezeite. Helga Schenk, Klimawandelanpassungsbeauftragte Hamburgs schilderte ihre Befürchtung von einem Anstieg tropischer Krankheiten. Und die Landwirtschaft werde laut Wolfgang Vogel, Direktor des Landesamtes für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume a.D., vor bislang ungekannten Herausforderungen stehen: Extreme Hitzephasen im Sommer mit austrocknenden Böden und Starkregen im Winter mit Überflutungen.

Reagieren müssten die Menschen auf vielfältige Weise. Zum einen durch eine starke Reduzierung der CO2-Emissionen, zum anderen durch eine Anpassung an die wechselnden Gegebenheiten. Häuser in potenziellen Überschwemmungsgebieten zum Beispiel müssten langsam aufgegeben werden und die Bevölkerung in höhere Lagen umsiedeln.

In Eckernförde habe man schon reagiert, schilderte der Eckernförder Abteilungsleiter für Naturschutz und Landschaftsplanung, Michael Packschies: Bauherren werde als Hochwasserschutz mit auf den Weg gegeben, Aufenthaltsräume in einer Mindesthöhe von 3,50 Metern anzulegen.

Bewusstsein für den Klimaschutz zahlt sich aber auch anders aus. Hamburg, so Helga Schenk, sei Exzellenzstandort für Klimawissenschaften und entwickle sich zu einem Produktionsstandort für Windenergieanlagen. Und im Tourismus trägt laut der Geschäftsführerin des Tourismusverbands Schleswig-Holstein, Dr. Catrin Homp, der Küstenschutz auch zum Erhalt der Strände bei. Nicht zuletzt sähen viele Touristen einen ökologisch verträglichen Urlaub als Qualitätskriterium.

Und das wird laut Wolfgang Vogel mehr: „Zurzeit stehen wir bei einer CO2-Emission von elf Tonnen pro Jahr und Kopf. Um dem Klimawandel zu begegnen, müssen wir auf 2,83 Tonnen kommen.“ Weite Flugreisen würden dann nicht mehr möglich sein, die Urlaubsentscheidung deutlich regionalisiert. „Eckernförde als Umwelthauptstadt profitiert davon, weil hier Qualität geboten wird.“

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